Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Reb Schmuel und Reb Awrohom auf Wache
- Date
- 1912-04-01
- Page
- Seite 341 - 342 (sequence 2)
- Language
- German
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341 Siegfried Mehring: Reb Schmuel und Reb Awrohom auf Wache. 342 Schmuel: DieTabaktuse hob' ich mir gehault, obbe an Essen hob1 ich nit gedacht. Und jetzt hob ich eppes Appetit. Awrohom: Nu, wenn me Appetit bot, esst me. Schmuel: Ich möcht1 gern eppes essen, wenn ich nur eppes hätt\ Und dernoch: ich konn mich nit waschen un Mauze machen, wie ich's gewauhnt bin, un konn mich nischt setzen, — und steihn und essen will ich aach nischt! Awrohom: Ei! Wer werd esau kommode sein! £' Balmechome muss sein keraschiert. Mich hätten se efscher genummen zu die Husaren. Denn ich bin schein gewachsen, — dos sehst de doch! Nor mein Riekcheleben hot gesogt, die Husaren sennen lauter Treifesiresser. Nur mir scheint, se hat Maure gehobt, ass sich werd e Mädche in mir verlieben. Nu hat me mich genummen zu e Fuss-Balmechome. Schmuel: Nu, Ihr seht mir aus wie e Husar! E scheiner Husar mit graue Hoor1. Un Ihr könnt doch nischt uf den Perd ruf. Awrohom: Wegen de graue Hoor1 war' es schaun gegangen. Blücher hat aach schaun graue Hoor1 un kenn ganz gut reiten. Schmuel: Geh1 — ich will Blücher aach nischt sein. Er muss sich aach genug ploogen. Awrohom: Hör1 nur, Schmuel. Pass du uff! Wenn de Patrullje kummt, tonnst de mich rufen. Oder geb du statt mir Antwort. Ich hob1 vergessen, Mahrew zu dawnen. Schmuel: Es ist gut, dass du mich dodron erinnerst. Ich hob aach vergessen, Mahrew zu dawnen. Lossen se verschwarzt liegen! Se kennen mit de Patrullje warten, bis mer fertig sennen. (Während sie noch beten, hört man von fern den Anmarsch der Patrouille. Die beiden lassen sich aber nicht stören und beten wreiter, bis die Patrouille ganz nahe ist.) Korporal: Stillstand! Awrohom ist gerade fertig und schultert das Gewehr. Korporal: Nu! Was macht denn der andere? Awrohom: Verßeihen Se, Herr Korporal. Mein Kamerad is mit einmol unpass geworden. Er hat sich heute mittag ew$|$te den Moogen verdorben. Korporal: Nun, dann muss er sich beim Kapitain krank melden, denn ich kann ihm nicht helfen. Awrohom (sieht Schmuel an): Sehen Se, Herr Korporal, es is ehm schon wieder besser. Er hat e gutten Moogen. Korporal: Nun, das ist mir lieb. Rechts um — marsch! ' (Die Patrouille marschiert weiter). Awrohom (zu Schmuel):' Aber sog1 mer nor, wie kennst de mich esau stecken lössen! Wenn der Korporal e Neweile sein will, muss ich mit ihm auf de Hauptwach! Schmuel: Nu, wer' ich denn wegen den Goi mafseck sein? Esau viel is er mir nit wert. Awrohom: Wenn de hest gesogt zu ehm: du verrichtest dein Gebet, er solPs nischt übel nehmen, war1 er ewadde zufrieden gewesen. Schmuel: Stille! Ich hör1 widder eppes kummen. Es scheint de grausse Nachtpatrull je zu sein. (Eine neue Patrouille naht. Schmuel und Awrohom schultern ihr Gewehr und stehen still). Unteroffuier: Beide Mann abkommandiert zum Rekognoszieren. — Gewehr auf Schulter — marsch! (Schmuel und Awrohom sind ganz erschrocken, müssen sich aber auf vorgeschriebenen Weg begeben. Als sie allein sind, beginnt): Awrohom: Dos fehlt uns noch. Wenn mir do jan sau e rechten schicker dicken Franzaus treffen, — dos war1 e schein Päckel. Schmuel: Ich wer1 der eppes sogen. Es seht uns doch keiner hier. Wir werden uns de Stiewel auszieh'n un wer'n in de Strümp geih^, — werd uns doch kein Franzaus hören können! Un esau werden mir geih'n zwei Schoh, bis zu die Ablösung, un dernoch melden mir uns beim Hauptmann. Awrohom: Nu, dos konn nit schooden. Ich bin aach doderbei. Lossen mir probieren! (Beide gehen nun in den Strümpfen ein Stack Weges. Plötzlich steht Awrohom still und wendet sich zu Schmuel). Awrohom: Merkst du denn nischt? Ich seh1 eppes schwarzes. Host du gutte Augen? Seh nor! Mir scheint, do in der Eck von den Haus sitzt eppes schwarzes. Hätt1 ich nor meine Brille mitgeiummen. Schmuel: Ich hob1 meine Brille bei mer. (Setzt sie auf.) Bei mein Leben! Du hast recht! Dos is gewiss e Franzaus, un noch derzu vun die schwarze Husaren, denn wieviel ich sehen konn, hot er e schwarzen Pelz an. Wos fangen mir an? Dos is e graus Päckel mit e Pack! Awrohom: Nu, — was besinnst de dich? Ich loof fort. Komm ün loof mit. Es seht uns doch keiner hier. Un noch was sollen mir erst mit den Rezeiach anfangen? s1 ist besser, mir machen uns fort, eib's zu spät is. Schmuel: Geih! Du bist doch gar kein Balmechome! Erstens sennen mer doch Zwei gegen Ahnen. Un nachher scheint's mir gar, als er schloofen möcht. Nu, do kann er uns doch gar nischt tun! Ich wer' der soogan: mir geih'n gans sachte bis uf drei Schritt zu ehm hin. Bleibt er liegen, is gutt, — do nehmen mer ehm gefangen un binden ehm. E dicke Schnur hob1 ich bei mer. Steiht er obber uf, nu loofen mer deremmes fort. Was meinst du? (Sie gehen beide auf den schwarzen Gegenstand los. Endlich ruft Schmuel: Wer da! Es erfolgt keine Antwort. Sie rufen beide noch einmal, es erfolgt wieder keine Antwort). Schmuel: Wenn Ihr keine Schuwe gebt, werd1n mer brauges un schiessen. (Wieder keine Antwort). Awrohom: Mach dich schiessen. Schmuel: Schiess du erst. Du bist älter.