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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 451 - 452

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Simson in der bildenden Kunst
Date
1912-05-01
Page
Seite 451 - 452 (sequence 2)
Language
German
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451 Karl Schwarz: Simson in der bildenden Kunst. 45fianael Sichel, die nur den Typ irgend einer beliebigen schönen Frau wiedergeben, ausser Acht lassen). Jephta ist ausgezogen gegen Amnion und hat dem HeiTn für den Fall eines glücklichen Ausganges des Kampfes ein Gelübde getan, dass das erste Wesen, das ihm bei seiner Rückkehr in die Heimat entgegenkäme, dem Ewigen geopfert werde. Da tritt dem siegreichen Helden mit Pauken — und Seitenspiel seine einzige Tochter entgegen — und die Siegesfreude des starken Mannes verwandelt sich in jähe Trauer. Ohnmächtig sinkt er in die Arme seiner Begleiter, während die liebliche Tochter nichtsahnend dem Vater entgegeneilt. So schildert Giovanni Domenico Tiepolo, der Sohn des berühmten venezianischen Malers, die Szene in einem Gemälde der Bamberger Galerie. Und Jephtas Tochter zog in die Berge und weinte und trauerte daselbst mit ihren Gespielinnen ob der verlorenen Jugend, bevor sie das grausame Urteil, an das der Vater durch seinen Schwur gebunden zu sein glaubte, an sich vollstrecken liess. Diese jungfräuliche Trauerszene gibt ein Gemälde von Adelheid Salles-Wagner (1825—1890), da die Frauen hinausziehen vor die Tore der Stadt, ihre Harfen in die Bäume hängen und schluchzen und weinen. Und eine dritte Darstellung von Charles Lebrun (1619—1690) zeigt das Ende dieser Tragödie: Der gramgebeugte Domenichino: Simson mit dem Eselskinnbacken. Jephta selbst zuckt den Dolch über der Tochter, die ergeben in ihr Geschick niederkniet, um mit ihrem jungen Leben den unüberlegten Schwur des Vaters zu sühnen. Die Opferbecken senden ihren dunklen Rauch zum Himmel empor, das versammelte Volk bricht in Tränen aus, düster zieht sich der Himmel über das grausige Bild des Kindermordes. Ein trauriges, rätselhaftes Geschick meldet die Geschichte Jephtas, eine Begebenheit, über die sowohl die Interpreten gerne hinweggehen wie auch die Künstler lieber schweigen, als diese Episode der Verirrung noch durch ihre Hand weiter auszugestalten. — Nur wenige Seiten braucht der Bibelleser fortzufahren, um eine Gestalt zu finden, deren gewaltige Taten die Phantasie in Spannung und Erregung versetzen. Simson, der Held an Kraft und Mut, der Hühne und Recke, dessen Geburt bereits durch besondere Botschaft angekündigt wird, musste ebenso wie der Herkules der griechischen Mythologie den Künstler zu gewaltigen Kompositionen anregen. Wie Isaak, Samuel und andere für die israelitische Geschichte bedeutungsvolle Männer, wird auch Simson geschildert als die Frucht einer lange kinderlos gebliebenen Ehe und wird nach besonderen höheren Erscheinungen und Einwirkungen ins Dasein gerufen. Der Lehrer Rembrandts, Pieter Lastman, zeigt in einer im Berliner Kupferstichkabinett befindlichen Federzeichnung die Erscheinung des Engels, der dem Manoah und seinem Weibe die Geburt eines Sohnes verkündet. Dieselbe Szene verwandte der etwa zu gleicher Zeit lebende J.Voorhout d.ä., den dramatischen Moment jedoch, da der Engel in den Flammen des Opfers gen Himmel fährt, hat Rembrancit selbst in dem berühmten Gemälde der Dresdener Galerie festgehalten. Der Engel ist gerade im Begriff, den Blicken der Opfernden zuentschwinden; Manoah und sein Weib haben sich vor der göttlichen Erscheinung niedergeworfen und wagen es nicht, die Augen zu erheben. In inbrünstigem Gebet falten sie die Hände, dankerf üllten Herzens lassen sie t den Boten der himmlischen Gnade ziehen, de:' wie ein Geist sich in dem Rauche des flackernden Holzstosses zu einem magischen Schemen auflöst. — Rembrandt hat mit besonderer Vorliebe die Geschichte des Simson dargestellt. Das prunkvolle Hochzeitsmahl zu Thimnath, da der Bräutigam den Gästen sein Rätsel aufgibt, schildert ebenfalls ein grosses Gemälde zu Dresden. An reichgedeckter Tafel sitzen die Hochzeitsgäste, in der Mitte thront die festlich geschmückte Braut, ihr zur Seite sitzt auf weiche Kissen gelagert Simson, um den sich die Männer der Philister schaaren, um das Rätsel anzuhören, das er ihnen mit lebhaften Gesten erzählt. Eine echt orientalische Gesellschaft in bunten Gewändern mit Turbanen und Schärpen und reichem Geschmeide, umgeben von leuchtenden Teppichen, kunstvollen Platten und Kannen, ist da beisammen; die ungebundene Kraft des Helden zeigt sich in seinen stürmischen Bewegungen, die Ränke der Braut in ihren verschmitzt dreinblickenden Augen. — Die Auserkorene wird dem Gatten vorenthalten, da droht der schnöde Betrogene seinem Schwiegervater mit geballter Faust und verkündet ihm Rache, Dieses

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