Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 553 - 554 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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553 Clara Steinitz: Thamar. 554 Du, Jonadab? BistTdu mein Freund nicht, sollst du doch als Gast Willkommen sein. Amnon. Und ich vielleicht nicht auch? SeitjMonden höre deiner Stimme Ton Zum erstenmal ich wieder . . . AbSalon (mit sich kämpfend, schweigt). Amnon. Deine Flur Ist voller Herrlichkeiten. Ueberall Auf fetter Weide Herden. Und dein Landort Ertönt und summet wie ein Bienenschwarm In eitel Lust. In deinen Bergen hat Dir Gott ein festlich Mahl von Wein und Mark Gar üppig angerichtet . . . AbSalon (sich endlich bezwingend). Sei willkommen Auch du! Gerade du! Das Gottesurteil Hat sich zu deinen Gunsten ausgesprochen. Amnon (leichtfertig heiter). Sieh da! So bin ich frei? (Sich sofort verbessernd, in teilnehmendem Ton.) Und die Prinzessin . . . Absalon. Du hast mich falsch verstanden. Aber frei Bist du trotzdem — nicht den geringsten Zwang Brauchst du dir aufzulegen. Ihrem Wunsch Kommst du entgegen, lässt auch du sie frei. Amnon. Wo ist die Fürstin? — Ei! — Sie will mich nicht? Absalon. Auf meinen Wunsch allein entschliesst sie sich Dich anzunehmen. Folge deshalb nur, Folg' einzig nur dem Drange deines Herzens Und bleibe frei, wenn es dich nicht beglückt, Um sie zu werben. Amnon. Lass mich sehn, ob sie Mich ungern nimmt. Absalon (zu einem Diener). Ich bitte meine Schwester, Die Gäste zu begrüssen. Diener (ab). (Während alle erwartungsvoll Thamar entgegensehn, tritt Cbileab mit Sephat-Ja und Adonia zu einer Gruppe im Vordergrunde zusammen.) Chileab. Merkt ihr nichts? Der König, unser Vater, hatte recht. Ich fühle mich beklommen. Absalon Ist unversöhnt. Sephat-Ja. Nur wen'ge Stunden noch Soll Frieden sein. Wenn unser Vater kommt — Chileab. Er kommt? Kommt nach Baal-Hazor? Adonia. Still doch, still! > Es soll's ja niemand wissen. Unser Vater Trifft abends flüchtig mit Gefolge ein, Zu helfen, dass in Frieden sich die Brüder Noch heute einigen. Vierter Auftritt. I>ie Vorigen. [Thamar mit ihren Frauen. Sie ist in -weisse Festtracht gekleidet und trägt ein Perlendiadem im Haar. Der junge Salomo läuft auf sie zu, sie umarmt und küsst ihn, hebt ihn zu sich empor. Chileab (zu den Brüdern). Berückend lieblich Ist unsre Schwester aufgeblüht. Sephat-Ja (zu Amnon). Glückseliger, Ein neidenswertes Los erwartet dich . , . Chileab (Thamar entgegen). Vom König, unserm Vater, Gruss und Segen! Thamar (beugt den Kopf, Chileab legt die Hände auf ihren Scheitel und flüstert den vorgeschriebenen Segen. Die andern Prinzen und Grossen umringen und begrüssen Thamar, deren Zustand leicht angedeutet ist. — Amnon steht neben Absalon. Die Prinzen machen Raum, und Amnon befindet sich Thamar gegenüber. Er geht mit Selbstüberwindung auf sie zu und sieht sie überrascht an). Amnon (für sich). Die Mutter meines Kindes! Stolz, als ob Sie einen Gott im Schoos empfangen hätte — Und schöner als sie war! — O Jonadab! In Staub und Asche sinken alle Pläne, Die wir geschmiedet. — Hier ist meine Heimat, Hier meine Sehnsucht, meine Zukunft hier! Wie seltsam mir zu Mut wird . . . Seligkeiten, Wie ich sie nie geträumt, erwarten mich — Jonadab. Der Rausch des Vaterstolzes! — Gut, auch das — Fahr hin, ägyptscher Glanz, uns ewig fremd, Mit finsterm Götzendienste uns bedräuend. Auch mir wird wohl sein, wenn in deine Hand Die Hand der hohen Frau sich legen wird. Tha,mar (vermeidet, den Blick auf Amnon zu richten). Willkommen, meine Brüder! Söhne Davids, Willkommen mir. Die Tische stehn bereit. Nehmt freundlich Platz! Amnon. Darf ich die Fürstin führen4: Thamar. Ich geh voraus und zeig dir deinen Platz. Amnon (zu Absalon). Nicht freundlich ist die Fürstin. Absalon (den scharfen Inhalt seiner Worte durch verbindliche Betonung massvoll machend). Stimm sie freundlich! Bezaubre nochmals sie! Sich freundlich dir Erweisen kann sie nicht, denn als Gefahr Hat sie's erkennen müssen. Doch in Wahrheit -v Nicht dich, noch einen andern Mann begehrt sie. Nichts will sie als ihr Kind und fordert nicht, Dass du zu seinem Vater dich bekennst. Amnon (stehen bleibend). Nennt sich das Gastfreundschaft im Morgenlande? Absalon (vor Höflichkeit beinahe unterwürfig). Der Ehrenplatz sei dein. — Thamar, hierher! Mit deinem Platz und deinem Schicksal, Schwester, Hast du dich auszusöhnen. Amnon, hier . . . (Amnon und Thamar nehmen am Tisch unter dem Baldachin Platz.) Fünfter Auftritt. Vorige. Knaben und Mädchen in Weiss und Gold treten ein und singen unter Begleitung von Schalmeien, Flöten und Harfen.*) Wie schön sind deine Zelte, Jacob, Und deine Wohnungen, o Israel! (Alle nehmen Platz. Die Priester segnen die Tische. Silberne Schüsseln und Kannen werden aufgetragen. Absalon nimmt unauffällig in der Nähe Amnons und Thamars Platz. Pagen schenken den Wein in goldne Becher.) Amnon. Wie Absalon mir sagt, ist mir die Fürstin Noch immer nicht geneigt — Thamar. Solange wirkt Die Arzenei, die du mir einst gereicht. *) Komposition vorhanden.