Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Die Berliner jüdische Lesehalle in ihrem neuen Heim
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 687 - 688 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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687 Josef Lin: Die Berliner jüdische Lesehalle in ihrem neuen Heim. 688 Buche r^Ausleihe^Stelle der Bibliothek. 2 schöne geräumige Lesesäle für das Publikum,, dem das neue Lokal in jeder Hinsicht zu behagen scheint. Denn seihst in der heissesten Sommerzeit und heim schönsten Wetter sind beide Leseräume von Besuchern häufig überfüllt. Das Lesepublikum setzt sich, aus den verschiedensten Berufen und Ständen zusammen: Schriftsteller, Gelehrte, Akademiker, Schüler, Kautieute, Handwerker, Arbeiter etc. sind darin vertreten. Dementsprechend sind auch die ausliegenden 80 jüdischen Zeitungen und Zeitschriften mannigfachster Art und in unparteiischer Auswahl den verschiedensten geistigen Interessen gewidmet. Da sind populäre und wissenschaftliche Organe, die Jargonblätter und die hebräischen periodischen Erscheinungen aus Russland, Galizien, England, Amerika und Palästina, die gesamte jüdische Presse aus Deutschland, Oesterreich, Frankreich, England, der Schweiz und Amerika, russische, polnische, rumänische und ungarische jüdische Organe. Etwa 50 % aller Blätter sind in deutscher Sprache. Yon den übrigen Zeitungen sind die meisten in jargonischer, hebräischer und englischer Sprache. All diese Blätter stehen zur freien Verfügung des Publikums. Ausserdem befindet sich im Leseraum eine reichhaltige Handbibliothek, die von den Besuchern ebenfalls viel benutzt wird. Die an leicht zu erfüllende Bedingungen geknüpfte Entleihung von Büchern aus der Bibliothek (jedes Mitglied des Vereins „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" und jedes wahlfähige Mirglied der Berliner jüdischen Gemeinde hat das Recht zur BücherentJeihung- und zur Bürgschaftsleistung für Andere) wird von Hunderten von Personen in Anspruch genommen und erstreckt sich im Laufe des Jahres auf beinahe 50% des gesamten Bücherbestandes. Am meisten werden Werke aus den Abteilungen Belletristik, Geschichte und Hebraica entliehen. Bei dieser Gelegenheit sei in Kürze ein Anstoss dazu gegeben, dass sämtliche jüdische Lesehallen und Bibliotheken im Reiche mit einander in engere Verbindung und Berührung zwecks gegenseitiger Anregungen treten und sich eventl. zu einem Verbände — nach Muster des Verbandes der jüdischen Geschichts¬ und Literatur vereine — zusammenschliessen möchten. Die Herausgabe einer gemeinsamen Publikation für das jüdische Bibliothekswesen, die sicherlich von grossem Nutzen wäre, würde auch dadurch ermöglicht werden. Es ist sehr zu wünschen, dass das jüdische Publikum den jüdischen Bibliotheken und Lesehallen, diesen Sammelstätten jüdischen Schaffens und jüdischen Wissens, noch mehr als bisher Interesse und Förderung