Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Rudolf Marcuse
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 151 - 152 (sequence 3)
- Language
- German
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151 M . Kapsilber: Rudolf Marcuse. 152 Aktiengesellschaft Gladenbeek in Bronzeguß zur Popularität der Arbeiten wesentlich beiträgt. Es ist wohl bekannt, daß die Berliner Bronzen seit etwa zehn Jahren in einem Siegeszug begriffen sind und die ehemals weltbeherrschenden Pariser Bronzen mehr und mehr zu verdrängen anfangen. Die vollendete RUDOLF MARCUSE. BERLIN, Salome* Art, wie die große und genial geleitete Bronzegießerei mit den Berliner Bildhauern zusammen arbeitet, auf die diffizilsten Intentionen der Künstler eingeht und durch eine virtuose Handhabung der Ziselierung, Patinierung und unter andern auch der schwierigen Feuervergoldung die wundervollsten Effekte zuwege bringt, das alles hat zur Volkstümlichkeit der Berliner Plastik beigetragen. Die meisterhaften Gladenbeek- Bronzen haben manchem Künstler den Weg geebnet. So ist von dem Augenblick an, wo die Aktiengesellschaft Gladenbeek den Gladiator von Marcuse herausbrachte, der Erfolg des Künstlers besiegelt gewesen. Zum ersten Geniewurf Marcuses gehört auch der kitzliche Faun, der als Brunnenfigur gedacht ist. Sonst wird ein Faun wohl von lüsternen Nymphen, den Animiermädchen des klassischen Altertums, gekitzelt und zu humorvoller Gebärde gereizt. In unserer moralischen Zeit aber ist es ein keuscher, kalter Wasserstrahl, der dem zottigen Bocksfüßler an die Rippen greift, und ihn zu einer unsagbar komischen Positur und Grimasse nötigt. Dann markiert sich das römische Studienjahr 1903/04 sichtbar in des Künstlers Entwicklung. Ricordo di Roma nennt Marcuse die 1903 modellierte und drei Jahre später in polychromen Marmor übertragene ideale Mädchenbüste, ein Werk von klassischer Empfindung, pathetisch wonnesamer Farbenglorie und delikatester Materialbehandlung. Wieder eine Stufe höher, und diesmal keine kleine, steht oder kniet der Jüngling, der mit der Schlange kämpft, mit aller Kraftanspannung, um sich der Umschlingung zu erwehren, und mit aller Vorsicht, um dem Tier an die Kehle zu kommen. Dieses Doppelmotiv ist in einer großerfaßten Form, bei der Rom Pate gestanden, meisterhaft in Szene gesetzt, und hier erweitern sich die Horizonte von Marcuses Kunst, und hier ahnt man schon den Monumentalplastiker, der in der Zeiten Schöße schlummert. Der Knabe mit den Katzen von 1904 ist köstlich in der Form, in der kindlichen Natürlichkeit und mit dem Anflug von Humor, der das Werk auf sein hohes Niveau hebt. Jetzt aber beginnt das ewig Weibliche oder der Dämon Weib im Schaffen des Künstlers eine Hauptrolle zu spielen, und nun verfeinert sich die plastische Empfindung, nun vibriert der nervus artis, und nun rollen sich die seelischen Probleme auf, indem sich Blüte um Blüte des genialen Talentes erschließt. Die tanzende Salome beginnt den Reigen 1905, es folgen weibliche Porträtbüsten, feine und wonnige Aktfigürchen, und jetzt entstehen, noch hinter den Kulissen der Öffentlichkeit, ein tragisches Mädchen, das sich wahrscheinlich als eine Elektra entpuppen wird, und eine als Sphinx posierte, berückend schöne, nervös erregte und dämonisch faszinierende Huldin, die auf der großen Berliner Ausstellung 1909 ohne Zweifel Furore machen wird. Aber man soll nicht aus dem Atelier plaudern, und daher beschränke ich mich hier auf die Salome, die im Tanze rückschauend und kokettierend einen König und Vater in Blutschuld vörstrickt. Diese Salome ist keine der landläufigen Puppen, wie sie das Jahr