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Ost und West · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 727 - 728

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Jüdische Religion
Date
1908-12-01
Page
Seite 727 - 728 (sequence 5)
Language
German
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727 Jüdische Religion. 728 Für die Mothode Jacobs, alles zu „übersehen", was — um in seinem Tone zu reden — ihm „nicht in den Kram passt", führe ich noch folgende Beispiele an: Jacob sagt: „Dass der Verfasser S. 12 f. die Erzählung von Elia am Horeb völlig missversteht, insofern sie ,uns ein treues Bild von der Güte Gottes gibt, wie sie in unserer Vorstellung leben soll4, will ich ihm nicht 211 schwer anrechnen, da es fast allgemein geschieht .... (Schon Wellhausen hat hier das Richtige gesehen.)" Jacob sagt: . . . „und am Jörn kippur vermeidet Coblenz sorgfältig das fatale Wort fasten." In meiner „Einführung" S. 14 heisst es wörtlich: „Aus diesem Grunde habe ich auch die Erzählung von der Offenbarucg, die dem Elia am Horeb zuteil wurde, zur Belebung der Lehre von Gott in das Eeligionsbuch aufgenommen. An keiner anderen Erzählung der Heiligen Schrift kann den Schülern die Güte und Milde des Ewigen so anschaulich dargestellt werden, wie an dieser, wenn wir die volkstümliche Erklärung gelten lassen. Ich gebe zu, dass die von Wellhausen in der 5. Ausgabe seiner ,Tsraelitischen undjüdischen Geschichte' gegebene andereErklärung der Situation besser entspricht, aber ..." Bei der Besprechung des Jörn kippur S. Iii heisst es wörtlich: ,.Fasten ohne wahrhafte Busse ist wertlos." Ernster als diese kleinen Unvorsichtigkeiten Jacobs, die allerdings für die Art seiner Kritik charakteristisch sind, ist wieder folgendes: Er verweist auf eine Stelle meines Buches (S. 80ff.) mit der Bemerkung: „was direkt einer Kriegervereins-Festrede entnommen sein könnte." Er hütet sich aber wohlweislich, die betreffende Stelle wörtlich zu zitieren, weil sonst jeder sofort das „Eigenartige" seiner Auffassung erkannt hätte. Ich lasse hier den ganzen ersten Abschnitt der angezogenen Stelle folgen: „Um wieviel mehr aber sind wir dann verpflichtet, unser ganzes Können und Wollen lür das Gedeihen des Landes einzusetzen, das wir mit Stolz unser Vaterland nennen. Es bedarf nicht einmal eines besonderen Gebotes, das uns die Hingabe an das Vaterland zur Pflicht macht — die Stimme unseres Herzens ist das natürlichste und zwingendste Gebot, Wir lieben unser Vaterland, weil wir in ihm geboren und erzogen sind. Wir lieben die deutsche Muttersprache. Aus den Werken unserer deutschen Denker und Dichter schöpfen wir die reichste Bildung, und in der Geschichte des deutschen Volkes, in seinen Kämpfen und Siegen offenbart sich uns die lebendige Kraft, die unsere Väter im Dienste der Gesamtheit entfaltet haben. Wir hängen an unserem Vaterlande mit unserem ganzen Denken und Fühlen. Wenn Menschen so mit einem Lande verwachsen sind, dann setzen sie freudig ihr Bestes ein, um sein Gedeihen zu fördern. Ihre Arbeit bringt ihnen erhöhten Genuss, weil sie wissen, dass sie dem Vaterlande nützt. Wir lieben unser Vaterland; darum wollen wir ihm dienen". Unbegreiflich ist Jacobs Urteil über die Stelle S. 77: „Die Propheten wussten, dass ein Staat nur gedeihen kann, wenn die Gegensätze zwischen arm und reich durch das friedliche Zusammenwirken aller gemildert werden, und deshalb haben sie stets ihr bestes Können für die Hebung der unteren Völksklassen eingesetzt." Dazu bemerkt Jacob nämlich, dass dieser Satz „ganz den Jargon parteiloser oder regierungsfrommer Zeitungsblätter" rede. Aber auch vor der Leugnung des klaren Sinnes einzelner Bibelstellen schreckt Jacob nicht zurück, wenn er glaubt, mir dadurch einen Hieb versetzen zu können. S. 17 habe ich gesagt: „So findet die jüdische Lehre von dem Wesen Gottes in der biblischen Schöpfungsgeschichte ihren schönsten Ausdruck: Gott ist der Heilige. Der Mensch kann Gottes sittliche Vollkommenheit begreifen, denn er ist im Ebenbilde geschaffen. In der Einheit des Weltalls offenbart sich Gottes Weisheit und Allmacht.....Die Natur und die sittliche Welt in ihrer Gesamtheit spiegeln die vollkommene Gottheit wider." Jacob druckt nur den ersten Satz ab, obwohl dieser im Zusammenhang mit den anderen Sätzen gelesen werden muss, und fährt dann fort: „Aber in Genesis I kommt nicht ein einziges Mal das Wort heilig vor." Sehr richtig! Aber was will er damit beweisen? Etwa dass meine Erklärung falsch ist? Dann versteht er eben den Sinn der Schöpfungsgeschichte nicht, oder er schiebt ihr willkürlich einen anderen Sinn unter. Ich will ihn hier auf das Urteil eines Theologen verweisen, der als Pädagoge nicht ganz ohne Bedeutung ist: Comenius bemerkt in seiner Didactica magna zu dem Worte aus der Schöpfungsgeschichte (Gen. 1, 27): „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn": „Ebenbild Gottes sein, heisst: die Vollkommenheit seines Urbildes im wirklichen Leben darstellen, wie er selbst sagt: ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, eurer Gott!" (4. Kap. der D. M.) Damit erledigt sich auch das folgende Monitum Jacobs, das sich auf die ersten Sätze in dem Kapitel „Die zehn Gebote" S. 34 bezieht. Jacob schreibt: „Falsch ist S. 22 die Erklärung des Satzes „ich bin der Ewige." Demgegenüber behaupte ich: für den jüdischen Religionsunterricht ist die von mir gegebene Erklärung die allein mögliche — trotz des Jacobschen Hin-

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