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Ost und West · 1909-04-01 · Heft 4 (April 1909) · p. Seite 221 - 222

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 4 (April 1909)
Article
Die Abbrändler
Date
1909-04-01
Page
Seite 221 - 222 (sequence 2)
Language
German
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221 Mendele Mocher Sforim: Die Abbrändler. 222 Männer, Weiber, Kinder und Säuglinge, die zerrissene Kleider und Lumpen trugen, hungrig und durstig waren, und deren Gesichter finster dreinblickten: .— Was gibt's, Brüder, was bedeutet dies? — — Ach, unsere Stadt ist zerstört! — tönte es als Antwort, und alle sprachen zu gleicher Zeit — Wir kommen aus Kabzanz, und von Kabzanz ist keine Spur mehr. — Gottes Strafgericht ereilte uns, das Urteil des Himmels ist vollstreckt! — rief eine weinende Stimme aus der Weibergruppe. — Gott rächte sich arg an Kapzanz — klagten einige Männer. — Für unsere grossen Sünden — begannen die Führer zu berichten — für unsere Sünden brannte es zu einem Aschenhaufen zusammen. — In dem Schornstein des Rothen Naftali — ergänzten andere den Bericht — begann der Brand, der Schornstein war schon lange nicht gereinigt worden, und das Feuer griff um sich und erfasste unsere Wohnungen. Von dem Schornstein des Rothen ISTaftali also ging es aus — der Schornstein war nicht gefegt und gescheuert worden, und auf Windesflügeln eilte VICTOR SCHARF. Häuslicher Unterricht. es dahin, steckte die Strohdächer, die gebrechlichen Holzhütten auf allen Seiten in Brand, und alles fiel zugleich den Elementen zum Opfer. Die ganze Stadt erfüllten Wehgeschrei, Verwirrung und Bestürzung — ans Löschen war nicht zu denken. Ach, was hat uns betroffen! Gott übte kein Erbarmen mit Kabzanz, vom Himmel sandte er ein Feuer und verzehrte unsere Stadt! — Brüder! — wandte ich mich an sie mit einer wichtigen Frage — Ihr beginnet mit dem Kaminfeuer bei dem Rothen Naftali und endet mit dem Feuer vom Himmel. Was soll das heissen, das Feuer vom Himmel? — Das Feuer fiel vom Himmel durch den Schornstein des Rothen nieder — entgegneten mir die frommen Brüder. — Ganz einfach. Ein Beweis, wie viele Jahre der Schornstein nicht mehr gereinigt worden war gleich vielen Schornsteinen bei uns, wenn auch mit Gottes, des Gelobten, Hilfe nichts passierte. Einige Dummköpfe wollten uns einreden, dass die Ursache des Brandes in der allzuengen Bauart der Häuser zu suchen, dass seine Entstehung auf das Vorhandensein von Strohdächern und Oefen, die nicht in Ordnung seien, auf den Mangel an Löschapparaten, die man in der Stadt vergebens suchen würde, zurückzuführen sei. Und diese Narren begreifen nicht und berücksichtigen nicht, dass so und so viele Jahre seit seiner Erbauung Kabzanz unversehrt blieb, und kein Unglück geschehen war ... In Wirklichkeit war es, wie geschrieben steht: „Wenn Gott eine Stadt nicht bewacht, dann ist alle Sorgfalt der Wächter umsonst." Wenn Gott Feuer vom Himmel sendet, dann nützt alles Wasser nichts, um jenes zu löschen. Keine Weisheit, keinerlei Vernunftsgründe vermögen etwas gegen einen Schriftvers. Deshalb senkte ich den Blick zu Boden und schwieg. Die Kabzanzer waren müde und abgespannt, sie strauchelten bereits auf der Strasse, ihre Schultern wankten von der Bürde der Reise, und also machten sie Halt, um neben einer Hecke am Rande eines kleinen Hügels zu rasten. Die Kabzanzer hängten ihre Ranzen an die Weiden und streckten sich auf den Boden hin. Die Männer seufzten und stöhnten> stritten und schimpften einer den anderen und verfluchten kummervoll ihr Los. Die Weiber klagten, verwünschten ihr Leben und kreischten. Die Kinder spielten im Grase und verlangten Milch um sich zu laben. Doch es gab — nur trockenes Gras. Und die Aermsten forderten Brod und weinten. Und dieser Leiseril, der PAHIS.

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