Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 21 - 22 (sequence 3)
- Language
- German
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21 G. Kutna: Die Joseisgeschichte in der bildenden Kunst. rabbinischen Auffassung als „fiile de futiphar lepstre q'lacheta des marcheas et fille de la dame q'li osta le mantel" bezeichnet. Sehr fein ist in der schönen Hag ad ah Add. 27210 des Brit. Mus. ausgemalt, wie Josef putzig dem Vater den Traum erzählt und die Brüder verdrossen zuhören, wie er mit Stock und Bündel auf dem Wege ist und ihm, der rabbinischen Exegese gemäss, *) ein Engel die sich unterredenden Brüder zeigt. Recht gelungen sind auch die folgenden Szenen, besonders die Verführung, bei der nach dem Hinauseilen Josefs die Diener erschreckt zur Tür hereinkommen. Hervorzuheben sind noch von mittelalterlichen Illustrationen die Cathedra des S. Maximianin Ravenna, der Ashburnham Pentateuch, die Homilien des Gregor von Nazianz, Marmorreliefs im altenDom(S.Restituta) in Neapel. In der neueren Kunst findet diese vornehmlich der Miniaturkunst eigene illustrative Behandlung ihre Fortsetzung. Nicht nur BenozzoGozzoli in seinem Freskenzyklus des Camposanto von Pisa, der im Geiste der Miniaturen schaffende FR. OVERBECK. *) Ebenso in der H agadah Or. 2884 des Brit.Museums. H. VERNET. Der blutige Rock Josefs. LONDON". NATIONAL-GALLERIE BERLIND Verkauf Josefs, Niederländische Meister des Berliner Museums oder Graphiker wie Georg Pencz, sondern auch ein Stilkünstler der Hochrenaissance wie Andrea delSarto hat auf zwei Truhenbildern (Palazzo Pitti, Florenz) in kleinmalerischer Fassung einzelne Szenen simultan behandelt. Der novellistische Plauderton erinnert an die erzählerische Malweise der Quattrocentisten, und nur das satte, einheitliche Koloric verrät die entwickelte artistische Anschauung. Die vier bezüglichen Fresken der Rafaelschüler in den Loggien des Vatikans bringen die Traumerzählung, den Verkauf, die Verführerin und die Traumdeutung am Hofe Pharaos zur Darstellung. Die Komposition ■ ist — recht durchsichtig — auf Raumgliederung berechnet, die Personen gebärden sich nach Statistenart, und die Bewegung kommt über leere Gymnastik nicht hinaus; auch die Farbe wirkt, wie fast bei allen dieser mit Unrecht vielgerühmten Fresken, unorganisch und nüchtern. Zum besten gehört darin die Gestalt Josefs bei der Erzählung seiner Träume, das Bewegungsmotiv der Frau in der Verführungsszene und die Raumgestaltung in der im übrigen theatralisch gehaltenen Deutung der Träume Pharaos. Im Stile der italienischen Renaissance sind auch die Fresken gehalten, mit denen Cornelius und seine nazarenischen Freunde die Casa Barthold}r in Rom geschmückt haben. Von diesen nunmehr in der Berliner National- Galerie befindlichen Wandbildern stammen von Cornelius die Traumdeutung und die Wiedererkennung. Sie sind von einer trockenen, mühselig und unselbständig erdachten Nachdrücklichkeit und bei aller klassistischeu Pose stark philiströs. Immerhin sympathischer ist Overbeck, der sich naiver an prärafaelitische Vorbilder hält. In einer konzentrierten Hauptgruppe und anekdotisch gehaltenen Nebengruppen schildert er den Verkauf Josefs. In der Mittelgruppe erfolgt mit einer zuckersüssen Feierlichkeit die Ueber-