Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Sonnenthal
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 303 - 304 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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303 Max Schacherl: Sounenthäl. 304 POM (J§pi8&nthal als „Wallenstein". gefragt haben, wie viele geniale Schauspieler zugrundegehen, die ler Kunst eines Sonnenthal vieleicht gleichkämen. Hier gilt las, was von dem Napoleon ler Menschheit zu sagen ist: wie hundert Napoleons geboren werden müssen, damit einer lin Jfepoleon wird, so müssen bunAt Sonnenthals entstehen, Mbh ^e Menschheit sich eines yBnthal erfreuen kann. Und IsHpt gewiss traurig. Nicht jpflpür die verlorenen NeunnlKeunzig, sondern für die Ele Welt, für uns alle. Er mm war der Hundertste, musste Hglein. Hier paarte sich der [Ratete Ausdruck edelsten Cha- ■Hers mit dem edelsten Aus- EHfcke reinster Kunst. Die Hpchichte dieses Lebens, sein K und Handeln lehren, dass darin erschöpfte, wer hätte es nicht gefühlt und mitgelebt von jenen allen, die stumm und bang,. ergriffen von dem Unbegreifbaren, seinem Spiele lauschten?! . . . Ueberflüssig, seinen Lebensgang hier zu erzählen. Jeder, der den Namen Adolf von Sonnenthal kennt, weiss mehr oder weniger aus seiner Lebensgeschichte. Was noch zu sagen übrig blieb, hat in diesen Tagen eine flinke Eeportage besorgt. Man weiss also, dass er in Budapest als Kind jüdischer Eltern geboren und anfangs für den ehrsamen Schneiderberuf bestimmt, mit zäher Energie und voll von hehren Idealen jener Kunst zustrebte, deren Zierde er schon im jüngsten Mannesalter gewesen, für die sein Tod nun den schmerzlichsten Verlust, eine unausfüllbare Lücke bedeutet. Die verdunkelten Durchhäuser, die engen Querstrassen, wo einer den anderen mit dem Ellbogen drängt, hat Sonnenthal vermieden, als er die Strasse gegangen, aus der so viele wegmüde und resigniert zurückkehren: die Strasse des Ruhms. Es mag in diesen Tagen gar mancher Sonnenthal in „Die Tochter des Herrn Fafcricius". Sonnenthal als „Kean". dieser der Hundertste werden musste, weil er ein Einziger war. Hätte ihn auch Bogumil Dawisons hilfreiche Hand nicht geleitet, Laubes Scharfblick nicht den kommenden Grossen in ihm erkannt, Sonnenthal wäre später, aber dennoch siegend, ein Unbesiegbarerheraufgezogen. Mit Vorbedacht habe ich ein Hebbelwort diesen Gedenkworten vorangestellt. Sie mögen, an der Grösse dieses Künstlers gemessen, massvoll, begrenzend erscheinen, aber sie treffen das Geheimnis seiner lauten Wirkung. In der Tat, er kannte seine Welt, er wusste, was in ihr möglich. Und er hat für seine Welt, den reinsten und edelsten Ausdruck gefunden. Dass dieses zum Teile unser Eigentum wurde, danken wir