Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Moses in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 513 - 514 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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513 G. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 514 "V > * ^y.-' F. FRANCKEN d. Jüng. Die Israeliten am Roten Meer* KARLSRUHE. Dokument des schärfsten Pessimismus ffesehen'und eine Szene entworfen, aus der uns Zorn und Verachtung schrill entgegenschreien. Auf dem Gemälde „Moses den Sinai besteigend" geht der sinnende Mann einsam zur Höhe, wo Glutenscbein in die weite Feme leuchtet. Auf einem Zeichenentwurf ist er von düsterem Gestein zu einem Abhang herabgekommen, und da hat er das Volk vor sich als verächtliche, wimmelnde Masse. Johlend und heulend, von Taumel und Angst besessen, drängen sie sich durch die enge, dumpfe Schlucht. Gespenstisch verzerrt starren sie aus ihrer erstickenden Enge und wollen sich verkriechen vor dem Manne, der drohend über ihnen steht. Die eine Tafel hat er schon an ihren Köpfen zerschmettert, und nun schleudert er wutbenommen die zweite. — Da Moses mit den zweiten Tafeln unter das Volk tritt, ist da* Bild ein frommes und friedliches. Moses ist milde gestimmt, Männer und Jünglinge neigen sich in freudiger Rührung auf die Knie (Rafaelschule), Kriegerr Priester, Frauen und nackte Kinder verhüllen ihr Antlitz beim Anblick der römischen Zahlen auf den Tafeln (Schnorr), Beduinen gruppieren sich RAFAELSCHULE. Moses am Quell. um den Scheich, der zu aller Erstaunen zwei Steine heranbringt (Fresko von 1. R. Herbert im House of Lords). Eine heitere Festivität, auf der jeder sich seines schmucken Daseins erfreut, ist das Bild von Martin de Vos im Haag. Die Gäste stehen in der Runde, und Frauen, hübsch und zierlich, sitzen mit Kindern und Kostbarkeiten im Vordergrund, beglückt von Mutterfieude und Schmuck und Zierlichkeit. Moses sitzt mit den Tafeln unter ihnen und hält ihnen einen Vortrag, zwei Schwärmerinnen höien zu, die übrigen sind von dem Bewusstsein ihrer Stattlichkeit in Anspruch genommen. Beim Wunder der Schlange, deren Anblick das gebissene Volk rettet, sind die neuzeitlichen Darstellungen ziemlich gleich: nackte Männer winden sich unter den Bissen der wütenden Schlangen, Frauen halten ihre sterbenden Kinder, und neben verröchelnden Gestalten stehen andere, zu dem Schlangenbild aufschauend, auf das Moses hinweist, und werden vom Gifte geheilt. Nur bei wenigen grossen Künstlern wird das Grauen der Plage und die Macht des Wunders fühlbar. So bei VATIKAN.