Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 541 - 542 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 1× ep/1005321
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541 Clara Steinitz: Thamar. 542 Und nun er mich genommen, gab ich mich Mit Leib und Seel* ihm hin, als meinem Gatten, Der mich ins Brautbett allzufrüh entführt, Doch dem ich gern gehört und dessen Leben Mit meinem unauflöslich sich verknüpft. Wie jäh er mich dem Taumeltraum entriss, Hast du erfahren, Hocherhabner. Also — Wenn du mich schuldig findest, strafe mich . . . David (zieht Thamar, zu der er bisher in einem Anflug von Kälte gesprochen hat, an sich und küsst sie auf den Seheitel.) Von deiner Unschuld bin ich überzeugt, Und das Gesetz steht helfend dir zur Seite. Nun, Absalon, dein Bruder wirbt um Thamar. Zur Gattin gib sie ihm. Und Frieden sei In meinem Hause, Frieden auch in Juda Und Israel — nein, sprich nicht! Seh ich doch, Wie schwer du atmest. Ruhig werde erst — Erst werde ruhig — ruhig . . . AbsalOII- Vater — ich — David. Mein liebster Sohn! Der Nächste meinem Herzen! Mein Stolz und meine Freude, Absalon! Absalon. 0 Vater — König — David. Dir und Thamar werde Vollauf Gerechtigkeit. Gelobt sei Gott, Dass sich's in Frieden löst, dass Amnon Busse Zu tun bereit ist. Absalon. Busse? Büssen will er? Will Thamar grossmutsvoll gestatten, ihm - Als Magd zu dienen? Will sie ungestraft Verachten, pein'gen dürfen, er, für den — David. Gelassen, Absalon! Absalon. Die niedrigste Der Mägde noch zu gut ist? Thamar ihm? Niemals — denkt sie wie ich. David. Entscheide, Thamar! Thamar. Noch fremd steh meinem dunklen Lose ich Voll Schauder gegenüber. — War ich heilig Als Jungfrau, warum hat er mich entweiht? Warum hat Liebe sich in Hass gekehrt? Um seine Busse ist mir's nicht zu tun, Die schenk' ich ihm. Und ihn verwerfe ich. Absalon. O Thamar! Aus dem Herzen sprachst du mir! David. Ein andres denn. — Das Recht der Erstgeburt Für Amnons Frevel. — König sei nach mir! Absalon. Soll ihre Schmach mir deine Krone kaufen? Um Thamar, nicht um mich ist mir's zu tun. David. Ist Thamar Gattin nicht, soll sie die Schwester Des künft'gen Königs sein. Absalon. Um keine Schätze Ist Thamars Glück mir feil, um keine Krone. Lang lebe König David, glücklich herrsch' er! An meine Zukunft denk ich nicht. David. Sag an! Was willst du, dass geschehn soll? Ist Zerrüttung Im Vaterhaus und Bruderhass dein Wunsch? Willst Aufruhr du im Volk? Erkläre dich! Absalon (nach einer Pause). Erhabner! Deinem Willen uns zu fügen Sind beide wir bereit. Doch wüsste ich, Gehebt es dir, noch einen andern Rat. Wird Thamars Schoss mit einem Kind gesegnet, Dann hat der Himmel Amnons Fehl verziehn. Dann sei sie seine Gattin, denn im Kinde Wird sie ihr Schicksal finden. Will er dann, Kann Amnon immer noch die künft'ge Mutter Sich umzustimmen mühen. David. Deine Rede Ist lauter wie durchläutert Silber! Gern Ruf Amnon ich herbei. (Will einem der Pagen winken, besinnt sich und wendet sich an Thamar.) Doch Thamar hat Noch nicht gesprochen. — Willigst du darein? Thamar. Ich muss es wohl — nur sehn will ich ihn nicht — Am liebsten niemals wieder. Heissen Dank Lass, grosser König, dir von deiner Magd Gefallen — (Will vor ihm niedersinken, David umarmt sie.) David (zu Absalon. der seiner Schwester, die sich entfernt, besorgt nachsieht). Lass sie gelm! — Und jetzt zu Amnon — Fünfter Auftritt. Amnon. Absalon. D a v i d. (David winkt einem Pagen, die Seitenpforte rechts zu öffnen. Amnon tritt hervor.) Amnon. Mein König hat für seinen Knecht gesprochen. Zu jeder Sühnung siehst du mich bereit. Reichst du die Hand zum Frieden, Absalon? Absalon. Darob entscheide Thamar. David. Absalon, Sag, wann und wo er mit ihr sprechen soll. AbSalon (zu David gewandt.) Wenn unserm Herrn, dem König, es gefällt: — Da sie nicht gleich zusammentreffen sollen, So sieh, dein Knecht hat Schafschur zu Baalhazor, Die unter Ephraim liegt. Du selber wollest Samt deinen Knechten gelin zu deinem Knecht. David. Nicht, Absalon. Lass uns nicht alle gehn, Dass wir dich nicht beschweren. Absalon. Tragen will Ich diese Freudenlast. Mein König komme! David. Nimm meinen Segen, zieh in Frieden hin! Nicht in Baalhazor, in Jerusalem Soll Amnon Thamar sich zum Weib erbitten. Absalon. 0 Vater, ihn und deine Kinder lass Das hohe Fest der Schafschur bei mir feiern. Vor seinen Brüdern spreche er mit ihr. Will sie ihn nehmen, gut, wenn nicht, noch besser. Für beide besser. Doch wie sie auch tue, Da Amnon sühnen will, darf ich nicht zürnen. Ich bin versöhnt. Und hochbeglückt bin ich, Darf alle ich zur Schafschur bei mir sehn. Der König wolle, kommt er selber nicht, Die Söhne, meine Brüder, schicken. David. Sei's! Dich völlig zu versöhnen, schick ich sie, Und auf dem Feste in Baalhazor soll Dein erster Gast dein Bruder Amnon sein! (Auf einen gebieterischen Blick Davids geht Amnon mit ausgestreckten Armen auf Absalon zu, der die Umarmung stolz schweigend duldet.) 0 seht, wie fein und lieblich ist es doch, Wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen! Ich gehe mit euch, bis mir Joab sagt, Dass Helden und Propheten meiner warten. (David, Absalon und Amnon ah.)