Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Einiges über den Apikores
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 525 - 526 (sequence 4)
- Language
- German
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525 Dr. Max Steif: Einiges über den Apikores. 526 gehenden Zerklüftung innerhalb der Judenheit ausgegangen, einer Bewegung, die schließlich sogar übereifrige Hände die rühmende Inschrift auf dem Grabstein dieses einzig großen Mannes verwischen und dafür die Worte setzen ließen: Hier liegt Mose Maimun, der gebannte Ketzer. Kleine und kleinliche Geister hatten, wie man aus der Geschichte weiß, hier den Anfang gemacht und auch die lautere Persönlichkeit eines Ascher b. Jechiel (Rosch, geb. 1250) wie selbst den auf höherer Warte stehenden R. Salomo b. Adereth mit hineingerissen, daß sie es aussprachen: „Da das Gift der Ketzerei zu sehr verbreitet, alle bereits davon angesteckt wären, und die Frommen der Vorwurf träfe, daß sie dabei die Augen zudrückten, so werde denen der Bann angedroht, die sich vor dem 25. Jahre mit einer Wissenschaft außer der Bibel und dem Talmud befassen würden/' (1305). Daß übrigens solche Befürchtungen vor etwaigen schädlichen Wirkungen einer allzufrühen Beschäftigung, namentlich mit philosophischen Studien nicht so ganz unbegründet wraren, läßt sich aus einer Schrift ,,Eser hadath" des Isak Pulgar (um 1343) ersehen, einem Dialog, in welchem ein Vertreter des talmudischen Judentums den philosophisch Gebildeten zum Vorwurf macht: Sie verändern die Religionsgesetze, spotten der talmudischen Weisen, führen fremde Schriften ein, welche Gottesleugner verfaßt haben. Die Philosophen besuchen nicht das Bethaus, legen keine Schaufäden an ihre Gewänder und binden nicht die Gebetriemen an Kopf und Arm. — Wie man sieht, dürften hiernach unsere heutigen Freigeister keinen besonderen Anspruch auf Originalität erheben! — Im Grunde war es nicht sowohl das philosophische Studium als die Rückwirkung, die es auf die Bibelgläubigkeit nehmen konnte, die von den Frommen befürchtet wurde. Seit Ghiwi Albachi, ein Zeitgenosse Saadjas, seine willkürlichen Erklärungs- MICHELANGELO. .ROM. Moses»