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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 699 - 700

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die jüdische Bevölkerung und die Alliance-Schulen in Kairo
Date
1908-11-01
Page
Seite 699 - 700 (sequence 4)
Language
German
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699 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die jüdische Bevölkerung und die Alliance-Schulen in Kairo. 700 Kraft zu, Wunder zu vollbringen. Auch ist das Schriftstück Gegenstand grosser Verehrung; zahlreiche Pilger kommen jedes Jahr aus allen vier Enden Ägyptens, um ihre ehrfurchtsvollen Huldigungen darzubringen. Es ist hier übrigens Brauch, dass jede Synagoge, klein oder gross, der öffentlichen Verehrung einen mehr oder weniger vollständigen Abschnitt aus dem Pentateuch oder aus der Bibel darbietet, das Werk eines geheimnisvollen Heiligen. In einem kleinen Schrank, nahe dem Tabernakel, das die heiligen Gesetzesrollen enthält, sorgfältig aufgehoben, wird es der Verehrung der Gläubigen nur an den religiösen Festen vorgezeigt. Vor dem historisch ehrwürdigen Schriftstück brennt ein zitterndes Flämmchen Tag und Nacht. Der ägyptische Israelit hat, wie man sieht, eine hohe Pietät für historische Erinnerungen und fromme Sagen, die ihm von Jugend auf vertraut sind. Unglücklicherweise muss auch eine Entartung dieses Gefühls bei ihm konstatiert werden. Unsere Glaubensgenossen sind in allen Berufszweigen vertreten. Sie haben reichlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen. Der Credit Foncier Egyptien, die Societe Fonciere, die Eisenbahn von Helonar und eine weitere Anzahl Finanz- und Landwirtschaftsgesellschaften danken ihre Entstehung dem Geist und dem Kapital der Juden. Der Handel in Baumwollstoffen aus Manchester ist beinahe ganz und gar in den Händen der syrischen Israeliten, besonders derer von Aleppo. Man wird die Bedeutung dieses Handelszweiges schätzen können, wenn man erfährt, dass er allein den dritten Teil des Wertes aller in Ägypten importierten Erzeugnisse darstellt. Das jüdische Element ist stark und mit Auszeichnung in der Advokatenschaft Ägyptens vertreten, ebenso in der medizinischen Körperschaft und unter den Apothekern. Die Fakultäten von Beiruth und Konstantinopel entlassen jedes Jahr nach Kairo ein bedeutendes Kontingent von jungen Ärzten und Apothekern, die oft ihren Weg machen. Ehemals war das Geschäft eines Geldwechslers sehr einträglich und wurde von vielen unserer Glaubensgenossen betrieben. Seit der Unifizierung des Geldes ist es beinahe verschwunden. Dagegen ist der Wucher in allen seinen Formen in trauriger Blüte. Das Handwerk ist noch sehr selten, und das ist der dunkle Punkt im wirtschaftlichen Leben der Gemeinde von Kairo. Die Juden sind weder Ackerbauer noch Maurer, d. h. unter dem Druck besonderer Verhältnisse sind sie der Ausübung dieser beiden Handwerke fremd geblieben, die in Ägypten eine gewissermassen unbegrenzte Anzahl Hände beschäftigen können. Es ist kein Mangel an Schneidern, aber sie sind alle Fremde, ebenso wie die wenigen Tischler und Schmiede. Der ägyptische Jude, von einigen glücklichen Ausnahmen abgesehen, hat keine ausgesprochene Neigung für das Handwerk. Im ganzen kann man sagen, dass unter den Juden von Kairo keine Arbeiterklasse besteht, und ihr Nichtvorhandensein erklärt die beträchtliche Zahl von Müssiggängern und Armen. Man glaubt gewöhnlich, dass die Israeliten von Kairo alle wohlhabend sind, und dass sie sich infolgedessen jedes äusseren Wettbewerbes für ihre moralische und materielle Hebung enthalten können. Das ist ein Irrtum, dem man entgegentreten muss. Ungeheure Vermögen sind unter der Herrschaft der letzten Vizekönige gesammelt worden, besonders unter Ismail Pascha, aber die Masse ist arm geblieben. Das Elend ist hier gross und verschlimmert sich von Tag zu Tage durch den Mangel an Arbeit und durch den Zufluss neuer Armen. Ungeachtet ihrer Bedeutung hat die Gemeinde von Kairo keine geregelte Organisation. In dieser Hinsicht kann sie nicht den Vergleich mit der von Alexandrien aushalten, die ein Muster von Ordnung, Vorsorge und sozialem Gemeinsinn ist. Sie dankt ihr jetziges Gedeihen zum grossen Teil dem persönlichen Eingreifen und der Freigebigkeit der Familien Menasse und Aghion, deren Namen geradezu populär sind. Das Hospital und die Schulen Menasse sind grossartige Schöpfungen, die in keiner Beziehung zu wünschen übrig lassen. — In Kairo leitet seit langen Jahren Cattani Bey die Gemeinde. Er befasst sich trotz seiner Geschäfte, die ihm wenig freie Zeit lassen, Die Alliance-Schulen in Kairo. Elementar- und Vorschule für'Mädchen. (Juli 1908.)

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