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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 53 - 54

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Eine Reformation durch die Juden
Date
1912-01-01
Page
Seite 53 - 54 (sequence 4)
Language
German
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53 Albert Bach: „Eine Reformation durch die Juden." 54 immerwährende Ceiben alles Cebenben. Ohne Sd)mer3 ift bas 5ein unbenkbar, jeber Baum er3äl)lt uns eine traurige Gefchid)te, jeber Stein fd)aut uns mit erfd)rechenbem Crnft an; wäh)renb wir }pred)en, lachen, einfältig batyn* wanbeln, vernid)tet man in un3äl)ligen Sd)lad)tr)äufern blühenbes, kraftftrorjenbes Ceben, während wir reftlos bie Cuft bes Dafeins trinken, winben fid) kranke in unausfpred)lid)en Qualen, leiben (T)enfd)en it)r letjtes, großes (Dartvrium. ßört, hört, hört es, bie ih)r nur bem Cebensbienft fröh)nen wollt, 3umal wenn il)r Juben feib! Der Jube feiert fein luftigstes § eft im Totenhjemb, er weift aud), bafc nur Reue, Verfenkung unb (Dilbe bas Ver* hängnis abwenöen. „€s können im ßimmel bie Pforten bes Gebetes gefch)loffen fein, aber bie Pforten bes Weinens finb nie gefch)loffen,a fagt ein Talmubwort. Ich) habe nur mit wenigen Worten ben im tieferen Jubentum herrfd)enben Sinn für bas Ceiben ber Welt ervveifen wollen, um einen fpiefcbürgerlichen, elenben Optimismus, ben man uns fo gern anhiebt, ab3uweh)ren. Hur aus bem gan3en Geiste, aus ber Wirklichkeit unb nicht aus ber ßalbheit wirb bie kommenbe Ceh)re fpriefcen. Durd) Rugen=Wegwenben ift nichts getan. Cs ift leicht gefagt: „Der Geift müftte für ben Cebensbienft vorgebildet werben14, 3ugleich aber folle man fid) vom (Dvftifchen, b. h* von ber wahrhaft hellfehenben Begrünbung fernhalten, ßerr Bad) glaubt, bie Sittenlehre fei bie einfachste Sad)e ber Welt, benn jebermann müffe bod) einfehen, bafc Rrbeit, (Däfeigkeit unb (Denfd)enfreunblichkeit für bas Heben förberlid)er feien als Trägheit, 5af3, Heib unb Verbrechen. Das ift ber naive Stanbpunkt ber Bibel unb ber älteren ethiker: „fier;e, id) lege vor eud) heute oen Segen unb ben fluch)", „fürwahr, bie Weisheit ruft, unb bie €injid)t läftt ihre Stimme erfd)allen, auf öffentlichen Plänen, am Wege fteh)t fieu. Rllerbings fteht fie ba, wer aber fiet)t fie! Wohl liegen Segen unb fluch) vor uns, wer aber ben Blick für fie! Wir Späteren wiffen eben 3U gut, bafc wir ben Stoff ber Welt, ber uns bod) 3U allernächst um* gibt, am allerwenigften faffen, bafc wir, um Urbinge, um „Ur=Sad)enu wahrzunehmen bie feinften Gläfer brauchen. Ruf bialektifd)4almubifd)em Wege aber ift man bem Hihilismus eben fo nah wie oem Rltruismus Wenn ben kommenben Gefd)led)tern bie Ausübung bes Guten 3\veite Hatur werben foll, wirb bie Hatur in ihrer gan3en Vollkommenheit, in ihrer Graufamkeit, in ihrer fd)öpferifd)en fülle, in ihrer praktifd)=unpraktifd)en Ver* nunft, in ihrer Güte unb in ihrer verföhnenben Rllmad)t burd) (Denfd)engeift unb burd) COenfd)enkunft fid) offene baren müffen. RH bies finb nur Rnbeutungen, bie lebig* lid) ben 3weck hQben follen, bie grauen, bid)ten Hebel über ben unenblid)en Rbgrünben bes (Doralproblems ein wenig 3U 3erftrcuen. 3u 4). Das ift burd)aus rid)tig. Rber wie tief unb wie wahr wirb bie neue jübifd)e Cehre fein müffen, wenn fie 'vor ber romanifd)en unb ber germanifd)en Kultur beftehen foll! Diefe Cehre kann nur aus letjten unb nid)t aus vorlebten Grünben heraufgeholt werben. — 3u 5). Ruch) bas ift wal)r: bie ]uben finb bie religiöfen Repräsentanten bes Gefunbl)eitsprin5ips, bod) mufe man bem Rusbruck „religiöfen" feine gan3e Wichtigkeit laffen, unb wenn er fie nocl) nid)t h)Qt> f*e ihm geben. Rlle Völker lernen, warum follten bie Juben, bas vielleicht wahrhaft auserwäl)Ue Volk, nid)t lernen? * * 3u 6). So ift es. (Dan fiel)t es an ben frei* religiöfen Bewegungen neuerer 3eit. Sie bemühen fid) um bie Cebensfreube, um ben Cebensbienft: (Bruno Wille, Bölfd)e, fibus unb viele anbere mehr) aber fie finb fo unmetaphvfifd) wie möglich), it)re Weltinnigkett ift gemacht, ift künftlid). Hur müfcte aud) föerr Bad) einfehen, bafo er etwas gan3 Rehnlid)es, wenn aud) burd) ben wahrhaft eth*ifd)en Rem Rnnehmbareres forbert * 3u 7) unb 8). Dafc bie d)riftlid)e Cehre bie Grunblage 3um Jubenhaffe fd)affe, ift übertrieben. Diefer wirb vielmehr von jener in uns wirkenben (Dad)t gefd)affen, bie bas Reine unb Selbstlofe bebrängt, vernichtet, vom böfen Prinzip, bas in ber Hatur notwenbig l)errfd)t. Die Hauptaufgabe einer neuen Cehre wirb eben fein, bas Sd)webenbe in ben ]been Chrifti, bie 3U jeber egoiftifd)en Ruslegung Gelegenheit bieten, auf3ubecken; jener Rus* legur.gen, bie bie ftreu33Üge, bie Inquifition, bas (Därd)en vom Ritualmorbe, bie Pogrome, bie freube bes ßeiligen Vaters über bie (Daffenabfd)lachtungen ber Rraber unb bie „weihevollen14 Dithyramben bes Gecken D'Rnnun3*io über bie Hotwenbigfceit bes neueften Krieges 3ugelaffen. Wehe über bie ftulturmenfd)heit, bie fold)es ge}d)ehen laffen konnte, bie noch) heute barüber apathifd) hnnbärnmert. * * * 3u 10). Diefe Ibee von ber notwenbigen Spaltung ber CDenfd)heit ift von unenblid)er Bebeutung. Was hier auf befd)ränktem Räume nid)t ausgeführt werben kann, wirb ber Inftinkt bes Cefers erferjen müffen. Id) fei)2 mich genötigt, 3U biefer (Erörterung eine Stelle meines Bud)es 3U 3:dieren, bie am beften meine (Deinung bokumentieren bürfte unb bie aud) vielfach auf Pofitives h)inwei(t. „6s ift 3eit, bafc wir mit bem feftftellen ber ewigen Wahrheiten beginnen. €s ift 3eit, bafo wir aus bem Chaos ber (Deinungen herauskommen. €s mufo eine Sd)eibewanb gebilbet werben 3wifd)en ber großen (T)enfd)heit unb ber kleinen (Denfd)l)eit, 3wifd)en ben Cebcnben unb ben Toten, 5wifd)en ben ftaufleuten unb

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