Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Sonnenthal
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 305 - 306 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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305 Max Scnaciieri: ttonnentnat. 75ÜS" seiner Kunst, deren Wurzel in einem reinen Charakter ruhten, in einem Herzen, dem jedes Falsch fremd blieb. In diesem Sinne war ihm die Kunst Leben, war ihm das Leben eine künstlerische Aufgabe- So ergibt sich bei ihm von selbst, was bei anderen durchaus nicht selbstverständlich ist, gerade in einer Zeit, die das Beste des Menschen abstumpft, nivelliert: Sonnenthal blieb Jude. Er war der Hundertste. Wer von" den Neunundneunzig, die vielleicht wie er gespielt, hätte so gelebt? Vielen von ihnen wäre das Heiligste des Lebens, das Gefühl der unlös- Sonnenthal als „Faust". liehen Gemeinschaft, ein Spiel erschienen. Ihm war es geheiligtes Naturrecht , innerlichster Glaube. Wie einen Fürsten hat man ihn zu Grabe getragen, ihn, der ein Fürst war im Eeiche seiner Kunst. Er war gross und stolz; nicht nur in den Stunden, wo er in Purpur gehüllt die Könige spielte, auch in jener Welt, 'in der die Bretter nichts bedeuten, blieb er, der er war. „Ich habe als Jude gelebt und will als solcher auch begraben werden." Traurig, dass wir in einer Zeit leben, wo Sonnenthal als „Uriel Akosta". solche] Worte besonders vermerkt werden müssen. Aber hier, wo Stellung und Ruhm und Zeitgeist gegenteilige Einflüsse vermuten lassen, bedeuten diese einfachen Worte einen Lebensinhalt, ein Charakterbild. Sonnenthal wusste es wie keiner, dass die Werte seiner Abkunft zu Werten seiner Kunst werden können. Und sie wurden es. Ludwig Hevesi, Wiens geistvollster Kritiker, erklärt, dass wie in Rubinsteins Musik der jüdisch - liturgische Melodienschatz Triumphe feiere, . in Sonnenthals Kunst die schwere Getragenheit, das müde Sehnen und der Impuls des vollen Herzens erklingen. Der Arier Speidei hat dies mitbegriffen. Und uns erschliesst diese Erkenntnis die Persönlichkeit des Künstlers. Wir sahen die altorientalisehe, gebieterische Erscheinung seiner Könige, hörten die biegsame, schmeichelnde Stimme, sahen den Gestus, die weitausholende Gebärde: als wollte er eine einzige Familie, die ganze - ' w: f /f5i?( ' •'.„; , ., •JPiv- * Sonnenthal als „Hamlet".