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Ost und West · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 399 - 400

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Generalversammlung der Alliance Israélite Universelle, Lokal-Comité Berlin
Date
1909-06-01
Page
Seite 399 - 400 (sequence 7)
Language
German
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399 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle usw. 400 den besonderen Sitten des Orients im Zusammenhang stehen. Auch für die den Frauen zugängigen Gewerbe mussten wir Werkstätten im Zusammenhang mit der Schule einrichten. Aus dem Bericht des Herrn Dr. Porges haben Sie gesehen, dass die Einführung von Handwerken bei den Israeliten die befriedigendsten Ergebnisse gehabt hat. Für das Jahr 1909 haben wir eine Ausgabe von 66 450 Francs für die Knabenabteilung, von 13 600 Francs für die Mädchenabteilung des Lehrlingswerks eingestellt. Das Central-Comite studiert gegenwärtig die Schaffung von Stipendien für die fleissigsten und begabtesten Schüler, die besondere Fähigkeiten für technische Studien zeigen. Seit 20 Jahren hat übrigens die Alliance schon die Gewohnheit, derartige Stipendien zu verteilen, namentlich für die Lehrlinge gewisser schwerer Handwerke, für die im Orient guter Unterricht fehlt. Man ist im Begriff, diese Übung auch auf Studierende der Medizin, der Rechtswissenschaft, des Ingenieurwesens und der Technik auszudehnen. Wir sind der Meinung, dass es sich mehr empfiehlt, unsere Schützlinge in den Universitäten und Hochschulen unterzubringen, wo sie ohne übermässige Kosten studieren und in kameradschaftliche Verbindung mit den nicht jüdischen Studierenden treten können, als eigene kostspielige Anstalten zu schaffen. In Jerusalem unterhalten wir neben den Elementarschulen für Knaben und Mädchen eine Handwerksschule, die ein Internat von 75 Lehrlingen umfasst und ausserdem von 40 Externen besucht wird. Die Internen rekrutieren sich aus der ganzen Türkei und namentlich aus Palästina. Ich brauche Ihnen von dieser Anstalt nichts zu erzählen, da unsere regelmässigen Berichte über die Leistungen alles Erforderliche gesagt haben. Im Jahre 1908 haben wir für die Anstalt etwa 80 000 Francs ausgegeben. IX. Nicht minder bekannt ist, was wir getan haben, um die Tätigkeit der Juden der Landwirtschaft zuzuführen. Zu einer Zeit, wo noch niemand an den Zionismus dachte, begründete die Alliance am Eingang von Palästina, an den Toren von Jaffa, die Ackerbauschule von Mikweh Israel. Das Gelände hat uns der Sultan gegen eine jährliche Abgabe von 1600 Francs überlassen. Das Terrain war nackt und unbestellt. Die Bauten, die wir allmählich dort errichtet haben, die Weinberge, Orangegärten und andere Pflanzungen, die wir dort angelegt haben, stehen bei uns mit rund einer halben Million Francs zu Buch. Ich muss hinzufügen, dass ein Teil der grossen Ausgabe durch Spezialgeschenke eines Oheims des Barons Hirsch, des Herrn Salomon Goldschmidt, gedeckt worden ist, der in der Präsidentschaft der Alliance auf Cremieux folgte. In D jedeida bei Tunis haben wir im Jahre 1895 eine andere Ackerbauschule geschaffen. Unsere Wahl ist glücklich gewesen. Wir haben eine Domäne von mehr als 4000 Hektar mit fruchtbarem Land gekauft, das von dem grössten nordafrikanischen Fluss, Medjerda, durchströmt wird. Dieser Besitz stellt sich für uns auf eine Million Francs, einschliesslich der Bauten und Ameliorationen. Der Wert hat sich verdoppelt. Um unsere wirtschaftliche Tätigkeit auf Algier auszudehnen, haben wir ein schönes Gut, 25 Kilometer von Algier entfernt, erworben, die Reghaia, die uns etwa 850 000 Francs kostet. Diese Besitzung ist in sechs Pachtungen geteilt, von denen drei gegenwärtig an vier unserer ehemaligen Zöglinge aus Djedeida abgegeben sind. In unserem neuesten Jahresbericht haben Sie die moralische Bilanz unseres Landwirtschaftswerks lesen können, die Zahl der Schüler aus unseren Landwirtschaf tsschulen, die sich gegenwärtig mit Landarbeit beschäftigen. Ich erwähne beiläufig: 255 Zöglinge von Mikweh Israel und 81 von Djedeida bearbeiten das Land und bleiben endgültig beim Landwirtschaf tsb etrieb. X. Im Orient geniesst man kein Ansehen, wenn man nicht eine stattliche Strassenfront besitzt. Die verschiedenen Völkerschaften in der Türkei, namentlich Griechen und Armenier, haben wahre Schulpaläste gebaut, einmal, um ihre Macht zu zeigen, dann aus Liebe zum Unterricht. Die Juden haben auf die Alliance warten müssen, um Schulen und Schulhäuser zu besitzen. Die Alliance hatte nicht den Ehrgeiz, mit den Griechen und Armeniern hinsichtlich des Luxus ihrer Schulgebäude zu wetteifern; ihre Hauptsorge war, den Kindern Luft und Licht zu verschaffen. Gleichwohl hat die Alliance für den Erwerb oder den Bau von Schulanstalten ausserordentlich grosse Opfer bringen müssen. Im Jahre 1875 hat sie ihren ersten Kauf in Salonik vollzogen. Seitdem hat sie zahlreiche Schulgrundstücke erworben und Schulbauten errichtet und dafür über 3 7a Millionen Francs ausgegeben, wie das weiter unten abgedruckte Verzeichnis ergibt. XI. Man weiss, dass wir, um unser Personal heranzubilden, um uns Lehrer zu sichern, die von unseren Gedanken und Grundsätzen erfüllt sind, in Paris ein Lehrerseminar haben schaffen müssen. Das Knaben-Lehrerseminar zählt gegenwärtig 85 Zöglinge und ist in einem grossen und schönen Bau untergebracht, für den wir 850 000 Francs aufgewendet haben. Unsere derzeitigen weiblichen Zöglinge in Paris sind 79 an der Zahl, von denen 54 in einer Anstalt nahe der Ecole normale, 25 in zwei anderen Anstalten untergebracht sind. Unsere beiden Lehrerbildungsanstalten kosten uns 114 000 und 93 650, zusammen 207 650 Franks jährlich. XII. Um unser Erziehungswerk im Orient und in Afrika zu vervollständigen und in gewissem Sinne zu krönen, blieb uns nur noch übrig, das ehemalige Rabbinat wo möglich zu neuem Leben erwecken, so gelehrt wie erleuchtet und fromm. Die Lehrer vergangener Zeiten haben im Orient nicht mehr ihresgleichen, und die Judenheit des Orients wird geistig nicht mehr durch Männer von Ansehen und Einfluss geleitet. Aus diesem Grunde haben wir in Konstantinopel ein Rabbinerseminar eingerichtet, an dessen Spitze

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