Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Einiges über den Apikores
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 523 - 524 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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523 Dr. Max Steif: Einiges über den Apikores. 524 und wer irren will, mag irren!" — Demnach darf angenommen werden, daß an jener Stelle (Sabbat 116 a Raschi), wo uns von den Zadukim erzählt wird, sie hätten für sich besondere Schriften abgefaßt, um ihre Disputationen besser führen zu können, wahrscheinlich der Apikores gemeint sei und eine Namensvertauschung vorliege. Begriffe sind dehnbar, und namentlich der Volksmund verwischt gern ihre enggezogenen Grenzen, und wenn anfangs der Apikores ein Mann gewesen, der in seinem Denken sich von den Irrlehren der griechisch-alexandrinischen Philosophie hatte beeinflussen lassen, so ändert er später sein Gewand, und paßt sein Wesen Uten jeweilig herrschenden Zeitideen an, die allesamt das Kennzeichen an sich tragen, in einem mehr oder minder großen Gegensatz zum überlieferten Judentum zu stehen. Zur Zeit der Gaonen waren es die Karäer, die später von einem der Tossafisten, Simson b. Abraham aus Sens, sogar auf gleiche Stufe mit den Götzendienern gestellt wurden, und ihre Vorläufer, die Anhänger des Pseudomessias Serene und des Abu Issa Isphahani, denen dieser Titel eines Apikores beigelegt wurde. P>ezüglich der letzteren erfahren wir übrigens, daß sie wieder reumütig zurückgekehrt seien. Um das Jahr 720 kam nämlich eine Anfrage an den damaligen Gaon Natronai, wie man es mit diesen Bußfertigen zu halten habe. Solche Anfragen bezüglich des reumütigen Ketzers bildeten überhaupt nicht selten einen Gegenstand rabbinischer Gutachten u. a. Chut Haschoni Resp. 75 des Jajir Chajim Bacharach). Die engherzige Anschauung, die mit ihnen nichts mehr gemein haben und sich von W. v. KAULBACH. Moses. jeder Verschwägerung mit ihnen fernhalten wollte, wurde unter anderen auch gelegentlich von Raschi zurückgewiesen: ,,Fern sei es von uns, uns von den Zurückgekehrten abzusondern und sie zu beschämen. Alles, was sie getan haben, geschah nur aus Furcht vor dem Schwerte (zur Zeit der Kreuzzüge), und sie hatten nichts Eiligeres zu tun, als zum Judentum zurückzukehren'1. — Gegen die Äußerung eines Überfrommen, daß auch die nur zum Scheine zum Mohammedanismus Übergetretenen als Abtrünnige zu behandeln seien, kehrt sich auch Mainionides Schrift Iggereth ha-Schmad (bekanntlich hat die Familie Maimons eine Zeitlang die Maske des Islam annehmen müssen), wo er nachweist, daß ein teilweises durch Zwang erfolgtes Übertreten der Pflichten des Judentums noch immer nicht Abfall von demselben bedeute. — Den Vorwurf, zum Schein sein Judentum aufgegeben zu haben, um dadurch dem Tode zu entgehen, mußte später auch Levi b. Jacob Chabib, Rabbiner der Gemeinde in Jerusalem (um 1525) seitens Jacob Berabs, Rabbiners von Safet, über sich ergehen lassen, der es ihm anläßlich eines rivalisierenden Streites vorhält: ,,Ich habe meinen Namen nie gewechselt, bin in Not und Verzweiflung stets in Gottes Wegen gewandelt." — Von einem Maimonides, der alle Glaubenslehren und Überlieferungen des Judentums in ein festes System zu bringen versucht hat, war es auch zu erwarten, daß er den Begriff des Apikores enger umschreiben und präzisieren werde. Doch, während wir an einer Stelle ausdrücklich drei Kategorien von Leuten als solche bezeichnet finden (Hilchoth Teschubah) werden an andere. 13 Glaubensartikel aufgezählt, und wer auch nur einen einzigen derselben leugne, gelte als Apikores oder Min und gehöre nicht mehr zur Gemeinschaft des Judentums. (Einleitung z. Perek Chelek, Sanhedrin.) Interessant ist es nun, wie ein Chasdai Crescas (um . 1396) entgegen diesen 13 K Glaubensartikeln nur acht f annimmt, und ein Josef Albo (geb. 1380) bei der Festlegung der Grenzlinien zwi-;.. < sehen Gläubigkeit und Ketzerei in seinem religions-? i philosophischen Werke Ikkarim diese wieder bloß auf { t drei Grundsätze zurückführt. Als eine jener seltsamen f;. . geschichtlichen Fügungen muß es hingestellt werden, i daß gerade von den Werken ■\ Maimonides, dieser Licht- 'v; gestalt des Judentums, der - \ Anstoß zu einer immer weitergreifenden Verketzerungs- BERL1N. sucht und immer tiefer r f \ L A 'A