Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Die Berliner jüdische Lesehalle in ihrem neuen Heim
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 689 - 690 (sequence 4)
- Language
- German
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689 Josef Lin: Die Berliner jüdische Lesehalle in ihrem neuen Heim. 690 zuwende. Auch die Berliner „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" bedarf einer weitergehenden Förderung. Ist auch die Leitung, an deren Spitze der unermüdliche Förderer sozialer und kultureller jüdischer Bestrebungen, Dr. Max Ginsberg, steht, mit voller Hingebung für die Erhaltung und Ausgestaltung dieses Institutes tätig, so kann doch eine hinreichende Befriedigung der an die Jüdische Lesehalle und Bibliothek gestellten stetig wachsenden Ansprüche nur dann erfolgen, wenn die weiteren Kreise des jüdischen Publikums dieser so segensreich wirkenden Institution ihren Beistand leibeü. Simsoi (Buch der Richter, Kap. 16, 4—30,) Im Tale Schorek lebte eine Frau; Delila hiess sie. Simson liebte sie. Zu dieser kamen der Philister Fürsten und sprachen also: „Gib ihm Schmeichelwort, entlock ihm das Geheimnis seiner Kraft, damit uns möglich wird, ihm obzusiegen, dass wir ihn binden und ihn bändgen können. Tu das, und unser jeder bietet dir Elfhundert Silberlinge als Belohnung." Delila sprach zu Simson: „Sage, Freund, worauf beruht nur deine Riesenkraft? Wie könnte man dich binden und dich bändgen?" — „„Nimm sieben frische Seile, ungetrocknet, und binde mich, so ist die Kraft dahin; dann bin ich mehr nicht als ein andrer Mann."" Delila holte die Philisterfürsten, versteckte sie in heimlichem Gemach. Mit sieben frischen Seilen, ungetrocknet timstrickt sie Simson, schreit dem Schläfer zu: „Philister über dich!" Simson erwachte, zerriss die Seile, wie man Fäden reisst, die von der Flamme angefressen sind. Und Simsons Kraft blieb weiter ein Geheimnis. „Du spottest meiner, Simson", sprach Delila,' „du sagst mir Lügen; lass mich Wahrheit hören: Nenn mir die Fessel, die dir unzerreisbar!" „„Nimm neue Seile, die noch nie gebraucht, und binde mich, so ist die Kraft dahin; dann bin ich mehr nicht als ein andrer Mann."" Delila holte die Philisterfürsten, versteckte sie in heimlichem Gemach. Mit neuen Seilen, die noch nie gebraucht, Umstrickt sie Simson, schreit dem Schläfer zu: „Philister über dich!" Simson erwachte, Zerriss die eile wie ein Spinnennetz. „Du spottest meiner, Simson," sprach Delila, „hast wieder Lügen mir gesagt. Gib Wahrheit: Was kann dich binden über deine Stärke?" „„Schling sieben Flechten meines Haargelocks um einen Pflock am Weberbaum. Das ists."" Delila tats und schrie dem Schläfer zu:] „Philister über dich!" Simson erwachte und riss so Pflock wie Weberbaum heraus. Delila jetzt: „Wie magst du mir nur sagen, Du liebtest mich, da doch dein Herz mir fremd! Schon dreimal hast du mir gelogen, den Urquell deiner Kraft mir nicht vertraut." — Und Tag für Tag bedrängt sie ihn mit Fragen, bis seine Seele morsch und todesmüde. Da löste er die Siegel seines Herzens und sagte ihr: „„Ich bin ein Nasiräer vom Mutterleib. Nie kam ein scheerend Messer mir auf das Haupt Scheerst du das Haar mir ab. ist meine Kraft dahin und ganz vernichtet, dann bin ich mehr nicht als ein andrer Mann."" IS I OUr Nachdruck verboten. — Uebersetzt von M. A. Klausner. Delila merkte, dass er wahr geredet, dass er sein ganzes Herz ihr aufgedeckt. Sie schickte hin zu der Philister Fürsten: Sie habe Simsons Heimlichkeit erfahren. Man glaubte ihr; es kamen die Philister und brachten ihr den vorverheissntn Lohn. Delila schläferte den Simson ein; . der lag auf ihrem Schoss. Sie hess ihm sacht von seinem Haupte sieben Flechten schneiden. — Da war der Held bezwungen, seine Kraft mit seiner Locken Fülle abgefallen. Delila rief. „Philister über dich!" Simson erwachte. „„Wie die vorgen Male,"" so dachte er im Herzen, „„wird mirs glücken, mich ihren Händen zu entziehn."" — Ihm war verborgen, dass ihn Gott verlassen hatte. Philister griffen Simson, führten ihn geblendet fort nach Gasa, legten ihn in Eisenfesseln, Hessen im Gefängnis ihn Mühlen drehen. — Langsam kehrte ihm das Haar zurück, wie es zuvor gewesen. Zum Opferdienst für ihren Götzen Dagon, der Simson ihren Händen überliefert, vereinten froh sich die Philisterfürsten mit ihrem Volk, das freudetrunken schrie: „Durch Dagons Fügung ist der Landverwüster, der arge Feind, in unsre Macht gefallen, der unser viele tausend hat erschlagen! Lasst Simson kommen, dass wir seiner spotten!" Man holte Simson vom Gefängnis her und stellt ihn an des Götzentempels Pfeiler. Dem Knaben, der ihn führte, sagte Simson: „Lass so mich stehn, dass ich die Pfeiler taste, auf denen diese Tempelhalle ruht, dass ich an sie mich lehne." — So geschahs. Das Haus war voll von Männern und von Fraun, Gekommen waren die Philisterfürsten, und auf dem Dache drängten sich dreitausend, die Kurzweil trieben mit dem blinden Feinde. Zum Ewgen sendet Simson dies Gebet: „Herr, Herr, gedenke mein! Verleih mir Kraft dies eine Mal! Nur einen Rachestreich gewähr mir, Herr, für meine beiden Augen!" So betet Simson, greift die Mittelpfeiler, die alle Last des Götzentempels trugen, den einen mit der Rechten, links den andern, und drückte sie mit aller Kraft zusammen, so dass sie berstend brachen. Simson rief mit hellem Ton: „Mag meine Seele sterben und sterbend das Philistervolk verderben!" — Mehr waren, die mit Simsons Tode starben, Als lebend Simsons Heldenkraft erlegt.