Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 451 - 452 (sequence 11)
- Language
- German
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451 Clara Steinitz: Thamar. 452 Amnon. Fliehst du mich, auch schon? Willst zu Absalon Du Übergehn? Um ein paar armer Worte, Im Zorn gesprochen? Jonadabr Gerne weil* ich noch. Doch musst du selber fort — vor Tempelanfang. Die Abendmahlzeit -vvird beendet sein, Und David wartet. Soll ich Chusi rufen? Amnon. Ja, ruft ihn. Jonadab (schlägt mit dem Klopfer auf die Erzplatte). Möchtest du nicht, eh' .du gehst, Dich stärken? Unser längster Fasttag ist's. Und auch im Tempel wirst du Kräfte brauchen. Mit Absalon und David so wie du Zusammentreffen, ist kein Kinderspiel. Amnon. Und du? Jonadab. Bei mir war schon der Tisch bestellt. Und fertig bin ich. Denke nicht an mich. An dich nur denke. Stärk* und sammle dich. Amnon. Wo bleibt denn Chusi? (Geht selber zur Erzplatte und schlägt heftig darauf.) Lehren will ich ihn Mich warten lassen. Jonadab, Fürst, beherrsche dich! Vergeude deine Kraft nicht. David wartet. (Schlägt den Vorhang zum Schlafzimmer zurück und sieht hinein.) Ein Tisch mit Speis und Trank ist drin bereit. Geh hin und iss und warte nicht der Diener. Amnon. Semaja ruf ich jetzt mit zweien Schlägen. (Schlägt zweimal auf die Platte.) Lass, Jonadab. Nie wieder werd' ich dort Zur Ruh mich legen. Und geniessen will Ich nichts in diesem Zimmer. — Niemals mehr. Jonadab. So lass mich selber nach den Knechten sehn. (Eilt hinaus.) Amnon. Semaja auch nicht? Dreimal niuss ich schlagen? (Tut drei Schläge.) Siebenter Auftritt. Vorige. Diener. (Jonadab kommt mit einem Diener zurück.) Amnon. Semaja rief und Chusi ich. Wo sind sie? Oiener. Herr I Amnon. Rede! Diener. Beide sind zu Absalon Entwichen. Wegen . . . Amnon. Meine Knechte wagen Mir nachzuspüren? Sorgen werde ich, Dass man sie greife. Merken sollen sie, Wie ich zu strafen weiss. — Was grinsest du? Diener. . . . Ich möchte gleichfalls Urlaub — Amnon. Fort, du Hund! Diener. Gemach! Das Haus ist leer, Ihr seid allein. Sieh diese Muskeln wie aus Stein und Eisen. Den Frevel fürchte ich, den Frevler nicht — (Da Amnon ein Schwert von der Wand reisst.) Und deines Schwertes spott' ich. Unterschlupf Wie deine Knechte alle suche ich Bei Absalon und freue mich wie sie, Dem Haus des Fluchs beizeiten zu entrinnen. (Langsam ab.) Achter Auftritt. Jonadab (ist Amnon in den Arm gefallen, hat ihm das Schwert entrissen und wieder an die Wand gehängt). Jonadab. Wenn sie zu Absalon geflüchtet sind, Wird all dein Drohn sie nicht erreichen können, Und lauter Freunde wirbst du deinem Feind. Hast du ihn je mit einem aus dem Volk Verhandeln sehn? Wer sich aufs Angesicht Hinwerfen will vor ihm als Königssohn, Dem streckt er freundlich seine Hand entgegen, Ergreift und küsst ihn, zieht ihn an sein Herz. Wenn ich im Lande Richter wäre, sagt er, Wie gerne nahm' ich deiner Sach' mich an. Geholfen wäre dir und deinen Brüdern* Amnon. Beneide ihn, wer mag, um dies Gebahren! Und mir nicht, David musst du es berichten. Jonadab. Kann sein, dass er es weiss; denn Bath-Seba, Erfährt dergleichen sie, verhehlt's ihm nicht. Vielleicht gefällt es David, diesen Sohn, Gerade ihn in Gunst beim Volk zu wissen. Amnon. Und was, du Weisester der Freunde, hab Ich eigentlich durch deinen Rat gewonnen? Jonadab. Wenn Thamar du zum Weibe nimmst, beherrschst Du nicht nur David, Absalon auch wird Dir Freund und Helfer. — Davids Krone ist Dein sichres Erbteil dann. Doch wenn dich Thamar Nicht mehr zum Gatten will — zwar muss sie wollen — Amnon. Wenn sie nicht will — was dann? Jonadab. Statt ein geheimer, Ist Absalon dir dann ein offner Feind Und weniger gefährlich. Sonst ist alles So wie zuvor — bis auf den Glückesdiebstahl — Den neidenswerten — Amnon. Sprich mir davon nicht — Nur davon sprich mir nicht! Ich gäbe viel, Stünd ich vor dieser Tat — Jonadab. Wer weiss das nicht? Erst Feuer, Asche dann — Amnon. Auf meine Kosten Beliebt es dir zu scherzen. Hüte dich! Nicht immer weiss ich, ob ich meinen Freund In dir erkennen darf — Jonadab. Du bist verstimmt . . . Verstimme mich nicht auch. Der Freunde brauchst du, Der Feinde hast du jetzt schon allzu viel. Und leider hast du sie durch deine Schuld. Beherrsche, fasse dich. Ich mein' es gut. Amnon. So gehn wir. — Zum Zerspringen heftig schlägt Das Herz mir. (Nimmt den Klopfer, um an die Platte zu schlagen und besinnt sich.) Eine Krone ist doch teuer! (Geht hinaus, Jonadab folgt ihm.) (Vorhang.) (Schluss folgt.)