Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Moses in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 285 - 286 (sequence 3)
- Language
- German
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285 G. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 286 PAOLO VERONESE. Die Findung Moses. DRESDEN. Heilsspiegel, auf Fresken und Tapeten (Chaise- Dieu in der Auvergne, Reims) wie in handschriftlichen Miniaturen ist die Legende bildlich ausgeführt. Auf den Holzschnitzereien aus Arras in Ste. Elisabeth in Paris spricht ein Kind aus dem Dornbusch zu Moses, was wohl der gleichen Vorstellung entspringt. An anderen Stellen (Glasfenster zu Lyon, Laon u, a.) ist der Dornbusch nur als Parallele zur jungfräulichen Geburt abgebildet. Die sonderbarsten Dinge bildet eine Expo sitio librorum Veteris et Novi Testamenti (Brit. Mus. Add. 18, 719), auch hier als Gleichnisbilder zum Leben Moses ab. Er verlässt den Pharao und dessen ihm weinend nachschauende Tochter, wie Christus auf die Genüsse und Reichtümer dieser Welt und auf leibliche Nachkommenschaft verzichtet; seine Frau Zipporah hat drei Kinder (in der Bibel sind es zwei) neben sich, wie die dem Heiland vermählte Kirche mit drei Kronen geschmückt ist, und dergleichen mehr. Die rabbinischen Legenden haben ihre bildliche Verbreitung vornehmlich durch die Hagadah-IUustrationen gefunden, besonders durch die von volkstümlichem Charakter, die in hebräischen Knittelversen die Erzählung des Midrasch erklärend beifügen. Am meisten tut sich darin die zweite Hagada des Germanischen Museums aus dem 15. Jahrhundert hervor, die ihre handwerksmässig ausgeführten Bildchen im „Jobsiadenton" erläutert. Sie bringt denPharao, dersichals Gott und Schöpfer des Nils ausgibt, die Weisen, die die Geburt eines Erretters Israels aus den Sternen weissagen, (die weissagenden Räte sind auch in Hagadah Or 2884 und Add. 27,210 des Brit. Museums veranschaulicht), Pharao sich im Blute hebräischer Kinder badend (ebenso die Hagadah Cod. Hebr. 1333 der Bibl. Nat. in Paris); ferner den durch ein Wunder verlängerten Arm der Magd, die das Kästchen aus dem Flusse herausholt; wie Moses den ägyptischen Pronwart tötet, der einen Ebräer mit Arbeit quält und dessen Frau inissbraucht, wie Pharao ihn deshalb töten lassen will, sein Hals aber zu Stein wird und vom Schwerte des Henkers unverletzt bleibt. Dann zeigt ein Bildchen, wie Zipporah Moses nach einem Wasserturm, in dem er eingekerkert ist, Speise bringt. Die hübsche Erzählung von dem Kinde Moses, das Pharao die Krone vom Haupte nimmt und sie zerbricht, was von den Magiern als böses Vorzeichen erklärt wird, fehlt auch hier nicht; doch folgt hier ein Bildchen, auf dem die Königstochter Moses verbirgt, während in anderen Illustrationen die Probe mit dem Kohlenbecken folgt.*) Auf einer Italienischen Hagadah aus dem 14. Jahrhundert in der Sammlung D. Kaufmann sitzt Pharao mit seiner Tochter zu Tisch, der kleine gekrönte Moses nimmt ihm die Krone vom Haupte, ein Astrolog kniet nieder, und die Räte („ Jethro, Bileam und Hiob") stehen zur Seite. Darunter sitzt Moses vor einem G-efäss und nimmt daraus einen Gegenstand, den er zum Munde führt. Ein Engel schwebt vom Himmel herunter und fasst die Hand des Kindes; neben dem Throne Pharaos sind die Räte und verkünden Moses zukünftige Herrschaft. Auch von nichtjüdischer *) Pharao habe, erzäblt der Midrasch, um die Intelligenz des Kindes zu prüfen, zwei Becken kommen lassen, mit Geschmeide und mit Kohlen gefüllt. Moses wollte schon nach dem Geschmeide greifen, da kam ein Engel und führte die Hand zu den Kohlen, von denen Moses eine an den Mund führte, wodurch er „schwer von Zunge" wurde.