Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Die Abbrändler
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 231 - 232 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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231 Mendele Mocher Sforim: Die Abbrändler. 232 — Und was tut Ihr dagegen? — Reb Jechil Mordechai? — Als mich anfangs die Hüften schmerzten, in den ersten Zeiten, da war ich bestrebt, mich um die ganze Sache nicht zu scheren und still auf Gottes Hilfe zu vertrauen. Jetzt, da die Schmerzen sehr gross sind,-und ich nichts dagegen tun kann, wie sehr ich auch möchte, zweifle ich, ob die Mittel überhaupt etwas nützen, und ich fühle nicht nur in meinen Hüften, sondern in allen meinen 248 Gliedern Schmerzen. Ich bin wie ein Trümmerhaufen. Gott schütze Euch davor. Doch weshalb fragt Ihr mich, Reb Mendele, über etwas, das nicht zu unserer Tagesordnung gehört? Weshalb? — entgegnete ich betrübt — Weil Kabzanz abgebrannt, weil noch tausend andere Unglückliche ähnlicher Art da sind. Sie sind alle kranke, gebrechliche Glieder am Leibe Israels. Wenn Ihr, meine Bundesbrüder, dies verstehen würdet, dann würdet Ihr Sorge tragen, um Mittel zur Heilung der kranken Organe zu finden, sie stärken und erhalten und auf wirksamen Rat sinnen, bevor noch die Krankheit sich ausdehnt, damit der Schmerz nicht wachse, die menschliche Wissenschaft machtlos ist, und der Körper langsam lM& *> .hv . ' ■y^f*." K li't^i --*Sv:';¥ md i m mpf?'///'■ M 1^ '> ■ äp:-, W ■ f 7 f j '. i VICTOR SCHARF. Porträt-Studie. PARIS. VICTOR SCHARF. „Die blaue Feder." PARIS. zugrunde geht. Wenn unsere Brüder an dem Unglück von Kabzanz teilnehmen würden, wenn Leute sich fänden, und jeder von ihnen nur einen Groschen gäbe, dann würden diese Groschen zu einer so grossen Summe anwachsen, dass sie ihre Häuser wieder erbauen, und zu den alten Beschäftigungen zurückkehren würden, und nicht, von Ort zu Ort getrieben, unstet in der Welt irren müssten. Jetzt aber . . . Jetzt hört zu, Reb Jechil Mordechai, und ich will Euch sagen, was mit Euch und Euresgleichen geschehen wird, mit denen, die alles verloren, gedrückt sind, mit unseren Brüdern in unserem Lande. Die Kabzanzer, die von allen verlassen sind, ebenso die anderen Unglücklichen und Armen wie sie, die Entwurzelten und Fallenden werden tiefer und tiefer sinken, und niemals werden sie zu ihrem früheren Zustande wiederkehren. Was ihnen geblieben, werden sie auf der Reise verzehren, und am Ende werden sie irrende Bettler, Parias, eine Wunde im Hause Israels sein. Und diese Wunde wird wachsen und den Körper unseres Volkes ergreifen, in das Mark seiner Knochen dringen und ihm Schmerzen und tiefstes Weh bereiten. Unsere Brüder haben Euch nicht gestützt, als Ihr straucheltet, sie haben Euch in Eurem Elend wenig Entgegenkommen gezeigt, deshalb werden sie später umsonst büssen müssen. Die Armen und Elenden werden laut an ihre Türen pochen, und. sie werden