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Ost und West · 1909-07-01 · Heft 7 (Juli 1909) · p. Seite 435 - 436

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 7 (Juli 1909)
Article
Thamar
Date
1909-07-01
Page
Seite 435 - 436 (sequence 3)
Language
German
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435 Clara Steinitz: Thamar. 436 Amnon. Unmögliches Kann ich nicht möglich machen. Jonadab. — Höre zu! . . . Du meldest dich bei deinem Vater krank. — Wirf dich sogleich aufs Lager. Kommt der König Nach dir zu sehen, so ersuche ihn, Zur Pflege Thamar dir zu senden. Und . . . Das andre steht in deiner Hand. Zu wollen Nur brauchst du — damit Absalon dein Preund Sein muss, dir Thamar muss bewilligen, Und glücklich sein muss, wenn du sie nur nimmst . . . Amnon. 0 Jonadab! — Wie furchtbar ist dein Rat-- Und dennoch jauchst mein brennend Blut ihm zu . . . Des Hasses und der Liebe Durst zu löschen Aus Einem Becher — Oheim — dieser Rat . . . Mein Vater ist schon auf dem Weg hierher, Da ihm gesagt ward, dass ich leidend bin. Jonadab. Wahrhaftig ja! Der Herold meldet ihn. (Tritt ans Fenster.) Und Absalon ist mit ihm. W7elch ein Mann! Fürwahr, der herrlichste in Israel! Den kann man anders nicht als rücklings fällen. Leb wohl! Sei klug! — Bald bin ich wieder da — (Ab.) Amnon. Mit jedem Worte schürt er meinen Hass. Jedennoch dieser Rat — o — dieser Rat . . . (Wirft sich aufs Lager.) Fünfter Auftritt. Da vi d (mit Gefolge). Absalon. A m n o n. David. Mein Amnon krank? Zu Bett? Sieh, Absalon Ist mitgekommen, weil er hört, du leidest. Amnon. Ich weiss, er will mir wohl. Stünd es bei ihm, Erlösung fände ich von allem Leid Noch heut. David. (Hat den Dienern einen Wink gegeben.} Sieh diesen Wein! Die Königin Arabiens schickt ihn mir. Mit Blut und Feuer Füllt er die schlaffsten Adern. — Trinke ihn, Und bald wirst du gesunden. Eher nicht Sollst du von einem Glücke hören, das Aegyptens Sonnenland dir zugedacht. — Nein, eher nicht . . . Drum werde schnell gesund . . . Sind deine Kammern voll? Amnon. Im Uebermass. (Während die Diener die Geschenke Davids auspacken.) Und wieder königlich beschenkst du mich. Lass mich die Hand dir küssen, Gütigster! David. Und faste morgen nicht. Den Kranken spricht Ein freundliches Gesetz vom Fasten frei. Hast du sonst einen Wunsch? Amnon. Den hätt' ich freilich. Zur Krankenpflege wenig taugen mir Die Knechte, und darum nach Frauenhand, Des Wartens kundig, sehne ich mich. Thamar, So sagt man mir, macht Tote auferstehn Durch ihre Kunst. Was sie dem Kranken darreicht, Belebet ihn und treibt das Fieber aus. David. Willst du die Schwester schicken, Absalon? Absalon. Verzeih' mir, Vater. Ungern seh ich sie Das Haus verlassen, gebe ihren Anblick Mit Widerstreben preis. Und einzig dem, Der sie einst heimführt, gönne ich Die Gegenwart der Schwester. David. Aber sieh, Wie krank er ist! Im totenbleichen Antlitz Erstirbt das Auge ihm, und hager ist er Geworden. — Schick* ihm Thamar, Absalon! Sie tut ein gutes Werk, das Schönheit adelt. — Willst du sie schicken? Absalon. . . . Wie es mir mein Herr In seiner Weisheit anbefiehlt, gescheht. David. So hol' sie selber her, mein Absalon! — Nun, Amnon, lebe wohl; Genesung werde Dir schnell zuteil. Bald wird die Pflegerin, Die du erbeten hast, dir Labung bringen. (David, Absalon, Gefolge ab.) Amnon (springt auf vom Lager). Sie kommt? Ich träume nicht? Und im verschwiegnen Gemach soll ich die Sinnberückende, Soll ich im Liebestauniel Thamar sehn? Soll ihren Odem trinken? Ihren Leib Im Rausche ungekannter Wonnen aufblühn, Erschauernd mir im Arme liegen sehn? . . . Allein bedenk'! ... Zu überlegen ist —' — — Nichts gibt es zu erwägen und bedenken Mir winken unerhörte Seligkeiten, Und ich soll fragen, ob sie mir erlaubt? (Xach kurzem Sinnen schlägt er auf die Erzplatte. Chusi tiitt ein.) Sechster Auftritt. Amnon. C Ii u s i. Amnon. Bestelle festlich mir das ganze Haus! Die Hallen fülle mit den Duftgesträuchen Des Gartens — einen Blütenteppich streue In alle Zimmer. Was an Kostbarkeiten In Truhen schlummert, nimm zum Schmuck der Räume, Die Thamars Fuss betritt. Chusi. Erwartest du Die Fürstin heute schon? Amnon. Sie wird bald da sein. Drum tummle dich. — Doch reiche erst einmal Von jenem Wein mir, den mein Vater brachte. (Trinkt.) So süss wie feurig! Jeder Tropfen fing Ein Stückchen Sonne auf, und sanfte Glut Ergiesst sich köstlich mir durch alle Adern . . . Jetzt horche auf und tu', wie ich dich heisse. Schlag* ich an diese Scheibe, meldest du, Dass Thamars Frau'n und meine jungen Ritter Ein Mahl erwarte. In den andern Flügel Geleite sie alsdann. Auch hier bestelle Den Tisch, so reich du kannst. — Zuvor jedoch Belebe mich mit deinen Spezerei'n. (Beide ab.) Siebenter Auftritt. S e m a j a und andere Diener Amnons schleppen blühende Sträucher in Kübeln herbei, entzünden Weihrauch in den Ampeln, legen blaupurpurne Kissen auf die Divans und streichen mit Räucherpfannen in die Winkel. Zuletzt Chusi, der den seitwärts stehenden Tisch in die Mitte schiebt, ihn festlich herrichtet und mit den Gaben des Königs bestellt. Auf das Tischchen am Lager stellt er einen Silberkrug und zwei Becher. Semaja. Wer, sagst du, kommt? Zweiter Diener. Das Grosskind Thalmais, Des Königes zu Gesur Tochtertochter.

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