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Ost und West · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 93 - 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst
Date
1909-02-01
Page
Seite 93 - 94 (sequence 3)
Language
German
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93 G. Kutna: Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst. 94 der Häuser niederkniend und Ehrfurcht bezeugend erscheinen. Darunter steht er befehlend vor den Arbeitern, die Halme schneiden und Garben binden. Dass der Statthalter des Reiches persönlich die Erntearbeit und den Getreide verkauf leitet, erscheint dem Illustrator dieser wie späterer Handschriften in naiver Denkweise ebenso natürlich wie dem aus patriarchalischen Verhältnissen heraus schildernden Erzähler der Bibel. Sogar in der Neuzeit wird diese anschauliche Form noch beibehalten, vornehmlich in der dekorativen Kleinkunst (Emailarbeiten etc.), wo ja Naivität direkt zum Stil gehört, doch auch in Tafelbildern und Reliefplastiken von miniaturartiger Behandlung. Es wird dabei mehr Eindruck von Leben und Wirklichkeit erweckt als durch die bilderbogenartige, durch Symbolik verballhornte Art, in der Abel de Pujol den Plafond der „ Salle faneraire* des Louvre ausgemalt hat. In den meisten Fällen allerdings tritt Josef als Getreideverkäufer auf, um so die Begegnung mit den Brüdern als natürliches Zusammentreffen zu veranschaulichen. Er sitzt aut dem Throne mit Krone (Hagadah Or. 2884, Brit. Mus.) oder Nimbus (Schule Cimabues, Assisi) auf dem Haupte, hält ein Szepter in der Hand (Fragment der Cottonbibel), oder steht — ebenso naiv — auf dem Felde vor den Brüdern, die gleich bettelnden Wanderburschen den Hut ziehen und das Knie vor ihm beugen (Flämische Bibeiübers. 16951, Brit. MusO Geringe malerische Kraft, aber den Reiz und die Lieblichkeit von Miniaturen S. CANTARINL Josef und die Frau Potiphar. DRESDEN. RAFAELSCHULE. VATIKAN. Josef und die Frau Potiphar. haben die Bilder von Franc. Ubertini il Bacchiacca (Nat.-Gal. in London, Villa Borghese in Rom). Demütige Landleute ziehen durch die Landschaft und bringen einem mildblickenden, frommen Jüngling in idealem Heiligen kostiim ihre Verehrung dar. Ein kleines niedliches Brüderlein ist mit ihnen, und wenn sie auch mal trübe dreinschauen und der Scherge das Messer zückt, man ist gewiss, es wird nichts Schlimmes passieren. Einer der Brüder hält nachdenklich den Becher in der Hand, die anderen blicken in spielerischer Wendung nach allen Seiten, und Benjamin lächelt bei der Bedrohung der Knechte wie ein holdseliger Putto. L. Ghiberti („Paradiesestürenu, Florenz) stellt die Architektur der Kornhalle in den Vordergrund, Jacopo da Pontormo (London) amüsiert durch den gruseligen Hunsrer Brueghelschen Bettelvolks. Ernster sieht die Sache aus bei der Auffindung des Bechers von Claes Moeyaert (Budapest). Ein Beamter im Turban gibt einem Krieger Befehl, den kleinen, weinenden Benjamin festzunehmen, als ein Diener den Becher im Sacke findet. Die Brüder sehen es mit Staunen und Angst, einer zerreisst in Verzweiflung: sein Gewand. Bei Jan Victoors (Dresden) wirkt das Erstaunen fast spasshaft, mit dem die Brüder dreinblicken, da der Türke den Becker nimmt und Benjamin zur Haft abruft. Im übrigen ist das Bild im Modell stecken geblieben und in der Farbe ohne Eeiz. Gewisse Vorzüge hat eine Preisarbeit (1839) von Hebert in der Academie des Beaux Arts in Paris. Benjamin steht nackt da und blickt wehmütig zu einem Bruder auf, der ihm sinnend die Hand auf die Schulter legt, wie traurig fragend, was das sei und werden soll. Zwei andere blicken zornig auf Benjamin, da der Aegypter überführend auf den Becher im Sacke zeigt. Ein Bruder sieht starr vor Schreck in den Sack, die anderen brüten und starreu stumm und niedergeschlagen. Die Wiedererkennung der Brüder ist nur wenig dargestellt worden. Schnorr von Carols-

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