Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 545 - 546 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 1× ep/1005321
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545 Clara Steinitz: Thamar. 546 Den Sohn hab ich zur Rechenschaft gezogen. Der Busse, die ich Amnon auferlegt, Wird er sich unterziehn. — Doch habe Dank! (Zu Joab mit einem Wink.) Und jetzt ein Wort mit meinen Feldhauptleuten. (Zu Nathan.) Das Weitere erfährst du alsobald. (Nathan tritt zu Gad.) Achter Auftritt. Die Vorigen. Die Heldenschar der Grossen Dreissig kommt mit ihren Wortführern Jasabeam, Eleasar, Samma, Abisai, Asael, Benajahu, Nachrai. Ahitophei und J o n a d a b haben sich ihnen angeschlossen. Seitwärts Nathan und Gad, die durch Blick und Gebärde zueinander reden. Die Helden. Der Friede Gottes dir und deinem Hause! . David. Wer nimmt das Wort?^ Ihr, meine grossen Drei, Jasabeam, Eleasar oder Samma, Die ihr durchbrächet der Philister Reihn, Um vom Kristallquell vor Bethlehems Tor Mir einen Labetrunk herbeizuholen? Jasabeam. Verschmachtet wärest du, doch ehc du trankest, Wofür wir unser Leben eingesetzt, Hast du's dem Herrn zum Opfer ausgegossen. So schütt* ich heute noch mein Leben hin Für dich, du Gottesflamme. Eleasar. Dir sind wir In Treue zugetan mit Leib und Leben. David. Und Samma, der du die Philister schlugest, Als unser Volk schon floh, vor Beutegier Aus Siegern zu Besiegten umgewandelt, Was denkest du? . <■ «, Samma. Sieh, Herr, um deinetwillen Sind wir bekümmert. Aber ungelenk Ist meine Zunge, dir mit Rat zu dienen. David. Und du, Abisai? Gedenkst du noch, Wie wir uns nächtens in der Wüste Siph Zu König Saul gewagt, der schlafend lag, Umgeben rings von seiner Wagenburg Und Abner, seinem Feldherrn? Speer und Krug Nahm ich von seiner Seite — ihm zum Zeichen Für meine Treue — und das letztemal Hab ich ihn da gesehn . . . Abisai. Du liessest mich Die Hand nicht legen an des Herrn Gesalbten, Und lebtest doch wie ein gehetztes Wild, Verfolgt von ihm, als Flüchtling in der Wüste. Von allen deinen Heldentaten schien Mir die3 die grösste, dass den Feind du schontest, Als ihn der Herr in deine Hände gab. David. Sprichst du für meine Heerschar? Abisai. Besser wird Benajahu, den zum geheimen Rat Du zugezogen, unsre Meinung sagen. David. So sprich, mein Starker! Löwenwürger, sprich! Benajahu. Es gärt im Volk, von Amnons Freveltat I^rregt, in allen Tiefen. Wie wir wissen, Will Pharao, Aegyptens grosser Fürst, Den Freundesbund mit dir noch fester knüpfen Und bietet dir die königliche Tochter Zur Gattin für den Erstgebornen an. Mizraims Sitten sind so strenge nicht. Geschwisterehen, unsern Satzungen Ein todeswürd'ger Frevel, sind im Hause Der Pharaonen gültig und erlaubt, Und leicht verziehn ist Amnons Missetat Am Hofe" Pharaos. — Die unsre Väter drückten Und in das Joch der Sklaverei gebeugt, Sind je'tzt bereit, mit neuem Glänze dir Die Stirn zu kränzen. Reichtum, Macht und Grösse Bringt die ägypt'sche Fürstin dir ins Haus. Versöhnlich macht das Glück, und der Verbindung Stimmt jauchzend zu das leichtbewegte Volk. Nathan (tritt vor). Im Haus des Herrn wagt ihr, der Götzendiener Leichtfert'gen Prunk zu rühmen? Hochzeitsfackeln Dem Frevler? Das ist Gotteslästerung! Erinnre deiner Vater dich, o König, Der Söhne Jakobs. Sichern, Hemons Sohn, Ergab sich willig jeder Forderung, Die Dinas Brüder ihm gestellt, zur Gattin Sie zu erhalten, die zu schnell er nahm. Mit Leib und Leben und mit Gut und Blut Hat er, sein Vater und sein ganzes Volk Den Brüdern büssen müssen. Also heilig War ihnen ihre Schwester. Benajahu. Der erlauchte Prophet will also Krieg mit Pharao? Nathan. Zuerst kommt Gott und seine heil'ge Lehre! Das Weitre werden wir mit seiner Hilfe Zu tragen wissen. Jasabeam. Zürne nicht, Prophet, Ob meines Rates. (Zu David.) Die Aegypterin Gib Amnon — und das andre wird die Zeit Gemach zur Reife bringen. Deinem Hause Erblüht in Absalon der herrlichste Und würdigste von deinen Söhnen allen. Mag Amnon Zeit und Volkesgunst vertändeln, Indes der dritte König sich entfaltet. Der wird in Ehren die Gesetze halten, Dem jungen Reich ein ernster Herrscher werden. Der sei nach David unsrer Kinder Fürst. Abisai. Den wähle! Samma. Keinen Amnon! Eleasar. Absalon! Jasabeam. Auf einen David Amnon? Nacht auf Tag? Abisai. Auf David Absalon! Samma. Nachrai! Asael! Verstummt nicht! Redet! Asael. Absalon auf David! Nachrai. Wir beugen unsre Knie keinem Amnon! David (nach tiefem Schweigen). Bin ich noch König? Hüllt dies Sterbekleid Mich als Lebend'gen ein? Wie, oder träum' ich Im Schlaf des Todes, dass ich König war? Der du mein Haupt gesalbt mit heil'gern Oel Und deinen Bund mit mir geschlossen hast, In deinen Händen ruhet meine Krone. Du machst mich stark. Und wenn ein ganzes Heer Sich wider mich erhebt, ich fürcht' es nicht Und weiche keinen Schritt vom Wege ab, Den ich mir vorgezeichnet. Her, ihr Schnitter,