Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Ein Rat
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 105 - 106 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Scholem Aleichem: Eia Rat. 106 JAN VICTOORS. Auffindung des Bechers. DRESDEN. nicht. Ich bin doch eines reichen Mannes Schwiegersohn. Ueberali bin ich der erste, in der Schul' nnd bei Familienfesten, das heisst, der erste nach dem Schwiegervater. Erst kommt gewöhnlich der Vorbeter, dann der Rabbi, dann der Schwiegervater und dann komme ich — und dann erst die übrigen Menschen. Komm ich z. B. in die Bad^stube, schreit schon der Wärter: Macht Platz, macht Platz! Der Schwiegersohn vom „Reichen" kommt! . . . Ihr könnt mir's glauben: es ist mir peinlich. Ich hasse es direkt. Das heisst: eigentlich warum hassen? Schmeichelei liebt schliesslich doch jeder. Und auf Ehre verzichtet doch keiner gern. Und doch! Es ist mir schon siviel: Womit hab' ich das alles verdient? Weil mein Schwiegervater ein reicher Mann ist? Sollen sie ihm schmeicheln, sollen sie seinen Speichel lecken, bis sie platzen (verzeiht!) . . . Was gehts mich an? Ich sage Euch: Wilde Menschen, ganz wilde Menschen. Ich muss bei ihnen sitzen, wie im Gefängnis; denn mit irgend jemand zu verkehren, lassen sie nicht zu. Wie passt sich das für eines Reichen Schwiegersohn! Mit dem Schwiegervater reden kann man auch nicht, denn er ist — müsst Ihr wissen — ein einfacher Mensch, sogar ein sehr einfacher Mensch dnd — soll er mirs verzeihen — sehr ungebildet. Er hörts nicht und es soll ihm weiter nicht schaden. Und sie, die wilde Ziege, eine einzige Tochter - wie ich Euch erzählt habe — da lacht sie und da weint sie. Da kichert sie und da wiift sie sich aufs Bett und man schickt nach dem „neuen Doktoru. Und der „neue Doktor" — der Teufel soll ihn holen —: wenn ich an ihn denke, wird mir mein Leben zur Qual. Ihr dürft mir wirklich glauben, oft möchte ich ein Messer nehmen und mich erstechen oder zum Teich laufen und mich ertränken. So verhasst ist mir der „neue Doktor14. Der junge Mann wird still, versonnen und traurig. — Ja, sage ich . . ., habt Ihr sie in irgend einem . . . Verdacht? Und ich hüte mich, noch irgend ein Wort mehr zu sagen. — Um Himmeiswillen — ruft er und schnellt empor, als hätte man ihn mit heissem Wasser Übergossen, rückt mir dann aber noch näher auf den Leib. — Wie kann man von Verdacht sprechen, eine jüdisch^