Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Rudolf Marcuse
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 153 - 154 (sequence 4)
- Language
- German
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153 M. Rapsilber: Rudolf Marcuse. 154 - RUDOLF MARCUSE. Gladiator. BERLIN. über zu Dutzenden fabriziert werden. Marcuse hat das Temperament und das poetische Ingenium zu einer wahrhaftigen Salome, die er aber nicht mit der Jauche der Perversität patiniert, sondern mit dem Goldhauch der Grazie. Viele der Neueren nehmen nämlich die berückend schillernde Schlange Salome irrtümlich für eine Megäre. Die im Entstehen begriffene Sphinx wird sich nun zu der Salome ebenso verhalten, wie der zweite Fechter zum ersten, es wird hier also wieder eine erhebliche Strecke der Entwicklung zutage treten. Der Zimmerbrunnen von 1906 ist keine Etappe, sondern nur Intermezzo, Nebenarbeit. Ein zierliches und anregendes Stück .Arbeit allerdings, das 1907 auf der Ausstellung vielen Anklang fand und den König von Siam so entzückte, daß er das Brünnlein ankaufte. Eben dieser Potentat scheint überhaupt an Marcuse ganz besonderes Wohlgefallen zu haben, denn er kaufte auch ein Dutzend Exemplare der „Atelierpause" an und exportierte sie nach Siam. Das ist ein keckes und vergnügtes Modellmädel, das auf einem hohen, schlanken Postament wie ein Äfflein balanziert. Unter den mannigfachen Porträts von Marcuse hebe ich die Büste des Professors Dr. Adolf Baginsky hervor wegen ihrer frappanten Ähnlichkeit und monumentalen Plastik. Dann den interessanten Kopf der Amerikanerin Miß Spencer. Die Bronze ist echt vergoldet, das Haar aber leicht übermalt, so daß durch die Farbe noch ein Goldhauch schimmert. Auch der Hamlet ist ein idealisiertes Porträt. Schon die Kopfstudie zeigte den veritablen Hamlet, so daß nur noch das Renaissancekostüm fehlt. Damit ist das Werk Marcuses noch lange nicht erschöpft, denn nebenher laufen noch manche Bildnisse, Grabdenkmäler, Akte, Idealgruppen; aber die Grundlinien dieses erfolgreichen Schaffens sind wenigstens angedeutet, und so wird man verstehen, weshalb der Künstler schon in jungen Jahren sich einen glänzenden Namen erworben hat, erworben hat durch Talent und Arbeitsernst, durch Geist und frischfröhliches Selbstvertrauen.