Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Benedictus Spinoza
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 661 - 662 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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661 Ernst Altkirch.: Benedictas Spinoza. 662 beauftragen, den Philosophen zu porträtieren, nachdem er den! Ruf nach Heidelberg abgelehnt hatte Das Bild hat vielleicht die Heidelberger Universitätsbibliothek geschmückt. Sodann ist anzunehmen, dass es 1689 oder 1693 bei der Verheerung der Stadt durch die Franzosen geraubt und nach Frankreich entführt wurde, wo es glücklicherweise in die Hände freidenkender Juden kam. Auf der Rückseite des Gemäldes, das auf Eichenholzplatte gemalt ist", befindet sich ein aufgeklebtes Stück Papier, das mit schwer leserlichen Schriftzügen bedeckt ist. Der Wortlaut ist folgender: „Baruch Spinoza — Avec Tapprobation speciale de son Eminence — Ce portrait fut accepte comme Gontribution des familles juives Aron, Samuel et David Ventenheim au rebatissement du palais episcopa! de Saverne incendie en 1779." Die drei Familien Ventenheim dürften über grosse Besitztümer nicht verfügt haben, denn sonst wäre es wohl kaum erklärlich, dass sie zum Wiederaufbau des Schlosses von Zabern mit besonderer Genehmigung des Kardinals Rohan, der Bischof von Strassburg war, und der sich durch die H aisbandgeschichte unrühmlich bekannt gemacht hat,1 ein Porträt Spinozas beizusteuern gezwungen waren. Der Kardinal begann 1784 den Bau des Schlosses, führte ihn aber, von der Revolution überrascht, nicht zu Ende. Seit dem Jahr 1902 befindet sich das Bildnis im Besitz des Präsidenten des Court of Common Pleas Mayer Sulzberger in Philadelphia. Bis dahin gehörte es Pierre Morand, der ungeachtet seines französischen Namens ein geborener Badenser ist, und der vor etwa 25 .Jahren nach Amerika auswanderte. Er lebt noch heute in Philadelphia als geachteter Handwerker. Das Porträt wurde als ein kostbares Erbstück in seiner Familie sehr wert gehalten. Sein Grossvater war Jäger im Dienst des Kardinals in Euenheim, und als nach dem Tod des Prinzen von Rohan im Jahr 1803 die Hofhaltung aufgelöst wurde, schenkte man ihm das Bildnis Spinozas für treu geleistete Dienste. Der Enkel, der zu Jahren gekommen ist, von aufrichtiger Pietät erfüllt, befürchtete, dass das Porträt von seinen Erben nicht so wie bisher gehütet werden würde, und um es der Nachwelt zu erhalten, bot er es dem Präsidenten Sulzberger als einem Mann von hoher amtlicher Stellung zum Kaufe an, wobei erwähnt zu werden verdient, dass er es ihm zu einem Preise überlassen hat, der in keinem Verhältnis zu dem eigentlichen Werte des Gemäldes steht> und der erkennen lässt, dass die Handlungsweise des wackeren Mannes gänzlich frei von eigennützigen Motiven ist. An diese vier Gemälde reiht sich ein fünftes Porträt, der Kupferstich der Opera posthuma, an. Er ist augenscheinlich nach dem Wolfenbüttler Bildnisse angefertigt worden. Man vergleiche besonders Nebensächliches: die ovale Einrahmung, den Kragen, den Mantel und dessen Faltenwurf. Beachtenswert ist auf beiden Darstellungen auch die gleiche Anzahl Rockknöpfe. Aus den Mitteilungen des jüngeren Rieuwertz., Sohnes des bekannten Verlegers von Spinozas Werken, an Dr. Hallmann (siehe: I. Freudenthal, Die Lebensgeschichte Spinozas. Leipzig 1899. S. 232) Falsches Bild Spinozas.*) Nach dem Kupferstich von Etienne Johandier Desrochers. gellt hervor, dass der Kupferstich, in der Manier L. Visschers gestochen, als selbständiges Blatt angefertigt wurde. Den Opera posthuma, die noch im Todesjahre Spinozas erschienen, ist er zweifellos von vornherein nicht beigefügt worden. Die volle Namensnennung wäre dann unterblieben, wobei auf folgende Worte aus der Vorrede hingewiesen sein mag: „Der Name des Verfassers ist sowohl in der Aufschrift des Buches, als auch sonst allenthalben nur mit den Anfangsbuchstaben ausgedrückt worden." Es erklärt dies gleichzeitig, weshalb der Kupferstich sehr selten geblieben ist und in den meisten Exemplaren der Opera posthuma fehlt. Als der Stecher das Bild anfertigte, befand sich das Wolfenbüttler Porbrät noch in Amsterdam und hing mutmasslich in der Bibliothek Lodewijk Meijers. *) Das Bildnis mit dem Hut, von Murr bereits 1802 als falsch erkannt, ist nur auf französischen Kupferstichen zu finden, deren ältester von Desrochers (geb. 1693, gest. 1741) herrührt. Der Dargestellte ist nicht Spinoza, sondern Rene I. von Anjou, der Gute, König von Neapel, geb. 1409, gest. 1480, der sich nach einem wechselreicnen Leben den schönen Künsten widmete, die Dichtungen der Troubadours sammelte und selbst Schäferspiele und ähnliche Poesien verfasste. Aus welchem Grund unter dessen Porträt der Name Spinozas gesetzt worden ist, dürfte schwer aufzuklären sein. Jedenfalls a^er hat man diese Mystifikation ernsthaft aufgefasst, denn es sind nach dem Stich Desrochers noch zwei andere mit abweichenden Unterschriften hergestellt worden.