Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Jüdische Religion
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 723 - 724 (sequence 3)
- Language
- German
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723 Jüdische .Religion. 724 radezu komisch wirken. S. 78 soll Jithro dem Mose den Rat gegeben haben, eine geordnete Verwaltung einzuführen, und wenige Sätze weiter ist daraus sogar schon eine geordnete Verfassung und Verwaltung geworden/4 Jacob sagt: „Lev. c. 19 enthält nach dem Verfasser S. 20ff. die aus der Erkenntnis des heiligen Gottes fliessenden Pflichten gegen die Gesamtheit; eine gedankenlose Redensart. Nicht eine einzige Pflicht gegen die „Gesamtheit" ist darin genannt, er kann ohne solche Gesetze nicht bestehen. Schon die Israeliten in der Wüste hatten ihrer bedurft; auf Jethros Rat wurden sie eingeführt." Hier folgt die Stelle 2. B. M. 18, 20-24. Dann heisst es wörtlich weiter: Das sind die ersten Bestimmungen der Bibel, die für das Staatswesen eine geordnete Verfassung und Verwaltung schaffen. Sie waren aus der Erkenntnis herausgewachsen, dass ohne solche Anordnungen keine G emeinschalt bestehen kann. Galt das schon für die einfachen Verhältnisse in der Wüste, um wieviel mehr gilt es dann für die ungleich mannigfaltigeren und schwierigeren Verhältnisse der Völker und Länder unserer Zeit/4 Die Stelle lautet im Zusammenhang! „ . . . Wir heiligen uns durch das Gute, das wir inunsereLebensarbeit für die anderen hineinlegen. Das ist die biblische Auffassung von der Bestimmung des Menschen. Denn im unmittelbaren Anschluss an die Formeint natürlich gegen den anderen.41 Jacob sagt: „ . . .. Jedoch im folgenden will Coblenz uns belehren, was für Männer die Propheten waren, und dass ihre Religion die unsrige sein müsse. Dabei zeigt er zunächst eine völlige Unwissenheit über das Wesen der Propheten, deren Schriften er nicht einmal vollständig zu kennen scheint. Die Propheten seien keine Vorhersager zukünft iger Ereignisse gewesen. Schon das ist gröblich falsch. Zahllos sind die Aussprüche, in denen sie Künftiges vorhersagen." derung: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott" lehrt uns die Bibel die Pflichten, die wir gegenüber unserenMitmenschen zu erfüllen haben. Die Heiligung des Menschen besteht in dem Dienste, den er für die Gesamtheit leistet." Man vergleiche damit folgende Stelle: „Mögen immerhin die Propheten der älteren Zeit in dem Rufe gestanden Laben, die Gabe des Sehers zu besitzen, die wirkliche Bedeutung der Propheten liegt auf einem ganz anderen Gebiete.'4 Die Gegenüberstellung erweist, dass Jacob auch hier die Stellen auslässt, auf die es ankommt. Er will den Eindruck erwecken, als hätte ich gesagt, Jethro habe Mose den Rat gegeben, eine geordnete Verwaltung und Verfassung, etwa nach Art der modernen Staatsverfassung, einzuführen. Das wäre natürlich Unsinn, der „geradzu komisch wirkt". In der Darstellung des Buches aber betone ich ausdrücklich, dass es sich in der Wüste um „die einfachste Gemeinschaft" gehandelt habe, die trotz ihrer einfachen Verhältnisse schon bestimmter Verwaltungsgesetze bedurfte, die ich nach dem Wortlaut der Bibel zitiere. Und dann schliesse ich: Um wieviel mehr sind „für die ungleich mannigfaltigeren und schwierigeren Verhältnisse der Völker und Länder unserer Zeit" geordnete Verfassung und Verwaltung notwendig. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich, dass Jacob wiederum den entscheidenden Satz auslässt. Ich habe nicht, wie er behauptet, gesagt, „die Propheten seien keine Vorhersager künftiger Ereignisse gewesen," — davon steht kein Wort in meinem Buche, — sondern ich habe nur ausgeführt, dass „ihre wirkliche Bedeutung auf einem ganz anderen Gebiete liegt." Und das mus doch wohl auch in einem Schulbuche, das der religiös-sittlichen Erziehung der Jugend dient, besonders betont werden. Jacob zitiert aus dem ersten Kapitel meines Buches einzelne Sätze, aus denen er dann den Schluss zieht: „Nach Coblenz wäre jeder Prediger, gegen dessen Lebenswandel nichts einzuwenden ist, ein Prophet des Ewigen." Aber dieser Schluss kommt auch nur dadurch zustande, dass Jacob alle anderen Sätze des Kapitels einfach ausschaltet, obwohl sie zum Verständnis des Ganzen unbedingt notwendig sind. Schon die Stelle S. 5: Auch hier unterdrückt Jacob die entscheidenden Sätze, aus denen sich natürlich ohne weiteres ergibt, dass das nur einmal gebrauchte Wort „Gesamtheit" an dieser Stelle gar nicht misszuverstehen ist. Es kann hier nur als zusammenfassender Ausdruck für die unmittelbar vorangegangenen Worte die „anderen" und die „Mitmenschen" gebraucht sein.