Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 449 - 450 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 3× ep/1005321
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449 Clara Steinitz: Thamar. 450 Amnon (macht eine Gebärde der Abwehr). ChusL Von Gewappneten Erfüllt ist Haus und Strasse . . . David sendet, Der König, ihn. Jonadab. Da hat man's. Amnon. Lass ihn ein. (Geht Joab entgegen.) Zum zweitenmal sei mir willkommen, Joab! Joab. Die Strassen sind durch deine Schuld in Aufruhr, Und Nathan, der Prophet, erhebt die Stimme Und kündet Unheil Davids Hause an. Der König zürnt dem ungeratnen Prinzen, Und also spricht er dir durch meinen Mund: Zum Wunder und zum Sprichwort hast du dich Beim Volk gemacht, und eine Missetat Hast du getan. Drum stell dich vor Beginn Des Abendgottesdienstes in dem Tempel Zu Busse und Verhör ein. Amnon. Bis hierher Hört' ich den Feldherrn sprechen. Jetzt sei du, Sei minder feierlich und lass mich wissen, Ob ich auf dich als Freund noch rechnen kann. Um eines Weibes willen kündigt Joab Doch seine Freundschaft nicht dem künft'gen König? Joab. Das Land wird taumeln wie ein Trunkener, Das du beherrschen sollst, und fallen würd' es. — Verächter und Verstörer der Gesetze Wärst du als König. Nenn' mich drum nicht Freund, Noch Blutsverwandten, bis Vergebung dir Der Torheit wurde, die zum Himmel schreit. Amnon. Hat Absalon auf seine Seite dich Gezogen, dass du gegen mich so wütest? Fliegst du wie Spreu bei jedem Windstoss auf? Bin ich nicht mehr wert als ein brünstig Weib? Joab. Wie sich ein Braut'gam freuet seiner Braut, So hat mein Herz bisher sich dein gefreut. Doch Frevel, Schaden und Verderben hast In deine Grenzen töricht du gezogen. Nicht dass du sündigtest, hat mich erzürnt. Wir alle sündigen. Doch wie du's tatest, Das hat mein Herz von dir zu Absalon Gewendet. Amnon. Geh denn zu ihm! Dich und ^n Verderbe Satan. (Zornig ab durch das Schlafzimmer.) Joab. Höre, Jonadab! Bist du etwa durch deinen bösen Rat Teilhaftig dieser Tat, gefällt mir's übel. Jonadab. Ei sag doch! Hast du ebenso gewütet, Als David sich mit Bath-Seba verging? Als ihren Mann Uria, den Hethiter, Den wackem Feldhauptmann, er fällen Hess? Hast du ihm nein gesagt, als er dir schrieb, Du sollst ihn, wo am härtesten der Streit, Hinstellen, dich abwenden hinter ihm, Dass er erschlagen werd' und sterbe dort? Dich zu verteid'gen mit Urias Fall, Hast du den Todesstreitern ihn gesellt, Die unter Rabbas Mauern Amoniter Erschlagen haben. Dass du sie der Mauer Zu nah gestellt und^Davids Knechte fielen, Uria, den dir David ausgeliefert, Hat Davids Nachsicht dir dafür gebracht. Joab. Dass ich mit dir, der auf dem Pfühl sich reckt, Wenn wir im Felde unsre Schlachten schlagen, Ob meiner Fehler stritte! Soll ich David, Der aus dem Dunkel deines Hauses dich Hervorgezogen und gefürstet hat, Vor. dir verteid'gen? Strahlen wird sein Ruhm Durch alle Zeiten. Gott hat ihn geliebt Trotz seiner Schwächen, die so menschlich ihn, So demutsvoll ihn machen. Hat er darum Als zarter Jüngling Riesen schon gefällt, Dass Jonadab — den niemand kennen würde, Wär' David nicht — den königlichen Mann Zu richten sich erdreiste? Wenn er fiel, Ist er vor Gottes Schemel hingefallen, Und dort hob Gott ihn auf. Zum Preise ihm Sang David seine Psalmen, die das Herz Noch ungeborener Geschlechter werden Erquicken, wenn wir alle nicht mehr sind. So lang die Erde steht, so lange wird Der Name Davids währen. Dich und Millionen, Milliarden tröstet sein erhabnes Wort. Weil er von Fleisch und Blut ist, könnt' er sünd'gen, Und weil er sündigte, hat er gebüsst. Er hat die Leiter aller Menschenschmerzen Erklommen, seine Fehler nie geleugnet, Und Göttlichkeit aus Menschlichkeit geschöpft. Und richten willst du den? Du? Jonadab? Und denkst wohl gar in deines Herzens Herzen, Du selber, weil du aus der Wurzel Jesse Entsprossen bist, d u könntest König sein? Wie Amnon, der ein Weibesherz zerstückt, Der Held, der keine Schlacht kennt, doch sich's schon Von Kronen und von Herrschen träumen lässt. Das kann ein Amnon. David könnt* es nicht. Der hat dem Weib, das sich ihm anvertraut, An seinem grossen Herzen eine Heimstatt Bereitet — nicht zu wenig hat, zu viel Hat er geliebt. Jonadab. Dass du nur so viel einsiehst — Er hat zuviel geliebt. Joab. Mit deinesgleichen Will ich nicht streiten. Dass du nicht dereinst Was du hier ausgesät hast, ernten musst, Erfleh im Tempel. Und von Davids Psalm Lass heute noch dir Herz und Nieren läutern. (Ab.) Sechster Auftritt. Amnon kehrt zurück. Jonadab. Amnon. Ist er gegangen? Jonadab. Eher nicht, als bis Er seine böse Laun' an mir gebüsst. Das wusst4 ich ja. Weil er mich hier getroffen, Denkt er, dass ich an allem schuldig sei. Amnon. Und bist du's etwa nicht? Jonadab. Ist das der Dank Für meinen Freundesrat? Ist's meine Schuld, Dass du so übel ihn befolgt? Und willst Du deinen Jähzorn büssen auch an mir? So lass mich fort! Im Tempel will ich mir Bei Assaphs Sang, Jedithuns Saitenspiel Und Davids Gottgesang die Seele läutern.