Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung und die Alliance-Schulen in Kairo
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 697 - 698 (sequence 3)
- Language
- German
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697 Mitteilungen der Allhmce lsraclite Universelle: Die jüdische Bevölkerung.und die Alliance-Schulen in Kairo. 698 Die Alliance-Schulen in Kairo. Mittelklasse der Elementar-Mädchenschule in Abbassieh - Kairo (Juli 1908.) über das Wunder, und seit diesem Tage fürchtete es die geheime Macht des neuen Wundertäters. Von diesem Tage an fügte Rabbi Haim, der sich durch ein Ubermass von Bescheidenheit nicht auszeichnete, seiner Namenschiffer die hebräischen Worte ,,Adonai nissi" — Gott ist meine Fahne — hinzu. Diese Episode wird von Augenzeugen bestätigt, denen man Gutgläubigkeit nicht absprechen kann, u. a. durch Rabbi Simra, von dem bereits die Rede war. Aber die Tatsache hat für den Skeptiker nichts Wunderbares. Die Synagoge von Esra Hassofer im alten Kairo, der ersten Stadt der arabischen Eroberung, hält den Rekord des Alters. Sie wurde, wie man sagt, von Esra Hassofer erbaut. Danach würde sie das bemerkenswerte Alter von 24 Jahrhunderten aufweisen. Sie wird von den Israeliten sehr gewürdigt, die sie am ersten eines jeden Monats besuchen. Aber der 1. Ijar ist ein ganz besonderer Festtag. Er ist dem Gedächtnis des berühmten Schriftgelehrten gewidmet. Die Zahl der Besucher ist an diesem Tage übergross. Männer, Frauen und Kinder aus Kairo und den benachbarten Ortschaften strömen herzu, um Öllampen anzuzünden, Gaben zu bieten und Gelübde auszusprechen. Die Synagoge ist kürzlich auf der alten Stelle und nach dem ursprünglichen Plan neu aufgebaut worden. Man verwendete dabei das alte Material, besonders die 12 Marmorsäulen, auf denen sie ruhte. Man bewahrt pietätvoll einen erhöhten Schrein, auf dem ein ganz und gar von der Hand Esras geschriebenes Exemplar der Thora niedergelegt war. Diese Thora verschwand nachmals in den Fluten, unweit Alexandriens, mitsamt dem abendländischen Juden, der sie von dem wenig gewissenhaften Aufseher gekauft'hatte. Die Höhle des Propheten Elia, so genannt, weil er sich hier in fernen Jahrhunderten einigen Auserwählten gezeigt hatte, ist kein geringes Anziehungsmittel der alten Synagoge. Eine Lampe brennt dort unaufhörlich, um an die Heiligkeit des Ortes zu erinnern. —Endlich umschliesst die Synagoge noch einen kleinen Raum, wo nach der Überlieferung der Prophet Jeremias, die Verkörperung des jüdischen Patriotismus, seine berühmten Klagelieder über die Zerstörung Jerusalems sang. Wer hier einzudringen wagte, der müsste gewärtig sein, noch im nämlichen Jahr zu sterben. Den Frauen aber, die schwer gebären, ist der Zutritt gestattet. Sie finden hier augenblicklich Erleichterung! Kairo ist weit davon entfernt, das ausschliessliche Monopol der wunderbaren Legenden zu besitzen und die Spuren einer ruhmreichen Vergangenheit aufzuweisen. Auch Alexandrien ist stolz auf eine Synagoge, die den den Juden teuren Namen des- Propheten Eli trägt, weil sie von ihm besucht worden ist. Man sagt, dass sie aus der Zeit Philos stamme, des berühmten hellenischen Juden des ersten Jahrhunderts der modernen Zeitrechnung. Man hat angefangen, sie von neuem aufzubauen und daraus ein der grossen Gemeinde der Stadt würdiges Gebäude zu schaffen. In M a h a 11 a , einer unfreundlichen und hauptsächlich muselmanischen Stadt, besitzen die Juden, die hier nur durch eine beschränkte Anzahl von Familien vertreten sind, eine nicht weniger alte Synagoge, die ihre Berühmtheit einem Bibelschriftstück verdankt, das man sorgfältig bewahrt, vor dem Tag und Nacht eine Lampe brennt. Die Phantasie des Volkes spricht ihm die