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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 539 - 540

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Thamar
Date
1909-08-01
Page
Seite 539 - 540 (sequence 3)
Language
German
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539 Clara Steinitz: Thamar. 540 Das mich zu anderem doch nicht verdammen, Mir Schwereres nicht auferlegen kann, Als Thamar mir zur Gattin aufzuzwängen! David. Allein du willst sie nicht? Amnon. Ich muss sie wollen . . . Ein heilig Recht ist mir die Erstgeburt Und ihr Verlust mir schlimmer als der Tod. Ist Absalon dir nicht der liebre Sohn — David. Gerechtigkeit sei euer beider Teil. Nicht über das Gesetz will ich hinaus. — So komm! Ich werde sehn, ob Absalon Dir seine Schwester noch vergönnen will. Und nimmer tat' er's, stünde Thamars Ehre Nicht auf dem Spiel. — Ich führe dich, Dass Absalon dir eher nicht begegne, Als er in Ruhe mit dir sprechen kann. (David und Amnon. rechts ab.) Dritter Auftritt. J o a b mit Absalon und T h a m a r. Joab. Und die verehrenswerte Thamar will Mit dir hinein? Mein Auftrag freilich geht Nur dahin, dir den Eingang zu gewähren. Allein die hohe Thamar ist so ruhig, Ist so gelassen, dass ich's wagen darf . . . Absalon. Ich kann die Schwester heute nirgends lassen, Sie darf mir nicht allein sein. Darum nur Nahm ich sie mit mir her. Joab. Der König hat Mit Amnon schon gesprochen. Gleich muss er Zurück sein. Tretet also beide ein. (Joab entfernt sich.) Thamar. Mein Trübsinn reisst dich mit. Wie sehr ich ringe, Er will nicht weichen, und in einen Winkel möcht' Ich mich verkriechen. Les' ich doch Verachtung In jedem Auge. Joab selber, er, Mir sonst geneigt, sieht über mich hinweg. Wie werd' ich erst vor Davids Flammenblick Vergehen müssen. Absalon. Nie verzeih ich ihm, Dass er dich Amnon ausgeliefert hat, Dem feisten Aussatz faulen Friedens, ihm, Vor dem ich dich, vergebens, ach, gewarnt. Zu einem solchen Schlage hat der Wicht Die Hand erhoben gegen meine Schwester? Du wehrlos Weib, das seinen Händen fiel, Du Palme*), die er schnöde mir gefällt, Sollst meinen Garten schmücken. Deine Heimat Sei jetzt bei mir, und fand* ich nicht für dich Ein Leben freudlos ohne Mann und Kind, Wie glücklich wäre ich, dass ich fortan Dich niemals wieder von mir lassen muss. Thamar. Die Schmach drückt mich zu Boden. Sie verfinstert Mein Leben. Absalon. Sieh! Nach dem Gesetz erzwingen, Dass er dein Gatte werde, können wir. Thamar. Nenn* seinen Namen nicht! —Mach* mich vergessen, Dass er gelebt. Aus meinem Herzen risse Ich sein Gedächtnis, aber eingebrannt Ist der verhasste Name meinem Blut! *) Thamar heisst Palme. Absalon. Wie fressend Gift rast Grimm und Hass in mir, Doch niederzwingen muss ich die Empörung, Muss bändigen mein racheatmend Herz, Dass man mich nicht errate. Ruhe! Fassung! Damit mir meine Rache nicht entgeht.-- Von Höllenglut gemartert ist mein Hirn, Und eisig kalt muss ich nach aussen sein , . . Durch Bath-Seba hat sich mein Vater mir Schon früh entfremdet . . . Diese Bath-Seba, Die ihren Mann dem Tode überliefert, Sich einem andern Manne hinzugeben, Der freilich kein Geringrer war als David — Und solch ein Weib hat unsre hohe Mutter An ihrer Seite dulden müssen. Und Nach nichts Geringerm trachtet dieses Weib Mit ihren Buhlerkünsten, als ihr Söhnchen Auf Davids Thron zu setzen. Alles das Hat immer mich gewurmt. Doch Amnon hat In meinem Herzen eine Feuersbrunst Mir angefacht, die nie verlöschen wird. Thamar. In deinem Herzen brennt und lebt es doch! Bei mir ist alles ausgeglüht und Asche. Von allen ferne, ungekannt lass mich Vertrauern meine Tage. Wunschlos bin ich. Absalon. Der Rache Freudenfeuer wenigstens Entzünd' ich dir, das schwör' ich! Thamar. Heute früh Hat mir das Glück noch freundlich zugelacht, Und wen'ge Stunden später war mein Leben In Finsternis getaucht. Kaum kann ich glauben, Dass ich dieselbe bin. Und bin ich's denn? Voll herrlicher Erwartung lag die Zukunft, Ein Paradies, vor meinem stolzen Blick, Der jetzt um Mitleid bettelt. Ach, gebrochen Bin ich, begehre nur noch eine Zuflucht In deinem Haus und Herzen. Absalon. Still! — Der König — Bezwinge, fasse dich! Vierter Auftritt. Die Vorigen. David ist rechts eingetreten. Er geht schnell auf Absalon zu, der sich vor ihm niederwerfen will, zieht ihn an sich und küsst ihn. Dann erst wendet er sich zu Thamar. David. Du, Thamar, hier? Dass deine Sache mir am Herzen Hegt, Dass ich sie für dich führe, wolle glauben. Doch um gerecht zu sein, bedarf's für mich Der Klarheit. Drum verzeihe, wenn ich dir Ein Schamerröten nicht ersparen kann. — Auf wen'ge Augenblicke tritt zurück, Mein Absalon, dass Thanlar unbefangner Sich mir eröffnen kann. — Nun, Tochter, sprich! Sprich so, als ob vor dem, Altar du stündest, Und zürne mir ob meiner Fragen nicht. — Hast du versucht, dich Amnons zu erwehren? Wie — oder hat euch beide Leidenschaft So überrascht, dass du dich ohne Zwang Auheim ihm gabst? — Um Wahrheit bitt' ich dich. Thamar. Wohl rief ich Absalon zu Hilfe, doch Vom Feuerwein, den Amnon mich zu trinken Inständig bat, war ich so heiss und schwer, Dass stark genug mein Widerstand nicht war. —

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