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Ost und West · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 123 - 124

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Die Schulen der Alliance Israélite Universelle in Hara
Date
1909-02-01
Page
Seite 123 - 124 (sequence 3)
Language
German
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123 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Schulen der Alliance Israelite Universelle in Hara. ' 124 Anstalt Herr Machuel, Generalinspektor der Universität, in seinem Werk „Der öffentliche Unterricht in Tunis" urteilt: „Die israelitischen Kutabs befinden sich alle in dem unter dem Namen „Hara" bekannten Stadtviertel. Mit Ausnahme von dreien, die sich im ersten Stockwerk befinden, liegen sie alle zu ebener Erde. Diese Schulen sind noch kläglicher untergebracht als die muselmanischen Kutabs.*) Es ist wahrhaft peinlich, die schwächlichen, blutlosen Kinder in diese feuchten, ungesunden, luft- und lichtlosen Löcher eingepfercht zu sehen, wo sie nicht einmal einen Schemel haben, um niederzusitzen. Auch in der Strasse rue Ghariani gibt es ein rabbinisches Kutab, wo 110 Kinder in zwei ungepflasterten Lagerräumen untergebracht sind, die Licht nur durch die Tür empfangen. In der rue de TAbattoir 115 sind 200 Zöglinge in einem niedrigen, dunklen, feuchten Raum zusammengedrängt, dessen Luft mit schädlichen Dünsten geschwängert ist. In allen diesen Schulen gibt es keine Bequemlichkeiten, so dass die Kinder nachhause oder auf die Strasse gehen müssen, wenn sie ein Bedürfnis zu verrichten haben. In manchen Kutabs besteht das gesamte Mobiliar aus Schemeln, auf denen Zöglinge und Lehrer niederkauern, die Beine gekreuzt, an jeder Bewegung gehindert." Dieses Bild von den israelitischen Kutabs ist noch heute zutreffend. In solchen kläglichen Zitadellen rückschrittlichen Geistes werden noch in diesen Tagen 800 Kinder der Verdummung und einem lediglich gedächtnismässigen Unterricht ausgesetzt, während sie in der Allianceschule neuzeitlichen guten Unterricht erhalten können.**) Von 1878 bis 1908. Im Jahre 1878 verständigte sich ein Delegierter der Alliance mit den israelitischen Notabein von Tunis, mit Unterstützung des damaligen französischen RegierungsVertreters Herrn Roustan den Grund zu der jetzigen Schule zu legen. Er erwarb ein grosses Grundstück in der Strasse Malta-Srira, dessen Gebäude sich leicht den Anforderungen einer Schule an- *) Das ist erklärlich, wenn man berücksichtigt, dass die israelitischen Kutabs keinerlei Unterstützung gemessen, dass die unterrichtenden Rabbiner nur einen lächerlichen Entgelt von den armen Eltern ihrer armen Zöglinge erhalten, während die muselmanischen Kutabs für ihren Unterhalt öffentliche Mittel zur Verfügung haben. **) Vielleicht wird man einwenden, dass von diesen 800 Zöglingen der Kutabs eine gewisse Zahl von den Eltern dazu bestimmt ist, nach einem oder mehreren ausschliesslich dem Studium der hebräischen Sprache gewidmeten Jahren in die Allianceschule übergeführt zu werden. Aber diese im Kutab zugebrachten Jahre werden der Schulzeit entzogen, die doch naturgemäss für jedes Kind beschränkt ist. Sie können und müssen als für die wirkliche Erziehung verlorene Jahre angesehen werden, infolge wovon die Erziehung unvollständig bleibt. passen Hessen. Am 7. Juli 1878 wurde die Schule eingeweiht und für Kinder aller Bekenntnisse und aller Nationalitäten geöftnet. Die Zahl der Schüler war anfänglich 747. Sie hat sich seitdem fast verdoppelt und beträgt jetzt 1326. Unter ihnen sind 3 Muselmanen. Das Unterrichtspersonal bestand ursprünglich aus dem Direktor, einem französischen, einem italienischen Lehrer und 16 Rabbinen, die sich in den hebräischen Unterricht teilten. Gegenwärtig hat Herr Uziel 31 Gehilfen, darunter einen Lehrer des Italienischen, einen Lehrer des Arabischen und nur noch 10 Rabbinen zum hebräischen Unterricht. Was die Allianceschulen kosten. Herr Uziel, der ausser mit der Leitung der Knabenschule auch mit der Verwaltung der beiden (Knaben- und Mädchen)-Schulen betraut ist, sagte mir, dass die Ausgaben für diese beiden Schulen nur etwa 100 000 Fs. jährlich ausmachen. Gegenüber der Zahl der Schüler — über 2400 — ist das wenig, aber die Alliance muss jährlich zwischen 55 000 und 60 000 Fs. zur Herstellung des Budget-Gleichgewichts beisteuern. Von der gemeindlichen Koscherfleisch-Steuer, die 40 Centimes auf das Kilogramm beträgt, werden 32 Centimes auf Wohltätigkeit und nur 8 Centimes auf die Allianceschule verwendet. Diese 8 Centimes bilden eine Einnahme von 35 000 bis 40 000 Fs. jährlich. Im tunesischen Etat ist zwar eine allgemeine Unterstützung von 10 000 Fs. verzeichnet, aber diese Unterstützung kommt nicht allein den tunesischen Schulen zu gute, sondern allen Alliance-Instituten, die in ganz Tunis geschaffen worden sind. Allerdings gibt es auch noch Schulgeld, das die Eltern einzelner Zöglinge entrichten. Aber diese Zahl ist so gering, dass der Gesamtbetrag 5000 Fs. nicht übersteigt. Im ganzen zahlen kaum 250 Zöglinge ein Schulgeld von 1 Fs. bis 3 Fs. monatlich. Etwa 100 Zöglinge, die kostenlosen Unterricht geniessen, zahlen ihre Unterrichtsmittel, alle anderen haben alles umsonst. Die Aermsten, deren es sehr viele gibt, bekommen noch Unterstützung für Kleidung und nehmen ihre Mittagsmahlzeit in der Kantine der Schule auf Kosten der Anstalt. Der Unterricht. Die Schüler sind auf 31 Klassen verteilt. Die zu ebener Erde befindlichen Klassen sind klein, aber wohlgelüftet. Ich habe die Kinder etwas zusammengegrängt gefunden. Im oberen Stockwerk, wo sich neue Einrichtungen befinden, sind die Raum Verhältnisse etwas günstiger; dort sind die Zimmer gross und sehr hell. Der gesamte Unterrichtskursus umfasst 6 Jahre. Der erste Kursus nimmt die Kinder von 6 Jahren auf, die in der Regel noch kein Wort französisch verstehen. Sie lernen es sehr schnell nach der Berlitz-Methode und erhalten ausserdem Unterweisung in den Anfangsgründen des Lesens, Schreibens, Rechnens.

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