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Ost und West · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 121 - 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Das jüngste Bild vom Judentum
Date
1912-02-01
Page
Seite 121 - 122 (sequence 5)
Language
German
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12 t Dr. Max Esclielbacher: Das jüngste Bild vom Judentum. 122 die Fülle. Du krönest das Jahr mit Deiner Güte, und Deine Fusstapfen triefen von Fett." Oder aus Kohelet: „Wenn irgend einem Menschen Gott Reichtümer und Güter gegeben, und ihm gestattet, davon zu geniessen und. sich zu freuen seiner Mühe, das ist ein Geschenk Gottes/' Oder aus Sirach: „Besser ist, wer arbeitet und an allem Ueberfluss hat, als wer stolz tut und an Brot Mangel leidet" Wo ist hier die von unserem Historiographien beschrieene kapitalistische Gesinnung? Wir wollen uns für unsere Auffassung von Bibel und Talmud im allgemeinen nicht auf fremde Autoritäten berufen. Hier aber tut es doch wohl, auch einmal einen Zeugen anzurufen. Max Weber, Sombarts unerreichtes Vorbild, nennt die Wirtschaftsgesinnung, die in der Bibel lebt, „streng traditionalistisch", d. h. kapitalistischer Auffassung abgeneigt. „Ein jeder bleibe bei seiner Nahrung und lasse die Gottlosen nach Gewinn streben. Dies ist der Sinn aller der Stellen, welche direkt von weltlicher Hantierung handeln. Erst der Talmud steht darin teilweise, aber auch nicht grundsätzlich, auf anderem Boden. Ebensowenig glücklich ist Sombart da, wo er aus späteren Schriften den Hunger des Juden nach Geld nachweisen will. Da zitiert er z. B. oft die Memoiren der Glückel von Hameln, er notiert, dass auf 313 Seiten nicht weniger als 609 mal von Geld, Reichtum und Erwerb die Rede ist" (er liefert beiläufig mit dieser pedantischen Auszählung ein wunderbares Probestück jener „Rechenhaftigkeit, die er sonst dem Juden nachsagt) und dann kommt der Trumpf: „vor allem steht im Mittelpunkt des Interesses die pekuniär vorteilhafte Heirat". Nun, die Glückel war eine Kaufmannsfrau und spricht vom Geld, wie der Bauer vom Säen und Ernten. Aber wir möchten Sombarts Zitiererei einmal etwas anderes gegenüberstellen. Er möge doch einmal nachzählen, wie oft in einem echt deutschen Werk, etwa in Goethes Hermann und Dorothea, von Geld und Erwerb und pekuniär vorteilhafter Heirat die Rede ist. Da lässt Goethe den alten Wirt, den Repräsentanten des deutschen Bürgertums, seinem Sohn gute Ratschläge geben: „Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft. Mancherlei Dinge bedarf der Mensch, und alles wird täglich Teurer; da seh er sich vor, des Geldes mehr zu erwerben. Und so hoff ich von dir, mein Hermann, dass du mir nächstens In das Haus die Braut mit schöner Mitgift hereinführst; Denn ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen. Und es behaget so wohl, wenn mit dem gewünschten Weibchen Auch in Körben und Kasten die nützliche Gabe hereinkommt. Nicht umsonst bereitet durch manche Jahre die Mutter Viele Leinwand der Tochter von feinem und starkem Gewebe; Nicht umsonst verehren die Paten ihr Silbergeräte, Und der Vater sondert im Pulte das seltene Goldstück; Denn sie soll dereinst mit ihren Gütern und Gaben Jenen Jüngling erfreuen, der sie vor allen erwählt hat. Ntir wohlausgestattet möcht ich im Hause die Braut sehn; Denn die Arme wird doch nur zuletzt vom Manne verachtet Und er hält sie als Magd, die als Magd mit dem Bündel hereinkam. Ungerecht bleiben die Männer, die Zeiten der Liebe vergehen. Ja, mein Hermann, du würdest mein Alter höchlich erfreuen, Wenn du mir bald ins Haus ein Schwiegertöchterchen brächtest Aus der Nachbarschaft her, aus jenem Hause, dem grünen. Reich ist der Mann fürwahr, sein Handel und seine Fabriken Machen ihn täglich reicher, denn wo gewinnt nicht der Kaufmann? Nur drei Töchter sind da; sie teilen allein das Vermöge n. Vor dieser Rede, die ein Vater seinem Sohn hält, verschwindet alles, was Sombart aus dem gesamten jüdischen Schrifttum an Zeugnissen für die Liebe zum Golde anführt, in wesenloses Nichts. Wenn so etwas in Bibel oder Talmud stände! Aber Sombart wird dort nichts Aehnliches finden. Wir wollen nun mit dem väterlichen Rat des trefflichen Wirts zum goldenen Löwen durchaus nicht beweisen, dass das deutsche Volk von Grund aus kapitalistisch gesinnt sei und dem Gott Mammon alles opfere, wir wollen damit nur zeigen, welch ein Unfug Sombarts Art zu zitieren ist, und wie wenig auf Argumente, wie er sie liebt, zu geben ist. Zum Schluss bringt Sombart noch die Behauptung, das Christentum nehme dem Reichtum gegenüber eine andere Stellung ein, als das Judentum, es verfluche ihn. Auch hier wimmelt die Rede unseres Kritikers von populären Unrichtigkeiten. Dem Reichtum feindlich ist nur das Evangelium, nicht das spätere Christentum. Vom frommen Christen behauptet Sombart „Dieser muss ja

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