Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 343 - 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Reb Schmuel und Reb Awrohom auf Wache
Date
1912-04-01
Page
Seite 343 - 344 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584024-2600853--12939-2600946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

343 Siegfried Mehring: Reb Schmuel und Reb Awrohom auf Wache. Awrohom: Schiess du erst, ich bin dir's mauchel. (Schtnuel tut, als ob er schiesse und macht mit dem Munde dazu: Pif! Paf! Plötzlich springt die Erscheinung in die Höhe und läuft mit Geheul davon. Es war ein schwarzer Pudel). Schmuel (heftig erschrocken): Ich bin ganz weg. Hätt' ich nur weinigstens e Schluck Branntwein. Es is gutt, das es esau abgeloffen is. Abber es is keine Kleinigkeit, wos mir do erlebt hobben. Eigentlich müssen mir jeder e Medallje kriegen, denn alle Nacht kummt esau eppes nit vor. Awrohom (auch ganz erschöpft): Weinigstens muss das sein gewesen an Auberst. Schmuel: Obber e graussen Stolz muss er hoben, dass er nischt hot gewollt uns Antwort geben. Awrohom: Host de geseh'n! Er soll uns noch Antwort geben! Hot er denn gekonnt geben? Mir hobben mit ehm deitsch geredt un er is e Franzaus. Schmuel: Wir wer'n den Feldwebel sogen: er muss ahnen mitgeben, der e bissche Französch kann, suftst können mer mit solche Leit' nit fertig werden. Awrohom^!Wos geiht dos dich on? Lossen sei sich de Kopp zerbrechen! Wenn mir wieder zusammen sennen uf de. Wach1 un mir kriegen e Franzaus zu packen, is am besten: mir sogen, mir geben k^in Pardong nit. Dos is uf franzeisch un dos werd der Franzaus schon versteih'n. Do werd er Maure kriegen un werd uns noch beten, mir solFn ehm nit uf de Wach1 brengen. Schmuel; Wenn der Franzaus obber taab is un nischt hören kenn? Awrohom: Wenn er taab is un nischt hören kenn, kann er doch nischt bei de Franzausen dienen! Hast de gehört! Schmuel: Tau, du host rec^t, Jetzt wer'n mir geihn zum Feldwebel un dos all^i melden. (Beide begeben sich zur Hauptwacbe uad melden sich.) Schmuel: Herr Feldwebel! Mir hobben eine sehr erschreckliche Vermeidung zu mochen. Heit Nacht sennen mir zum Rekognoszieren rekojnmandiert geworden, hätten mer bald einen franzö'schen Auberst gefangen genutnmen, — wenn er uns nit war' davungeloffea* Awrohom: Eigentlich hobben mir £bfii hlaus wollen verjoogen. ■• - Feldwebel: Aber tausend Element! "Was.seid, ihr beide für Kerls. Wie könnt ihr euch nur einen solche Fang entgehen lassen? Und begeht noch die Dummheit, mir das zu melden. Wrisst ihr, .dass hierauf grosse Strafe ist? Denn wahrscheinlich seid ihr; davongelaufen und nicht derFr.anzo.se, vor dem ihr euch wohl gefürchtet habt. — Ist das nicht,so?. He? Schmuel: NeiD, grod1 verkehrt! Er j« uns davungeloffen. Feldwebel: Macht, da^s ihr .zu Hause kommt und schweigt ja von diesem Vorfall, denn sonst, wenn es d-ir Hauptmann erfährt, so könnt ihr beide schlecht wegkommen. Und ich muss dieses eurer Dummheit zugute halten. (Sie entfernen sich beide ganz bestürzt.) Schmuel: Wos meinst de, Awrohom, zu den newailedicken Feldwebel? Awrohom: Weisst du? Ich wer ehm efscher onzeigen, denn mir hobben zwei Medalljen zu fordern, un die will er uns obspenstig machen. Schmuel: Ich wer1 ehm an andern Feldwebel übern Hals sctrcken, — für den werd er schon Respekt hobben. Awrohom: Nu. wen maanst de? Schmuel: Na, wen ich maan'! Ich maan' mein Weib. Dos is noch an ärgerer Feldwebel wie er. Die geiht nit ob, bis er ihr zwei Medalljen gebbt. Awrohom: Wos willst de vun dein Weib? Sie is e ganz gut Stück, nor se is mauchesmol e bissche hitzig un zäokt sich gerne. Nu, loss ihr dos Naches! — — Un wenn mir kriegen nor eine Medallje, kennen mer aach zufrieden sein. Werst du se aan Tog trogen un den andern Tog wieder ich. Schmuel: Nu, ich bin zufrieden darzu. (Sie kommen beide nach Haus, und Schmuel erzählt sogleich das Abenteuer meiner Frau. Diese ist ganz aufgebracht über den Feldwebel.) Frau: Woos? Der Schnorrer vun Feldwebel hätte dir gemusst geben sechs Medalljen. Schmuel: Nu, worum verlangst de nich gor fufzehn Medalljen, as de aanmol forderst?! Frau: Host de vergessen, wie er bei uns drei Treppen hauch gewauhnt hot un ich ehm manches Stück Fisch rufgetrogen hob:?! Un wieviel Flaaschkugeln hot er bei uns uf aanmol ufgefressen? He? Worum hob1 ich's gethun? Weil er mir versprochen hot, Eisekleben vun de Balmechomes lauszumachen. Nu? Hot er1s eor gekennt? As er sich hot gehat satt gefressen, hot er gesogt, mir sollen erst den Dokter dodervun soogen, nochher werd er schaun dos seinige tun. Nu, wos hot er getun? Gor nischt! Schmuel: Gejb, tu mer den Gefallen un loss ehm gor geihn, den Neereile. Wos willst de raushrengen? Frau: Wos? . Dos loss ich nischt li'gen. Er muss dir e Medallje geben un aane Reb Awrohom, un ich muss, aach aane kriegen. Schmuel: Noch woos soll dir e Medallje? Frau: Ich will se seh'n aufzuheiben for unser Eisekleben. Schmuel: Nu, genV gesunderheit! Nor tu mer den Gefallen, wenn du ehm willst die Dewone Merom geben, nor unter vier Augen, — heerst de? Denn sunstkenn er der noch e Mischpet machen! Frau: Do der vor loss mich sorgen. Wenn ich ehm e, Flaaschkugel mitbreng1, is er der beste Mensch vun de Welt. Ich bin aach über sieben Johr. Ich .will hobben for dir un for Reb Awrohom ane grausse Medallje und for Eisekleben nor e kleine Medallje, Nu, jetzt wer' ich mich geih'n orazieh'n. Awrohom (kommt mit einem Zeitungsblatt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.