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Ost und West · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 231 - 232

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Der Prophet Nostradamus
Date
1912-03-01
Page
Seite 231 - 232 (sequence 3)
Language
German
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231 Erich Kar! Borck: Der Prophet Nostradamus. 232 denen er die Nativität stellte, verschwieg er blutige Nebenumstände ihres Glückes. Nostradamus — sein Name steht im Lexikon und ist wohl allen Deutschen ans dem ersten Faustmonologe bekannt — wurde am 14. Dezember 1503 in St. Remy geboren und starb 1566 in Salon. Er war Arzt wie sein Vater, hatte in Avignon und Montpellier Medizin, Philosophie und humanistische Wissenschaften studiert und verbrachte sein Leben in adeliger und geistiger Gesellschaft. Den Verlust seiner ersten Frau und seiner Kinder suchte er auf einer zehnjährigen Reise durch Frankreich und Italien zu vergessen. Seine Kunst' als Arzt war wohl grösser als die zeitgenössischer Aerzte, er zeichnete sich in mehreren Städten bei Seuchen aus und erhielt seiner besonderen Verdienste wegen ein Ehrengehalt. Er trat aber bald von seiner öffentlichen Wirksamkeit zurück, um ganz seinen inneren Schauungen zu leben. Ein kleiner Raum, von dem aus der ganze Horizont zu übersehen war, barg ihn nachts. Hier versuchte er, nach seiner Erklärung, innere Ahnungen mit astrologischen Berechnungen in Uebereinstimmung zu bringen. Er, der soviel voraussah — an seiner Ehrlichkeit ist wirklich nicht zu zweifeln — konnte natürlich nicht an Willensfreiheit glauben. Er meinte vielmehr, dass. jedem Ereignis dieser Welt von vornherein seine Stelle zugewiesen sei. Und diese Stelle glaubte er berechnen zu können. Mir scheint, dass alle astrologischen Mittel, die Michel Nostradamus verwendete, seiner Selbsttäuschung dienten. Was hat schliesslich ein Stern mit dem nichtigen Dasein der Erdenbewohner zu tun. Wahrscheinlich ist Nostradamus Erklärung, dass sein Inneres in vollkommener Ruhe sein müsse, und er in seiner inneren Welt ..die Geschichte in ihrem Zusammen hang und ohne Vermittlung der Zeitformen" sähe, die einzige Antwort, die dieses Rätsel andeutungsweise erklären kann. Zweihundert Jahre vor Kant schaltete dieser Jude die menschliche Kategorie der Zeit aus der Welt aus! Und das. was er nur streift, scheint uns noch heute die einzigakzeptable Deutung zu enthalten. Greifen wir nun aus den Beispielen, ARNOLD 'MONAT. Portraitböste die Kemmerich in grosser Zahl zusammengestellt hat, die verblüffendsten heraus. Ich kann hier nur dieUebersetzr ung geben, ohne den Kommentar, wie sie entstanden ist und möchte nur hoch darauf hinweisen, dass einige Quatrains leichter, einige schwerer zu lösen, manche — allerdings die wenigsten — fast fliessend zu lesen sind. Im allgemeinen lassen sich seine Prophezeiungen erst nach ihrem Eintreten entziffern, da erst die Fakten die hervorstechenden Angaben auffällig machen, Le lys Dauffois portera dans Nanci Jusques en Flandres electeur de l'Empire; Neusve obturee au grand Montmorency, Hors lieux prouves delivre ä clere peyne. Uebersetzt wurde dieser Quatrain folgendermassen: Die Lilie des Dauphin wird nach Nancy kommen und wird bis nach Flandern einen Kurfürsten des Reiches unterstützen. Neues Gefängnis dem grossen Montmorency. Ausserhalb der dazu bestimmten Ortes wird er ausgeliefert werden einer berühmten Strafe/' ,,Alle Daten und Namen passen auf Ludwig XIII. Seine Truppen drangen am 24. September 1633 in Nancy ein;" er folgte einen Tag später. Nancy gehörte damals übrigens als Hauptstadt Lothringens nicht zu Frankreich. 1635 drang er zur Unterstützung des gefangenen Kurfürsten (!) von Trier bis nach Flandern vor. Die Gefangennahme des Kurfürsten war der Anlass zum Feldzuge und zu der damit verbundenen Belagerung von Löwen in Flandern. 1632 wurde Heinrich IL Montmorency— der Name stimmtbisauf den letzten Buchstaben — wegen Rebellion ins neue Gefängnis von Toulouse gefangen gesetzt. Auf Bitten der Familie wurde Montmorency nicht auf dem Stadtplatze, sondern — genau nach Nostradamus — „ausserhalb des dazu bestimmten Ortes", nämlich im Hofe des Rathauses, enthauptet. Auch die Enthauptung ist eine berühmte Strafe,, aber Nostradamus hat in einem noch rätselhafterem Sinne recht behalten. Denn zieht man die „berühmte Strafe" BERLIN. Clere P°yne Zl1" des Knaben J. sammen, so_ erhält

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