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Ost und West · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 725 - 726

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Jüdische Religion
Date
1908-12-01
Page
Seite 725 - 726 (sequence 4)
Language
German
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725 Jüdische Religion. 726 „Die Propheten fühlten sich als Beauftragte Gottes, als Träger göttlicher Offenbarungen" hätte in belehren müssen, dass sein Schluss falsch ist. Mit der Art, in der er sich den Vorgang dieser Offenbarungen den Schülern nahezubringen suche, ist Jacob sehr unzufrieden. Er fasst meine Ausführungen dahin zusammen: „Dem Propheten wird nichts offenbart, er erlebt es innerlich, er erkennt es, er denkt es sich, sein sittliches ßewusstsein sagt es ihm." Diese Wiedergabe meiner Ausführungen jedoch ist falsch. Ich führe die entscheidenden Sätze meines Buches hier wörtlich an: ..Wie hat Gott den Propheteu seine Offenbarungen vermittelt? Eine befriedigende Antwort auf diese Frage werden wir niemals geben können. Denn es handelt sich hier um seelische Vorgänge, die selbst die Männer nicht zu schildern vermochten, die sie an sich erfahren hatten .... Der Vorgang bleibt uns ein ewiges Rätsel. Wir müssen uns damit begnügen, in den Propheten die Männer zu verehren, die uns die höchsten sittlich - religiösen Ideen als göttliche Offenbarung gespendet haben." Auch dass ich den Schülern die Propheten vor allem als die grossen Sittenprediger darstelle, tadelt Jacob. Er sagt: „Was die Propheten beschäftigte, war nicht nur der moralische Lebenswandel des einzelnen, sondern vorzüglich das Geschick ihres Volkes, sie waren religiös - sittliche Politiker.... Die Religion der Propheten setzt ein israelitisches Volkstum, einen israelitischen Staat (in Gegenwart oder Zukunft) voraus." Sehr richtig! Aber Jacob übersieht, dass ich nicht eine wissenschaftliche Abhandlung über das Wesen der Prophetie schreiben wollte, sondern dass ich in einem Religionsbuche vor allem die Bedeutung der prophetischen Lehren für das sittlich - religiöse Leben des einzelnen Menschen hervorheben musste. Dass ich trotzdem auch die Stellung der Propheten zum israelitischen Volkstum und im israelitischen Staate gewürdigt habe, hätte Jacob S. 71f. meines Buches lesen können. Ebenso hat er die Worte S. 1 nicht gelesen: ..Die Schöpfer unserer Religion als einer in sich vollendeten religiös-sittlichen Weltanschauung sind die Propheten, unter denen Mose der erste und grösste ist..... Mose wurde in doppeltem Sinne der Befreier Israels: er sprengte die ägygtischen Sklavenketten und gab der freigewordenen Nation Gesetze, die in der Erkenntnis Gottes als der höchsten sittlichen Vollkommenheit wurzeln..... Das Werk Moses haben die späteren Propheten fortgesetzt..... Diese Männer haben im Geiste ihres grossen Vorgängers Gott als das vollkommenste Wesen erkannt....." Man sollte meinen, dass dieser klare Wortlaut über die Bedeutung Moses keinen Zweifel aufkommen lässt, zumal in meinem Buche 53 Stellen aus dem Pentateuch wörtlich zitiert sind. Das hindert aber Jacob nicht, es so darzustellen, als hätte ich den Ausdruck „prophetische Religion*' hauptsächlich mit Rücksicht auf die nachmosaischen Propheten gewählt, deren „konstitutive Bedeutung" ungeheuer übertrieben werde. Von seiner Sucht, das Buch um jeden Preis zu tadeln, lässt sich Jacob zu den wunderlichsten Entstellungen hinreissen. Er ist offenbar der Meinung, dass man nur mutig etwas zu behaupten braucht, um Gläubige zu finden. Jacob sagt im Anschluss an ein Zitat aus meinem Buche: „Danach muss man sich fragen, ob es nach Coblenz überhaupt noch einen wirklichen Gott gibt. Zu tun hat er jedenfalls bei ihm gar nichts." Demgegenüber verweise ich einfach auf meine Ausführungen S. 10 ff. des Buches, die von Gottes Güte und Gerechtigkeit handeln, ferner auf die Stellen aus dem Kapitel „Menschenschicksal und Gottvertrauen" S. 60 ff., auf die Behandlung der Unsterblichkeitslehre S. 64 fl. usw. Sie werden den Beweis erbringen, dass Jacob auch hier wieder einmal ganze Abschnitte des Buches nicht beachtet hat. Jacob zitiert aus dem Kapitel „Menschenschicksal und Gottvertrauen" den Satz: „Sittengesetz undNaturgesetz, Versündigung und Schicksalsschläge haben nichts miteinander zu tun" und bemerkt dazu: „Alle Propheten, alle Lehrer des Judentums aller Jahrhunderte würden sich wie ein Mann gegen diesen Satz erheben." Das ist natürlich nicht [richtig, denn ich habe den Gedanken nicht etwa frei erfunden, sondern S. 55 ff. aus dem Buche Hiob entwickelt, dessen Verfasser doch wohl auch „ein Lehrer des Judentums" gewesen ist. Aber ich habe auch keinen Zweifel darüber gelassen, dass ich mir wohl bewusst bin, damit in Gegensatz zu einer prophetischen Anschauung zu treten. S. 17 ff. der „Einführung" spreche ich mich klar darüber aus. Leider hat Jacob auch diese Stelle übersehen, die die Entwicklung der religiösen Ideen und die Notwendigkeit ihrer Berücksichtigung dartut. Es ist nur eine Konsequenz der Anerkennung dieser Entwicklung, wenn ich in dem Buche beim Zitieren biblischer Stellen alles weglasse, was für die biblische Zeit von Bedeutung war, heute aber für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend wertlos geworden ist. Die Schulbibeln von Tachau und Auerbach sind nach demselben Grundsatze bearbeitet, und jeder Unbefangene wird das billigen. Anders Jacob! Jacob aber macht mir zum Vorwurf, dass ich „nach Belieben weglasse", Avas mir „nicht in dem Kram passt." Er belegt diesen allgemeinen Vorwurf durch ein besonderes Beispiel: „Und warum lässt er dann das Gebot über Schaatnes weg, desgleichen über die Frucht in den ersten Jahren, wenn er die biblische Keligion darstellen will?". Es ist schwer, bei einem solchen Einwände, den er ebenso gegen die Auerbachsche Schulbibel erheben müsste, ernst zu bleiben.

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