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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 457 - 458

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Simson in der bildenden Kunst
Date
1912-05-01
Page
Seite 457 - 458 (sequence 5)
Language
German
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457 Karl Schwarz: Simson in der bildenden Kunst. 458 Gesicht energisch der Gefühl* zuwendet, viel einleuchtender ist. Bei van Dyck Jässt sich Simson ruhig" binden, während er bei Kubens energisch Gegenwehr leistet. Gegen eine frühere Version in der Dulwieh Galerie zu London ist der sonst für derartige bewegte Darstellungen im Allgemeinen zu feinfühlende Meister zu einer erstaunlichen Kraft vorgedrungen, doch liier laufen ihm sein Lehrer wie auch der gewaltige Rembrandt im Städelschen Institut zu Frankfurt den Rang ab. Bevor wir uns zu dem Kollossalgemälde des Amsterdamer Meisters wenden, sei noch des Gemäldes des in England lebenden Solomon J. Solomon gedacht, das in so illustrer Gesellschaft jedoch seinen JHatz nur schwerlich zu halten vermag. Das Lehermass der Körperanstrengung der in das Gemach eingedrungenen Philister bringt ihre Körper in Stellungen, die unmöglich erscheinen, auch die Art, wie der eine von ihnen den kahlgeschorenen Simson am Kopfe packt, scheint wenig aussichtsvoll für ein kräftiges Herumj'eissen; Delila als zigeunerhaftes Weib in der rechten Ecke frohlockt bestialisch über ihre Schlauheit und die jammervolle Niederlage ihres Geliebten. — Rembrandt zeigt nicht nur die Ueberwältigung, sondern auch die grauenvolle Blendung. Sie haben ihn zu Hoden gerissen, und bei dem Fall hat der Huhne einen der Angreifer unter sich begraben; ein Krieger Tag für Tag bringen uns die Zeitungen Beispiele von schier unglaublicher menschlicher Leichtgläubigkeit. Bald sind es Damen, die gern einen Mann haben, bald Leute, die schnell reich werden wollen, die das Opfer ihrer Leichtgläubigkeit werden, so an Geld und Gut Einbusse erleiden und überdies oft Schaden nehmen au ihrer Seele. Und das merkwürdigste ist — wenn es eine einschlägige Statistik gäbe, so würde sich ohne Zweifel feststellen Sassen, dass die Zahl der Enttäuschungen als Folge der Leichtgläubigkeit nicht geringer wird, die Erfahrungen anderer nicht abschreckend wirken. Es werden eben gar viele nicht durch andere klug. Maa könnte sich mit einem Achselzucken über die, die nicht alle werden, hinwegsetzen, wenn damit die Kategorien der Opfer der Leichtgläubigkeit erschöpft wären. Aber wie in den Dingen des gewöhnlichen Lebens, so ist es in den höheren Regionen menschlicher Betätigung. Der Spiritismus und v erwandte Erscheinungen, die Kurpfuscherei in ihren verschiedensten Formen sind Gewächse, die nur auf dem Nährboden der Leichtgläubigkeit gedeihen können. Ohne sie wären die Gagliostros und Genossen nicht möglich. Gerhart Hauptmanns „Emanuel Quint" ist, abgesehen von allem sonstigen grossen Gehalt des Werkes, eine höchst künstlerische Darstellung menschlicher Leichtgläubigkeit. "Die Rechts-, Kunst- und Gelehrtengeschichte ist-überreich an Dokumenten der Leichtgläubigkeit und der Täuschungen, •denen die Träger der Künste und Wissenschaften anheimgefallen sind bis auf den heutigen Tag. Und wie auf ■engeren Gebieten, so ist es in dem grossen Gang der Geschichte. Das Schicksal der Völker hätte. «in, anderes.. Aussehen, wenn die Weltgeschichte nicht voller Lügen wäre, die geglaubt wurden und geglaubt werden, und kniet über ihn, indem er seineu Dolch ihm in das rechte Auge bohrt. Von links kommt ein anderer mit einer Hellebarde daher, die sogleich auch dem anderen Auge das Licht rauben soll. In gewaltigem Sehmerz brüllt der Held wie ein Löwe und schlägt, da seine Anne bereits gefesselt sind, mit den Beinen um sich. Hinten flieht Delila, die die abgeschnittenen Lorken wie im Triumphe emporhält, aus dem Gemach. Das Ganze ist in magische Beleuchtung gehüllt, die Körper der Männer lieben sich riesengross von dem hellen Hintergrund ab, wo das Licht in vollen Strömen zu der Schauerszene hereinflutet. — Mit Posaunen und Trompeten verkünden die Schergen dem Volke, dass Simson. der gefürchtete Kiese, in ihren. Händen, dass die unnahbare Kraft des Mannes aus Zora gebrochen. Im Triumphzuge wird er aus dem Hause seiner Verräterin herausgeschleppt, mit Stricken gebunden. Geissein geschlagen, Fusstritten traktiert und Schniähworten gehöhnt. Leon Glaizes Gemälde schildert ihn so, da sie den Wehrlosen fortschleppen, während oben am Fenster Delila dem Zuge nachblickt. — Des Dramas letzten Akt hat die Kunst übergangen, der durch seine eigene Kraft sterbende Simson, der noch im Tode sich an seinen Feinden rächt, ist bildlich — soweit mir bekannt — nicht dargestellt worden. igube p-stattt-t. deren Aufdeckung eine der Hauptaufgaben des gewissenhaften Geschichtsforschers ist. "Welche l'nruhe um ein Beispiel «aus unseren Tagen anzuführen — ist nicht, seit Jahren über einen grossen Teil der Welt gekommen, weil Millionen von Engländern glauben, dass Deutschland sich rüste, England mit Krieg zu überziehen! .Oder, welcher Einüuss gibt sich nicht auf die innerj>olitischen Verhältnisse mehrerer Staaten kund, weil viele Millionen glauben, dass der Papst Gefangener in seinem Riesenpalast ist! Niemand aber hat wie wir Juden am eigenen Fleische das l uheil der Leichtgläubigkeit erfahren. Welch' unsägliches Leid hat nicht die Ritualmord-Lüge über die Juden gebracht, die ja immer noch, und nicht bloss an der Peripherie der Kulturwelt, ihre Opfer, fordert! End welch' grösseres Leid noch hat die Welt über uns verhängt, weil man das Unmögliche geglaubt hat, dass die Juden Jesuin gekreuzigt haben! AVer vermag auszudenken, welchen Gang die Geschichte genommen hätte, wenn die Menschen nicht so leichtgläubig wären! Aber so geht es nun einmal: eine Lüge kommt auf. wird geglaubt, verbreitet, gelangt, zumal in unserer druckseligen Zeit, durch tausend Kanäle in den breiten Strom der Welt, und wenn man dieser Hydra auch den Kopf zertreten .bat, ihr wachsen neue nach, und sie wird so zur Geschichtslüge,. Eine solche Geschichtslüge scheint sicli nun auch an die Fersen unseres Leopold Zunz heften zu wollen, die längst als solche stigmatisiert worden ist, aber mun doch plötzlich wieder als vermeintliche Tatsache auftaucht in einem Buche, in dem mau sie am wenigsten erwartet hätte, da: sein Verfasser die Sonde der-Kritik mit grosser Schärfe zu führen weiss, in dem Buche von Zollschan: „Das Rassenproblem11. Hier findet sich die Aeusserung (IL Auf- EINE GESCHICHTSLUEGE UEBER LEOPOLD ZUNZ. Von Prof. Dr. Kalischer. .Nachdruck mit Qudlenan

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