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Ost und West · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 721 - 722

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Jüdische Religion
Date
1908-12-01
Page
Seite 721 - 722 (sequence 2)
Language
German
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721 Jüdische Religion. 722 infolgedessen zahlreiche Behauptungen auf, die in allen Teilen falsch sind. Gleich im Anfang seiner Kritik meint Jacob: Coblenz hat „weder vom Theologen noch vom Pädagogen eine Ader und gar keinen Begriff davon, wie man zur Jugend sprechen muss, was man zur Genüge erkennen wird, wenn man sich bei den folgenden Proben stets gegenwärtig hält, dass das Buch nach der Vorrede für die Oberklassen der Volks- und Religionsschulen und für die Unter-(?) und Mittelklassen der höheren Lehranstalten (also auch für Sextaner oder doch mindestens für Quartaner) bestimmt ist." Schon der Zusatz Jacobs: „oder doch mindesten für Quartaner" beweist, dass er richtig verstanden hat: von den Unterklassen kommt nur Quarta in Betracht. In der „Einführung" S. 3 bemerke ich aber noch ausdrücklich: „Das Buch soll in Quarta, Unter- und Obertertia der Gymnasien und den entsprechenden Klassen der höheren Töchterschulen gebraucht werden. Wo wegen der geringen Schülerzahl vier oder mehr Klassen der Gymnasien im jüdischen Religionsunterricht zu einer Abteilung kombiniert werden müssen, kann das Buch auch bis zur Untersekunda einschliesslich im Gebrauch bleiben." Daraus ergibt sich also, dass das Buch für Knaben vom 11. bis zum 14. bezw. 15. Jahre bestimmt ist. Nun wird sich jeder objektive Kritiker sagen, dass der Lehrer die schwersten Abschnitte des Buches in Untertertia und natürlich erst recht in Quarta ausschaltet und nach dem pädagogischen Grundsatz „vom Leichten zum Schweren4'* erst in Obertertia bezw. Untersekunda behandelt. Anders Jacob! S. 198 ist er zwar noch so gnädig, zu konzedieren, dass das Buch erst in Qnarta gebraucht wird; S. 499ff. und503 aber druckt er die schwersten Sätze aus dem Buche ab und bemerkt: „Man denke sich diese Sätze einem Sextaner vorgetragen." „Nun wissen es die Sextaner ganz genau.u Auch was er über die Anschaulichkeit im Unterricht sagt, ist natürlich auf Sextaner berechnet: „Wie mächtig muss es z. B. auf ein Kindergemüt wirken, wenn Gott dem Kain zuruft: Warum verdriesst es dich und ist dein Haupt gesenkt? Wenn du gut bist, kannst du dein Antlitz erheben usw." Sehr richtig! Auf Sextaner wirkt das, auf Obertertianer nicht. Die werden der Erzählung ein ungleich höheres Interesse entgegenbringen, wenn man ihnen sagt: „Als Kain sich mit dem Gedanken trug, seinen Bruder Abel zu ermorden, da vernahm er in seinem Innern die mahnende Gottesstimme: Die Sünde lauert vor der Tür usw." Ich erlaube mir sogar, die Ansicht zu äussern, dass der Begriff des Gewissens gerade in dieser Darstellung Obertertianern am besten nahegebracht werden kann. Schon aus dem bis jetzt Gesagten ergibt sich, dass Jacob sich manche eigentümliche „Freiheiten" gestattet. Er reisst Sätze aus dem Zusammenhang, um sie als sinnlos hinstellen zu können, und verfährt dabei mit einer Skrupellosigkeit, die bei einem Jugenderzieher doppelt peinlich berührt. Ich iühre als Belege nur einige Beispiele an: Jacob sagt: Die Stelle lautet im „Unbegreiflich ist es, Zusammenhang: wie Coblenz S. 36 schrei- „Die Bezeichnung ben kann, die 10 Gebote ,Zehn Gebote4 entspricht schreiben nur vor, was eigentlich nicht dem wir zu unterlassen ha- Wesen der 10 Ausben. Und das vierte Sprüche, denn die meisten und fünfte?" von ihnen sind nicht Gebote, sondern Verbote. Sie gebieten nicht, was wir tun sollen, sondern sie schreiben nur vor, was wir zu unterlassen haben . . . Und doch ist gerade die verneinende Fassung des grössten Teiles der zehn Aussprüche ein Vorzug usw." Aus vorstehender Gegenüberstellung ergibt sich, dass Jacob die entscheidenden Worte („die meisten von ihnen" und „des grössten Teiles*4) absichtlich fortgelassen hat. Jacob sagt: „Seite 6 beschreibt Coblenz, wie sich Jeremia ganz und gar als Prophet wusste, und fähit fort: Schwere innere Kämpfe sind die uns ausbleiblichen Folgen, s. Jer. 20, 9. — Unsinn! Nicht die Folge seines prophetischen Bewusstseins, sondern der Anfeindungen von aussen." Die Stelle lautet im Zusammenhang: „Und Jeremia weiss sich so ganz eins mit seinem Gotte, dass sich alle anderen Gedanken und Gefühle, die in ihm leben, diesem prophetischen Bewusstsein unterordnen müssen. Schwere innere Kämpfe sind die unausbleibliche Folge. Der Prophet selbst schildert sie in den Worten Jer. 20, 9." Die wörtliche Anführung aus meinem Buche ergibt, dass ich nicht gesagt habe: „Schwere innere Kämpfe sind die Folge seines prophesischen Bewusstseins", wie Jacob behauptet. Ich habe vielmehr gesagt: Jeremia macht schwere innere Kämpfe durch, weil sein prophetisches Bewusstsein mit widerstreitenden Stimmungen und Geiühlen kollidiert und diese niederzwingt. (Gemeint sind nach Kap. 20 natürlich der Schmerz über die Verfolgungen, denen er wegen seines Auftretens ausgesetzt ist, und die Verzweiflung über seine Misserfolge.) Jacob hat auch hier den ihm unbequemen begründenden Satz einfach „übersehen". Jacob sagt: Die Stelle lautet im „Coblenz' Vorliebe für Zusammenhang: die Phrase reisst ihn oft „ . . . Selbst die einzu Sätzen hin, die gefachste Gemeinschaft

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