Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 447 - 448 (sequence 9)
- Language
- German
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447 Clara Sfceiuitz: Thamar. Thamar (schluchzt auf). Ich sollte stark sein Und muss doch weinen — Amnon (fährt sich ins Haar). Nicht ertragen kann Ich Weibertränen. Habe solche Klagen Zu oft gehört. Und ihrer überdrüssig — Und abgehärtet bin ich gegen sie. Drum geh, eh mich der Jähzorn übermannt. Thamar (lässt die Hände von ihrem Gesicht gleiten). Ich fürchte dich und deinen Jähzorn nicht. Ich traure nicht, dass ich dich nicht gewann — Gewonnen hab ich, da ich dich verlor. Doch meine Schmach in einen Tümpel scharren Und dumpf mein Leben mir mit ihr verstocken, Das tu ich nicht. Es wisse jedermann. Was deine Knechte wissen. Offen will Ich mich zu meiner Schmach bekennen — Amnon (springt auf, schlägt zweimal auf die Erzplatte). He! Semaja! Dritter Auftritt. Semaja (tritt ein). Amnon. Gib der Herrin das Geleite" Bis an die Haustür. Thamar (zu Amnon). Füge noch hinzu, Dass ich es bin, die dich zu Schmach und Schando Verführt hat — und mit diesem Schlüsse kröne Die Heldentat, die du an mir getan. (Zu Semaja.) Und nun gib mir dein Messer — Semaja (vor Angst und Ehrerbietung auf Jdie Knie fallend)."1 Herrin! Ach! ' Thamar. Gib her, Semaja! (»emaja zieht sein Dolchmesser aus dem Gürtel und überreicht e* ihr. Sie schlitzt ihren Hock auf.*) Alle Welt erfahre. Dass ich dies Kleid nicht länger tragen darf, Amnon. Führ sie hinaus und schliess die Haustür ab! Thamar (mit widerwilligem Aufschrei). Es tut doch weh! (Sie geht an die Feuerstelle, nimmt Asche und streut sie sich auf> Haupt. Semaja führt Thamar mit allen Zeichen zerknirschter Ehrerbietung durch die Tür im Hintergrunde ab.) Vierter Aufritt A m n ) n. Bald darauf J o n a d a b. Amnon. Zur Reue das Entsetzen! Wo Jonadab nur bleibt! — Allein zu sein Ertrage ich jetzt nicht. — Horch! klopft es nicht? — Verwünscht mein Rasen! Und verwünscht ihr Stolz! — Ja, freilich klopft es! . . . Und der Pförtner öffnet . . . (Geht an die Tür im Hintergrund und sieht nach.) Er ist es, Jonadab! Tritt endlich ein! Dass du nur kommst! — Die Saat ist aufgeschossen. Die du gesät. Jonadab, Wie Regen in der Ernte, Wie Schnee im Sommer reimet sich dein Tun. Es sammelt auf der Strasse sich das Volk, *) Zum Zeichen der Trauer. Und Thamar, in zerrissnem Kleide, stürzt Die Hände ringend durch die Strasse, Asche Auf ihrem Haupte. — War das nötig, sag? War's klug? Amnon. Was klug? Wer fragt in solcher Lage Nach Klugheit wohl? Von Bangigkeit gefoltert, Wie ich es war, hätt' sie mir schmeicheln sollen. Doch frostig forscht sie mich nach Wahrheit aus, Bis dies Gebahren meinen Jähzorn weckt. Wie sie mich ansah! . . . Wie sie vor dem Diener Mich in den Staub gezerrt! . . . Und wie sie aufschrie! Das Schlimmste ist, seit jenem Augenblick Kann Absalons ich mit dem alten Hass Nicht mehr gedenken, und wie ausgelöscht Ist dieser Hass. Jonadab. Regieren Weiberlaunen Dich Wankelmütigen? Dann geb ich auf Die Hoffnung meines Alters. Schwächlingsherz! Die Furcht vor dem, was kommt, vor Reu und Busse Verwandelt dich so schmählich. Denke nach! Für einen Fehl, den heisses Blut verschuldet, Wird David Nachsicht haben . . . Amnon. Wenn du' s so nimmst Jonadab. Ein Kronreif will bezahlt sein. Absalon Hast du jetzt in der Hand. Amnon (zuversichtlicher). Und meinen Vater r* Versöhne ich mir schon. Gerade heute — Jonadab. Gerade heute finde ich es schwer, Gerade heute zur Versöhnungsnacht. Denn deines Frevels grosse Kunde trägt Man ihm schon zu. Bald wirst du Weitres hören. Amnon. Du sagst ja selbst, dass es die Rechnung ist Für meine Krone. Jonadab. Dennoch ist mir bange. Mutwillig hast du selber dir geschadet. Versöhnen, nicht erzürnen hättest du Die Fürstin sollen. Unnütz grausam sein Ist unklug, und auf deine Weisheit hab ich Gerechnet, als ich meinen Rat dir gab. Amnon. Sie reizte mich — sonst hätte milder ich Mit ihr gesprochen. Doch der Abscheu sprang Aus meines Herzens Tiefe . . . Jonadab. So bequem Wie das leichtsinn'ge WTeiberpack, mit dem Du sonst die Zeit vergeudest, ist nun freilich Maachas Tochter nicht. Das hättest du Zuvor bedenken sollen. Leicht und lustig Umschwirrt dich das Gesindel, nimmt's nicht übel. Schlägst du mit Fäusten auch einmal darein. Sie sind nicht deine, du bist ihre Beute, Und ihr Gelächter nur erregt dein Zorn. Hast du nichts als ein leichtes Abenteuer Gesucht, so gingst du fehl. Auch reuet mich Mein Rat. — Lass mich denn fort, eh' Davids Bote Mich bei dir findet . . . Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Chusi. Bald. darauf Joab. ChllSI (tritt ein;. Joab, unser Feldherr, Wünscht dich zu sprechen.