Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 547 - 548 (sequence 7)
- Language
- German
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547 Clara Steinitz: Thamar. 548 Die ihr den Feind in Schwaden niedermäht, Hier steh ich wehrlos und im Sterbehemd. Nehmt für den Trunk, den mit gehorstnen Lippen Ich in den Sand geschüttet, nehmt mein Herzblut! Regiert, wählt Könige und reisset nieder, Was ich geschaffen. Hinter mir steht Gott! Der Schatten seiner Flügel fällt auf mich . . . Benajahu. Erhabener! Nicht so — Abiasi. 0 zürne nicht! Jasabeam. Sieh gnädig her! Samma. Erklär uns deinen Willen! Benajahu. Was sind wir ohne dich? Samma. Wer ausser dir Führt uns von Sieg zu Sieg? Abiasi. Du freilich kannst Leicht unsres Rats entraten. Unser Haupt Und unsre Seele bist du. Nachrai. Heilig ist Uns jeder Tropfen Blut in deinen Adern. Jasabeam. Dein Name Hochgesang! Wer denkt wie ich, Stimm ein in meinen Ruf: Es lebe David! Asael. Erhabener! Eleasar. Gesegneter des Herrn! Jasabeam. Wir folgen dir — Samma. Wie Schafe ihrem Hirten — Alle. Bis in den Tod! — Du Herrscher! Fürst! Du Held! (Während die Helden David umringen, zieht Jonadab Ahitophel beiseite.) Jonadab. Du klügster Rat von Davids Räten, sprich! Wie hilft man Amnon glücklich aus dem Netz, In das er sich verstrickt? Ahitophel. Ist dem zu helfen, Der abends hasst, was er am Morgen liebte? Jonadab. Weich mir nicht aus! Da er nun einmal hasst, Wo er zu lieben glaubte, muss man ihm Ein andres Glück verschliessen? Absalon Wird übermächtig, wenn der Helden Rat Nachträglich durchgeht. Ja, ich sehe kommen, Dass Amnon dann an zweite Stelle rückt, Und Absalon die Herrschaft an sich reisst. Ahitophel. Dafür, dass ew'ger Hader seine Söhne Nicht auseinander reisse, wird der König Zu sorgen wissen. Jonadab. Durch den Ehebund, Den Amnon er mit Thamar auferlegt? Ahitophel. Warum nicht? Denn inzwischen reift heran Der Plan mit Pharao. Jonadab. Ei wie? Auch dann noch? Ahitophel. Auch dann! Warum nicht dann! Wie du nur fragst! So schnell gibt Pharao den Plan nicht auf, Durch seine Tochter Fuss bei uns zu fassen. Ihn hindert Thamar nicht. Und lass einmal Das Aergernis vorüber sein, kann Amnon Sich auf den neuen Ehebund bereiten. Jonadab. Und David? Ahitophel. War dem Bund nicht abgeneigt, Denn unsern Hausgesetzen streng zu folgen, Hat die Prinzessin sich bereit erklärt. Jonadab. Und du? Ahitophel. Aegyptens Bündnis wäre mir Durchaus erwünscht, nur meine Enkelin Bath-Seba will nicht gerne davon hören. Jonadab. Glaubst du, dass Absalon es dulden wird, Sieht Amnons Herrscherzukunft er gesichert, Die Pharaonentochter neben ihm, Im Hintergrund, geduldet kaum, die Schwester? Ahitophel. Wenn man ihn früge, nein. Wer aber frägt ihn? Lass erst das Netz um ihn geschlossen sein, Wird niemand Absalon zu fürchten brauchen. Sieh hin! Wie Davids Worte seine Helden Gebändigt haben. Jonadab. Weiches Wachs sind sie In seiner Hand. Tritt näher, David spricht . . . David. Was mir als billig und gerecht erschien In dieser Sache, habe ich getan Und Amnon nicht geschont. Versöhnt sind jetzt Die Brüder, und bei Absalon um Thamar Darf Amnon reuig werben. Jasabeam. Absalon Ist ausgesöhnt mit Amnon?! Samma. Müder wahrlich Ist er sodann, als ich gewesen wäre. Benajahu. Gerecht gerichtet hast du. Mehr als sühnen, Was er gefehlt, kann keiner. Abisai. Weise hast Zum guten Ende du's hinausgeführt. Jasabeam (leise zu Abisai). Wird das nicht böses Blut beim Volke machen? Abisai. Nachdem man's ihnen beibringt. Uebrigens — Sind wir's zufrieden, muss das Volk es sein. Ich geh hinein, die Beter zu erfreuen Mit der Versöhnungskunde. (Abisai ab.) David (tritt auf Nathan und Gad zu). Den gottgeliebten Warnern Dank und Freundschaft. Ein Hauch des Ewigen umfliesst eu'r Haupt: Des Herren Stimme dürft ihr manchmal sein. Von solcher Majestät zu Menschenrat Steigt beide nicht herab, so Gad wie Nathan. Nathan. Vergebens sprach ich. Hör4 mein letztes Wort: Im Herzen unversöhnt ist Absalon. Du treibst die Söhne in den Untergang, Weil du von Strafe sie verschonen willst. David. Mehr als in seinem Sinn das Rechte ist, Kann niemand tun. — Ich weiss, du meinst es gut. Nimm nochmals Dank und bleib mir zugetan. (Mit einem Wink zu Joab.) Die Widderhörner blast! Das Fest beginne] (Während des letzten Teils der Unterredung sind Sänger, Spieler und Priester, zuletzt der Hohepriester in goldner Amtstracht mit Urim und Thumin*) durch die "beiden Seitengänge in den Tempel gezogen. Kaum hat David ausgesprochen, als der Tempelchor die uralte Melodie anstimmt, die unter den heutigen Anfangsworten Kol Nidreh**) zum Versöhnungsabend gesungen wird.) Chor. „Sabbat der Sabbate! Versöhnungstag! In Gnaden Hat uns der Ew'ge in sein Haus geladen. Zebaot hebt sein Volk. Und rein von Sünden Will er es heut in seinem Hause finden." (Der Vorhang zum Allerheiligsten hat sich zurückgezogen. Man sieht den ewig brennenden Siebenleuchterbaum. Der Hohepriester steigt zum Altar hinauf, David, Absalon und Amnon wenden sich dem Tempel zu.) _ (Vorhang.) *) Die demantenen Brustschilde des Hohenpriestergewandes. **) Komposition vorhanden.