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Ost und West · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. Seite 287 - 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Moses in der bildenden Kunst
Date
1909-05-01
Page
Seite 287 - 288 (sequence 4)
Language
German
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287 G. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 288 Seite ist die Legende*) dargestellt worden, in Miniaturen (^ToggenburgMbel" im Kupfer st ichkabinet von Berlin, Heilsspiegel, Flämische Bibelübersetzung nach der Historia Scholastica des Petrus Comestor, 10 043 im Brit. Mus.; die Handschrift 16 951 hat nur die zerbrochene Krone), im Fresko und auf Tafelbildern. Benozzo G-ozzoli fängt mit diesen Szenen die Mosesgeschichte der Camposanto-Fresken von Pisa an. Eine träumerische Märchenstimmung hat das entzückende Bild des G-iorgione in den Uffizien von Florenz. Versonnene Gestalten stehen im Vordergrund, zwei Diener halten die Becken, eine Frau lässt das nackte Knäblein in das eine greifen, ein Alter neben dem Throne weist, zum Könige autschauend, dahin. Die Versonnenheit der Gestalten lässt das Geheimnisvolle des Vorgangs ahnen und stimmt fein zu dem Duft; der zart verträumten Landschaft. Bernardo Strozzi (Wien) betont, prononziert und auf Effekt bedacht nach der Art der Spätrenaissance, die Aktion. Pharao befiehlt, eine Frau lässt schmerzlich das Kind in den Feuerkessel greifen, die Königstochter blickt auf den Vater und zeigt auf das Kind, dessen unbewussies Tun sich eben erwiesen hat; auf der Thronstufe liegt die Krone, zur Seite steht ein sinnender Greis, und hinter ihm zwei andere Räte. Unpersönlich deutlich ist N. Pous sin s Bild, auf dem das Kind die Krone zerbricht, und aus späterer Zeit das Bild von Vincenz Fischer in der Akademie in Wien. Der römische-Pharao zieht unter rotem Baldachin des Thrones das Schwert, da das nackte Kind zierlich auf die Krone tritt. Ein Alter eifert, ein Hofmann kniet, ein türkischer Edelmann ist überrascht und empört, aus der Ecke blickt ein Gelehrter mit Globus und Zirkel dahin. Auch in Raumwirkung und Kolorit ist das Bild, das correggieske Züge hat, recht matt. Der Kampf um den Leichnam Moses, dessen Seele der Teufel, nach dem Midrasch wegen der Tötung des Aegypters für sich fordert, wurde — vermittelt durch Ep. Judae 9 — auch zu künstlerischer Darstellung herangezogen.**) Das Malerbuch vom Berge Athos gibt die Norm: „Moses liegt rücklings auf einem Berge, und der Teufel gebückt zu seinen Füssen, und der Erzengel steht an seinem Haupte und hält die Hände ausgestreckt gegen den Teufel und jagt ihm Schrecken ein mit dem Schwerte." An der 1522 eingestürzten Eingangs wand der Sixtinischen Kapelle befand sich als Seitenstück zur Auferstehung Christi der Kampf Michaels um Moses Leichnam von Signorelli, den dann Gregor XIII. von Matteo da Lecce in der phrasenhaften Manier des 17. Jahrhunderts neu malen Hess. In unserer Zeit hat Bernh. Plockhorst (Köln) akademisches Pathos für den Gegenstand aufgewandt. Putten tragen den schlummernden Greis zur Höhe, ein idealisch schöner Eagel hält sein Schwert vor, damit Mephisto nicht heran kann. Dieser kommt, mit Fledermausflügeln, Kopthörnern und einer Schlange in der Hand, aus Auerbachs Keller oder gar von der Bühnen probe und blickt verschmitzt lauernd auf den Toten. Die Engelein sind bänglich in Angst, aber wie das bei sotaner occasion üblich ist, das Gute siegt über das Böse. Bei Schnorr von Carolsteld sitzt der Engel mit Schild und Schwert auf der Steingruft, in der Moses schlummert, und Satan fliegt grimmig von dannen. Spielerische Phantasie waltet auch bei den Bildern, die unabhängig von einer literarischen Quelle, die Aussetzung und Findung Moses behandeln. Mancherlei Kuriosität läuft dabei unter. In der sog. „Toggenburgbibel" des Kupferstichkabinets in Berlin stehen Moses Mutter und Schwester an dem Flusse, in dem der leere Korb schwimmt, darauf trägt die Königstochter das blonde Knäblein zur Stadt, und Jochebed und Mirjam folgen ihr. In der Flämischen Bibelhandschrift (10043) des Brit. Mus., auf einer Skizze von Gustave Moreau im Gustave-Moreau- Museum in Paris hat das Kind Hörnchen auf der Stirn (ebenso auf den oben erwähnten Fresken von Benozzo Gozzotti in Pisa)*). Auffallend ist es auch, *) Sie wurde in den Kirchenfestspielen aufgeführt und dadurch popularisiert. **) Auch Goethe behandelt das Motiv: Selige mit Fluch - Dämonen; — Ueber Moses Leichnam stritten — Lag er doch iu ihrer Mitten, — Kannten sie, doch kein 4. Verschonen; — Greift der stets bewusste Meister — Nochmals zum bewährten Stabe, — Hämmert auf die bösen Geister; — Engel trugen ihn zum Grabe. J. Fr. M1LLET. Die Findttng Moses. *) Dass Moses Hörner auf dem Kopfe trägt, ist keineswegs auffallend, vielmehr eine gewöhnliche Erscheinung, die häufiger in der bildenden Kunst ist als der Strahlenschein auf seinem Haupte. Es entspricht dies der irrtümlichen Uebersetzung der Vulgata (cornuta facies sua), nach der ihn die Kunst bis au! Michelangelo und Spätere als gehörnt darstellt. Das Auffällige ist nur, dass er in vielen Darstellungen schon vor dem Abstieg vom Sinai oder gar, wir hier, schon Kind so erscheint, während die Dibel erst nach den vierzig Tagen _un«! vierzig Nächten seines PRAG. Weilens ani

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