Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Moses in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 511 - 512 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2583875-2583980-2583989-2599870--09579-2599970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
511 G. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 512 D. FETI. WIEN. Moses vor dem Dornbusch. des Kreuzes hingewiesen, neben dem Menschen liegt ein Leichnam in einem Grabe. Yon lebendiger künstlerischer Wirkung ist das Relief an den Erztiiren des Baptisterium in Florenz von LorenzoG-hiberti. Auf steiler Bergspitze empfängt Moses die Erztafeln, Josua wirft sich, das Gesicht verhüllend, auf dem Bergrücken hin, und erschüttert von dem Anblick, bebt alles Yolk im Lager. Cosimo Rosselli setzt auf seinem Fresko in der Sixtinischen Kapelle die Offenbarung als Sonderdetail auf einen pittoresken Berg und ergeht sich gemächlich in epischen Schilderungen der Anbetung des Kalbes und der Zerschmetterung der Tafeln. Der kniende Moses aut dem Berge, der zürnende im Vordergrund wie das feiernde und von Schrecken erfasste Volk sind phantasielos in der Anschauung und trotz der realistischen Porträts ohne Energie des Vortrags. Recht leer sind die geteilten Szenen der Rafaelschüler im Vatikan und die simultane Darstellung von Carlo Porteiii in Dresden; das Kolossalgemälde von Tintoretto in Madonna dell' ortö in Venedig ist ein verblüffendes Virtuosenstück; Claude Lorrains Landschaft mit der Anbetung des Kalbes in der Sammlung des Herzogs von Westminster hat soviel szenischen Charme, dass die staffagenmässige Behandlung kaum auffällt. Ein ganz verinnerlichtes Drama ist der Moses Rembrandts in Berlin. Ein gütiges, vom Weh ergriffenes Herz schaut von der Höhe niederwärts, die Hände halten matt die Tafeln, die nun niedersausen sollen ins Tal. Er scheint zu schwach zum Zürnen und Zerschmettern, weil sie ihm unten die Hoffnung gebrochen; nicht Zorn und Strafgericht schauen wir, nur das ewige, grosse Leid, das alJen Helden beschieden ist, die auf den Berg steigen und das Volk in der Niederung lassen. Gegenüber diesem vom Mitleid durchzitterten, leidensmatten Affekt erscheint der pathetisch zürnende Moses, wie ihn Afred Bethel oder Schnorr von Carolsfeld denken, als Träger einer Geste, die aus Vorlagen herübergenommen und am Modell ausprobiert ist, Lesser Ury hat in dem Zerschmettern der Tafeln ein den frommen Mann milde unterweisend. Natürlich fehlt es dabei nicht an Seltsamkeiten. In der „Toggenburgbibel" sieht man die Trichterhüte des Volkes, aber kein Volk. Gott erscheint in einzelnen Fällen jünger als Moses, er hat grosse rote Flügel (Pergament- Siddur des 14 Jahrh. Add. 26968 im Brit. Mus.); in der ab es sin i sehen Prachthandschrift der Kgl. Bibl. Berlin empfängt der bartlose Moses aus der Gotteshand ein Büchlein mit Kreuz darauf. Das christologische Moment der Gegenüberstellung von Gesetz im alten Bunde und Gnade des neuen Bundes ist neben den typologischen Werken auch von Lucas Cranach (Prag) in phantastischer Weise behandelt worden. Oberhalb des Sündenfalls empfängt Moses auf einem Berge die Gesetzestafeln, in der Mitte sitzt nackt der Mensch und wird von einem Propheten und dem Täufer auf das Heil KAFAELSCHULE. Der brennende Bornbusch« VATIKAN.