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Ost und West · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 397 - 398

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Generalversammlung der Alliance Israélite Universelle, Lokal-Comité Berlin
Date
1909-06-01
Page
Seite 397 - 398 (sequence 6)
Language
German
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;;97 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle usw. 898 aöchte ich die Leichtgläubigkeit beklagen, die unser Publikum gewissen Informationsquellen entgegen - 1.ringt. Da Sie den bedeutsamen Bericht des Herrn! >r. Porges gelesen haben und über den Wert unserer chulen belehrt sind, und über die Wohltaten, die : e in alle jüdischen Gemeinden der muselmanischen Veit tragen, so lassen Sie mich Ihnen jetzt zeigen, .;ie ausgedehnt und tief dieses Erziehungswerk ist, reiche Mannigfaltigkeit der Mittel es anwendet, und v eiche Wurzeln es in den verschiedenen i Ländern Haines Wirkens geschlagen hat. VII. Die Alliance [besass keine 1000;M./:als s e ihre erste Schule in Marokko schuf. Das war im J ahre 1862. Im Jahre 1864 schuf sie eine in Tanger, .1365 gründete sie die von Bagdad im äussersten Süden i er asiatischen Türkei. Im Jahre 1875 betrug die Zahl (er Schulen erst 24. In diesem Jahre schenkte Baron Hirsch, der damals einen grossen Teil des Jahres in i .onstantinopel lebte, und aus der Nähe sah, wie die Alliance Gutes wirkte, der Alliance eine Million I rancs zur Einrichtung neuer Schulanstalten in der Türkei. Das war der Ausgangspunkt für einen üouen Aufschwung. Im Jahre 1884 hatte die Alliance 1 Kreits 34 Knaben- und 19 Mädchenschulen. Im Jahre 1887 verloren Baron und Baronin Hirsch ihren » nzigen Sohn Lucien. Diese grossherzigen Wohinter heiligten gewissermassen ihre Trauer durch £ ossartige philanthropische Schöpfungen. So empfing ( e Alliance ein Geschenk von seltener Freigebigkeit, < is ihr gestattete, ihr Schulwerk immer mehr auszuweiten. Im Jahre 1900 hat die Alliance bereits I »0 Schulen mit 26 000 Schülern, und im Jahre 1 '08 142 Schulen mit 41000 Schülern. Was der lliance ermöglicht hat, diese beträchtliche Aus- < Ahnung ihres Werkes in den letzten 10 Jahren >rzunehmen, war ein Legat der Frau Baronin i Irsch in Höhe von fast 16 Millionen Franks. i Jahre 1908 hat die gesamte Ausgabe für das Schulv?rk allein 2 300 000 Francs überstiegen. Hier- A. *ri hat die Alliance 1 400 000 Franks, haben die 1 ^meinden 900 000 Francs beigesteuert. Der statti he Beitrag der Gemeinden, die im allgemeinen m sind, zeigt besser als Worte, dass die '■■■hulen den Wünschen der Bevölkerung 1 ttsprechen. Es genügt darauf hinzuweisen, <:'iss von den 900 000 Francs mehr als zwei Drittel <' s dem Schulgeld der Kinder herrühren. Würden ('o wahrlich nicht wohlhabenden Eltern das zueilen recht beträchtliche Schulgeld auf sich nehmen, v onn sie nicht den Wert des ihren Kindern erteilten nterrichts und den für deren ganze Zukunft daraus ( itspringenden Nutzen zu schätzen wüssten! Die Erklärung ist tausendmal wiederholt worden, dass die ■i-Itern an einer Schule um so mehr hängen, je mehr Opfer diese verlangt. Auf solche Weise sind wir dahin kommen, uns von den Ausgaben für einen Teil unserer ältesten Schulen zu entlasten, um unsere Mittel neuen Schöpfungen zuzuwenden. Anfangs und eine Reihe von Jahren hindurch -tusston wir mit dem Notwendigsten beginnen, mussten wir uns begnügen, in unsere Schulen einen Teil der schulfähigen Bevölkerung aufzunehmen. Allmählich haben wir unsere Tätigkeit auf die Talmud- Thora-Schulen ausgedehnt, in denen die physische und geistige Gesundheit der Jugend dahinsiechte. Mit der Zeit haben wir in den grossen Zentren die Talmud-Thora-Schulen förmlich aufgesogen. Wo sich dem Schwierigkeiten entgegenstellten, haben wir ihre Leitung übernommen. In dieser Art sind wir in Adrianopel, Smyrna, Bagdad, Damaskus, Beirut, Tunis, Tanger, Mogador und einzelnen Teilen von Konstantinopel vorgegangen. Nach der Reorganisation der Talmud-Thora-Schulen haben wir begonnen, auch Kindergärten zu schaffen. Diese sind zwar weniger dringend, doch von unzweifelhafter Nützlichkeit; wir werden hierbei in der methodischen Art fortfahren, die uns bei allen unseren Maasnahmen leitet. VIII. Wenn unsere Zöglinge die Schule verlassen, hören wir noch nicht auf, ihnen wenigstens die moralische Führung weiter zu gewähren. Wo es irgend möglich war, haben wir versucht, sie in besonderen Vereinigungen zusammenzuhalten: gegenwärtig bestehen bereits 20 Vereine ehemaliger Alliance-Zöglinge, die ihren Klub, ihren Lesesaal, zum Teil ihre eigene Musikkapelle haben. Die Absicht dieser Vereine ist, ein dauerndes Band zwischen den Mitgliedern herzustellen. Sie beschäftigen sich mit der Unterbringung junger Kameraden in Werkstätten und Handelshäusern und bilden vortreffliche Gelegenheit zu gegenseitiger Hilfe. Schon in der Schule ermutigen wir die Bildung derartiger Gegenseitigkeitsgesellschaften. Wir glauben, dass wir denen, die lange Zeit die Macht eines solchen Förderungsmittels zum Wohlbehagen und zu sozialem Fortschritt nicht gekannt haben, auch hierdurch einen wesentlichen Dienst leisten. Die Mehrzahl dieser Gesellschaften veröffentlicht regelmässig Berichte über ihre Tätigkeit. Sie stehen auch untereinander in Verbindung. Auf diese Weise ist eine Art ,,junger Alliance" entstanden. Neben den Schulen haben wir fast überall Lehrlingsschulen für Knaben und Mädchen eingerichtet. Auch hier hat uns die Erfahrung — zuweilen in recht kostspieliger Weise — gelehrt, wie wir am sparsamsten und zugleich wirksamsten vorgehen könnten. Die Unterbringung unserer Lehrlinge begegnete der Feindseligkeit der christlichen und muselinanischen Meister, so dass wir zuweilen den Versuch gemacht haben, besondere Werkstätten einzurichten. Nach ein bis zwei Jahren mussten wir sie schliessen, da die erwünschten Ergebnisse ausblieben. Es ist besser, die Lehrlinge bei Meistern in der Stadt unterzubringen. Man hat auf jede Weise versucht, die nicht jüdischen Meister zu gewinnen. Nach einigen Jahren haben unsere Lehrlinge sich als Meister niedergelassen, oft mit Hilfe von Betriebsvorschüssen, die wir ihnen geben. Gegenwärtig haben wir 33 Lehrlingsanstalten mit 1400 Knaben und Mädchen. Die Aufnahme der Mädchen in die Handwerks- und Lehrüngsanstalten begegnete Schwierigkeiten, die mi

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