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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 551 - 552

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Thamar
Date
1909-08-01
Page
Seite 551 - 552 (sequence 9)
Language
German
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551 Clara Steinitz: Thamar. 552 Doch ich ertrug es nicht, aus Niedrer Mund Sein Urteil anzuhören. Absalon. Wen'ger noch Geziemt's dem Sohn, den Vater anzuklagen, Und schweigen würd' ich, müsstest du nicht endlich Erfahren, was geschah. — Uria stand Im Felde unter Joab, als mein Vater Vom Söller seines Hauses Bath-Seba Im Bad erblickte. Ihre Wohlgestalt Berückt die Sinne ihm. Er sendet Boten Nach ihr. Gefügig, ohne Zaudern kommt sie Nach dem Palast . . . Nicht ohne Folgen bleibt Der sündige Verkehr, die auch dem Gatten, Kehrt er zu spät vom Feld, die Augen öffnen. Damit nun Bath-Seba dem Eiferopfer Urias nicht verfalle, rufet ihn Der König heim und schickt ihn in sein Haus. Uria aber ging nicht. Vor die Tür Des königlichen Schlosses zu den Knechten Hat er sich hingelegt. Am andern Tag Lud David ihn zu sich und macht ihn trunken. Doch selbst im Rausche mied der Feldhauptmann Sein eigen Haus — als ahne er, warum Zu seinem Weib ihn David schicken wolle-- Thamar. Damit den Gatten Bath-Seba aufs neue Verstricke? Absalon. Ja. Thamar. Abscheulich! Absalon. Ihre Rettung Verlangt es so. Und jetzt erst, da ihr Leben Bedroht erschien, schrieb David jenen Brief, Von dem auch du gehört. Sein Diadem Und seinen Ruhm befleckt der grosse König, Die Frau zu retten, die in meinen Augen Im Hinterhalt ihm Fallen hat gestellt. Thamar. Wie grausam schnell vom ersten Liebesblick Zum Ehebruch, von da zum Meuchelmord Ist doch der Weg! Und David wandelt ihn, Das Weib zu schützen, das sich ihm ergab. Ein Amnon schmäht die Frau, die er bezwang. Verhängnis ist und Schicksal uns der Mann! Absalon. Bei uns im Morgenlande ist Entehrung Der Schwester grössre Schmach als die der Gattin. Das Blut der Eltern lebt in unsrer Schwester Und unersetzlich ist sie — nicht das Weib. Thamar. Was also willst du tun? Absalon. Dich rächen muss ich — Und kann nicht fragen, ob es dir gefällt. Thamar. Von einer Blutschuld dich zurückzuhalten, Bin ich gezwungen, Amnons schnöder Werbung Ein Ja zu sagen? Absalon. Tue, wie du willst. Noch lieber ist es mir, nimmst du ihn nicht. Hat David nicht gestraft, muss ich es tun. Thamar. Nein! Meinetwegen darf kein Brudermord Auf deinem Leben lasten. Und dem König Lass ich durch dich kein Herzeleid antun. Weit eher füg ich mich. Lass Amnon wissen, Dass ich ertragen will, sein Weib zu heissen. Absalon. Wir werden sehen, wie er um dich wirbt. Schon blasen die Schalmein — die Gäste kommen. (Winkt den Dienern am Säulengange.) He dort! Der Schelme zwei — was lungert ihr? (Zwei Diener treten eilfertig näher.)!Nur hurtig zugepackt! Den Baldachin Dort aus der Mitte vorne hergerückt. Ein kleiner Tisch davor, zwei Stühle hinten. Die Stühle aneinander. — Nicht so dicht! (Zu Thamar.) Ihr müsst ins Angesicht euch sehen können. Ein wenig weiter vorn! — So ist es recht. (Die Diener haben seine Befehle ausgeführt und treten zurück.) Thamar. Ich gehe. Lass mich rufen, wann du es Für angemessen findest. Absalon. Schick mir Chusi! Er weiss schon, was er soll. (Thamar ab.) Zweiter Auftritt. Absalon. Dann Chusi und Absaions Ritter. Absalon. Wenn ich nur seinen Namen denke, wird Mir glühend heiss. (Bricht einen Ast von einem der Bäume an der Veranda, bricht ihn in Stücken, wirft sie zur Erde und zerstampft sie.) Bis ich ihn so vertilgt, Hab' ich nicht Ruh. (Chusi und die Bitter kommen.) Ihr, meine Ritter, kennt Den Frevel Amnons. Folgt4 ich meinem Blut, Das mir zum Herzen steigt, gedenk' ich sein, Erschlug' ich ihn. — Doch um des Königs willen — So schwer es mich bedrückt, bin ich bereit Am Leben ihn zu lassen, wenn in Ehren Er um die Fürstin wirbt. Allein vergeht Er sich ein zweites Mal — und beinah wünsch' ich's — So höret, was geschehn soll! Erster Ritter. Herr, gebiete! Absalon. Ist an der Tafel alles guter Dinge Und Amnon lustig, wie beim Wein er pflegt, Soll er den Priestersegen Chileabs Verlangen, der mit Thamar ihn verbinde. Verläuft die Feier so, zieh' er in Frieden, Wohin er will. Doch ruf ich: Schlaget Amnon! Dann ist sein Los geworfen. Greifet ihn! Doch falle er in ehrlichem Gefecht. Zu fürchten habt ihr nichts, wenn ihr ihn tötet. Die Rechenschaft ist und die Rache mein. Seid stark und tapfer! Kann ich auf euch rechnen? (Die Bitter schlagen zustimmend die Schwerter an ihre Schilde ,und gehen.) f Ein Wort noch, Chusi! Halte Pferde mir Und Wagen für die Fürstin und die Frau'n Bereit für jeden Fall. Chusi. Wie du befiehlst. (Ab.) Dritter Auftritt. Die Schalmeien und Zymbeln sind immer näher gerückt. Amnon, C h i 1 e a b und Sephat-Ja in Priestergewändera. A d o n i a und andere Söhne Davids mit Gefolge. Jonadab. Absalon. AbSalon (ihnen entgegen). Willkommen, Brüder! Unserm Vater Dank, Der euch mir herbeschied. (Weissgekleidete Knaben und Mädchen umschwirren die Prinzen und befreien sie von lästigen Kleidungsstücken. Diener bringen silberne Becken zur Handwaschung.)

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