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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 543 - 544

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Thamar
Date
1909-08-01
Page
Seite 543 - 544 (sequence 5)
Language
German
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543 Clara Steinitz: Thamar. 544 Sechster Auftritt. G a d und Nathan kommen. Nach ihnen die Grossen Dreissig mit den Wortführern Jasabeam, Eleasar, Samma, Abisai, Benajahn, Nachrai, Asael. Die Helden wie Joab in kriegerischer Gewandung, doch ohne Waffen. Ihnen drängt eine Menge Beter nach, die den Raum mit drohendem Lärm erfüllen. Nathan (tritt hervor und vor seiner Handbewegung ebbt der Lärm der Beter ab). Wollt, Helden, ihr, vor uns den König sprechen, So treten wir zurück. Des Friedens Boten Und Hüter der Gesetze Gottes sind wir. Ihr Krieger seid des Landes Schutz und Stärke Und könnt die Stimmen sein des Volks und Heeres. Wir aber kommen in des Ew'gen Namen Und seine Stimme sind wir. Jasabeam und andere Helden (ehrerbietig). Tritt voran! 1. Beter. Wie ist's mit Amnon? 2. Beter. Geht er straflos aus? 3. Beter. Den Tod durch Steinigung hat er verdient! Ist das ein Prinz? Ein Prinz aus Davids Hause? 4. Beter. Lasst den erst König sein! . . . 5. Beter. Dann wandr* ich aus! Mit Kindern und mit Kindeskindern zieh Ich nach Aegypten dann! 2. Beter. Verhüt es Gott! Gad. Ihr Männer unsres Volkes! Lieben Brüder! Ihr seid im Tempel. Ts ist Versöhnungsnacht. Verstört nicht euch noch uns den heil'gen Frieden! Sucht Kuhe im Gebet! Nathan. Verteilet euch. Und geht der Ordnung nach an eure Plätze. Der Stimme Gottes hat der König sich Noch niemals taub erwiesen. 3. Beter. Welches Beispiel Solch eine Rute aus der Wurzel Jesse Dem Volke Juda gibt! Mit Stumpf und Stiel Ausrotten sollte man den faulen Zweig! 5. Beter. Sind wir des Herren auserlesen Volk, Und solche Untat darf zum Himmel stinken? 6. Beter. Hört die Propheten! Unsre Sache werden Sie bei dem König führen. Samma. Wollt ihr wohl An eure Plätze, ew'ge Unruhstifter? Nach den Propheten führen wir das Wort. So lang geduldet euch! An eure Plätze! Wir gehn jetzt mit euch! Ohne Menschenfurcht Wird der Prophet die Sache Gottes führen. (Helden und Beter ab. Nathan und Gad bleiben zurück.) Siebenter Auftritt. D'a v i d und Joab kommen. David hat das Sterbegewand der Beter angelegt und tritt langsam und ruhig herein. Joab entfernt sich weit genug, um Davids Wink gewärtig sein zu können. Gad bleibt im Hintergrunde stehn. David. Sei mir gegrüsst, Prophet! Schickt dich der Herr, Der grosse König über alle Götter? Mein Herz frohlockt ihm, vor sein Angesicht Tret* ich mit Dank und jauchz* ihm zu mit Psalmen. Nathan. Du Fürst von Juda, hör des Herren Wort: Zum Hüter meines Volkes setzt* ich dich. Dem halt Phöniziens und Mizraims Sitten, Die üpp'gen Sitten Assurs halt ihm fern Und die die schwülen Feste ihrer Laster Bis in die Tempel schleppen. Hast du mir Jerusalem zur Tempelstatt bereitet Und machst mir Babel draus? David. Des Herren Wort, Der mir bei seiner Heiligkeit geschworen, Wird mir nicht lügen. Darum sprich genau Und unterscheide, was der Gottgesandte Und was der Warner mir zu sagen hat. Nathan. Den Warner also verschmähest du zu hören? David. Dein Freundeswort auf später. Hier im Tempel Verkünde einzig mir des Herrn Gebot. Nathan. Des Friedens Engel weinen, denn dein Volk Verstört das Lasterleben deines Sohnes. Du Hirte Gottes, lassest deine Schafe Du irre gehn und lockst sie nicht zurück Auf ihren rechten Weg? Hat dazu dich Der Herr gesalbt, Sauls Händen dich entrissen, Dir Israels und Judas Haus verliehn? Auch David darf nicht alles, ungesühnt Darf David selbst des Sohnes Schuld nicht lassen. Den Tod verdient, der das verwandte Blut In seinem Lasterpfuhl geschändet hat. Verwirf ihn! Triff ihn in sein tiefstes Herz! Schlag zu und fürchte nicht, ihn zu verlieren: Du rettest ihn, je härter du ihn strafst. David. Eh* ich ihn züchtige, mach mich vergessen, Wie sehr man menschlich irren und das Beste Doch wollen kann. Nathan. Lass mich den Seherblick Nicht auf die Strafe richten, die dein Fehlen Dir zugezogen hat. Mein Warnen höre! Du wirst als Judas Fürst bei allen Gaben, Mit denen dich der Herr gesegnet hat, Nur dann beglückt sein, wenn in strenge Zucht Dein Haus du nimmst und Judas Erbe wahrest. David. Nur wahren? Nicht bereichern? Nathan. Nicht vom Lande Will ich hier sprechen, nur von seinem Volk. Das ist sein Erbe: Eine heil'ge Freude An Weib und Kind. Die Lust zur Gotteslehre. Barmherzigkeit und Liebe zu dem Nächsten. Im heissen Morgenland sind Jakobs Söhne Das Volk der Morgenfrische, unverbrüht Von des Orientes Lastern. Die Gefallnen Noch sehnen sich wie in ein Paradies Zurück nach ihrer Reinheit. Denn ihr Blut Verbrennt kein Weinrausch; nüchtern gehen sie Dem Tagwerk nach, am Abend sich zu freuen Im Frieden ihres Hauses. Drum verführt Lass sie nicht werden von den Mischlingen, Die unter deinem Volk ihr Wesen treiben. Und dass ihr Gift nicht künftige Geschlechter Zerfresse, setz' ein Beispiel! Amnon auch Ist angesteckt von ihnen. David. Manches Gute Hab ich von diesen Fremdlingen empfangen. Und so durchsetzt ist unser Volk von ihnen, Dass ohne grause Opfer seine Adern Von fremdem Blute nicht zu rein'gen sind.

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