Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 91 - 92 (sequence 2)
- Language
- German
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91 G. Kutna: Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst. 92 REMBRAXDT. Frau Potiphar verleumdet Josef* Cantarini) interessieren sich für die Bewegung und den Halbakt, die Franzosen ebenso wie A. van der Wer ff und W. van Mieris kommen über eine glatte Scheinerotik nicht hinaus. Derber sind die Radierungen von Georg Pencz und Pierre Prudhon, während Rembrandts Blatt ein krasses Beispiel von seinem „furchtbar zu nennenden Wirklichkeitssinn" gibt. Dieses hässliche, in horribler Weise entblösste Weib wirkt so abstossend aut alles sündhafte Gelüst, dass sogar den vierschrötigen Josef ein Grauen zu packen scheint. Sie ist in der Tat un vrai remede d'amour, und es erscheint angesichts dieser Gestalt eine leere Schwärmerei, wenn Alphonse Legros, der feine Stilkünstler, gesagt hat: „aneun sujet erotique n'a ete produit par la main du maitre". Erotisch mag das Sujet nicht sein, aber nur weil es in unüberbietbarer Weise zotenhaft ist; was natürlich die Grösse Rembrandts nicht um ein Atom verringert. Man braucht nur das Berliner Bild der Verleumdungsszene zu betrachten, um diese Grösse zu erleben. Ueber dieses Bild könnte man Lieder singen, das „kann nicht beschrieben, kaum mit durstigen Augen gefasst werden, — alles funkelt, glitzert, glüht und sprüht, dass die Wirkung ganz einzig in ihrer Art ist, — die Figuren sind wie Glühkörper zauberischen Scheins". Nur darf man bei dieser berauschenden Farbenschönheit Gehalt und Ausdrucksbewegung nicht übersehen und behaupten, Rembrandt habe darob die dramatische Aktion „völlig vergessen", wie dies Carl Neumann in seiner begeisterten Schilderung tut. Man fühlt vielmehr deutlich, wie dieses Weib ihre verleumderische Anklage wohlbedacht pointiert, wie der Mann ihrem empörten Hohn mit befangenem Bedauern hört, dass er ihr den Ebräerknecht ins Haus gebracht und sie dieser Beschimpfung ausgesetzt hat, während die geradezu verschwimmende Unschuldsmiene Josefs — wie seine Gegenwart überhaupt — allerdings von malerischer Anschauung heraus zu betrachten ist. Auf dem Exemplar der Eremitage, das in der Malerei dem Berliner beträchtlich nachstehen soll, ist die Bewegung des Ehepaares erregter akzentuiert, während Josef in fromm duldender Ohnmacht seitlich steht. Die Darstellungen von der Gefangensetzung Josefs (Jac. Carrucci, Franc. Granacci) und der Traumdeutung im Gefängnis (Bern. Strozzi, Franc. Migliori, Mose Valentin, Thomas Stothard) haben nur wenig, auf das besonders hinzuweisen wäre. Auch von dem Bilde Ferdinand Bols in Schwerin ist nur die dumpfe Stimmung hervorzuheben, die ähnlich wie auf den Rembrandt zugeschriebenen Zeichnungen im Britischen Museum, denen die Komposition nahesteht, in dem Kellerraam die Gestalten umfängt. Auch bei Josef vor Pharao Hesse sich eine Reihe von Bildern anführen, die nichts Bemerkenswertes bieten. Grosse Energie und Aufrichtigkeit spricht aus dem Bilde von Lucas van Leyden in Hampton Court. Der gefangene Jüngling wird mit gebundenen Händen vor den strengen, übellaunigen König geführt, Knechte halten ihn und Hofleute umstehen den Thron. Die Belebung der Szene ist recht kräftig, Pharao ist treffend charakterisiert, und auch die Raumwirkung ist trotz der würfelartig geteilten Fläche recht gut. Ein Repräsentationsstück ist das Bild von G. B. Tiepolo in Dulwich, auf dem ein reichgekieideter Türke einem bartlosen, blonden Jüngling von edelmänuischer Haltung in Gegenwart von Trompetern, Kriegern und schwarzem Gesinde einen Ring überreicht. Eine dekorative Arbeit mit Marmorglanz und Silhouetten in der Manier von Alma Tadema hat Harold Speed im Jahre 1893 fertiggestellt. Mit Josefs Triumph als Herrscher und Retter Aegyptens beginnt die Illustration des Ashburnham Pentateuchs (fol. 40a). Er fährt in einem Viergespann, von zwei Vorläufern angekündigt, der Stadt zu, deren Einwohner in den offenen Türen und Fenstern PETERSBURG.