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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 669 - 670

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Synagogenruinen Galiläas
Date
1908-11-01
Page
Seite 669 - 670 (sequence 4)
Language
German
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669 0. Eberhard: Die Synagogenruinen Galiläas. 670 wand ist zu Teil Hum ebensowenig wie in den andern Stätten gefanden; die Versammelten wandten sich beim Gebet offenbar rückwärts der Tür zu, gen Jerusalem. Diese Südfront ist in Teil Hum gleich den andern Umfassungsmauern nicht besonders gut erhalten, doch ist die Durchbrechung derselben durch drei Portale deutlich wahrnehmbar. Oestlich von dieser Front liegt ein mit Platten ausgelegter Hof, auf den eine Seitentür in der Ostmauer führt. Der Front und diesem seitlichen Hofe ist eiue 2 m hohe und fast 3^2 m breite Terrasse vorgelagert, zu der von Osten und Westen Treppenstufen hinaufführen, im Westen vier, im Osten vierzehn. Das Gelände fällt nämlich von Westen nach Osten, dem See zu, ab, und der Osthof, wie der östliche Teil der Terrasse, weisen eine wohlgefügte Quaderlage als Unterbau auf. An die östliche Treppe scbliesst sich noch eine Basaltpflasterung an; sie führt zu dem See hinab, der heute ca. 80 m von der Synagoge entfernt liegt. Was nun die Ornamentik der Anlage betrifft, so ist die Portalmauer leider über die Terrasse hinweg bis 10 Meter weit vornüber in die Tiefe gestürzt. Hier fand man noch die Mehrzahl der für den Frontaufbau wichtigen Architekturstücke. Noch auf der Terrasse lagen die drei Türstürze, von denen die bildlichen Darstellungen allerdings mutwillig abgeschlagen sind. Diese absichtliche Verstümmelung findet sich auch sonst, an den Wandfriesen und der Giebelverzierung zu Teil Hum wie an dem figürlichen Schmuck des Mittelportals der Synagoge von Kefr birim. Sie geht offenbar auf die Bilderfeindschaft fanatischer Moslemen zurück. Soweit sich nach den Umrissen noch urteilen lässt, war das Hauptportal mit einem Adler und girlandentragenden Eroten geschmückt, während über den Seitenportalen vier- und zweibeinige Tiere unter Palmen wandeln. Weiter hat zu dem Aufbau ein Fenster gehört, das nach aussen und innen von einem Giebel mit Konchen überdeckt war und durch Gitterstäbe geschlossen wurde. Den obersten Abschluss der Front bildete ein grosser Giebel mit horizontalem reichgeschmücktem Gebälk, das nach syrisch-römischer Bauweise durch einen Bogen unterbrochen ist. Aus Akanthusblättern scheinen Lämmer oder andere Tiere hervorznspringen. Wie nach aussen, so war die Portalwand auch im Innern reich dekoriert. Dahin gehört von den Fundstücken eine Aedikula mit gedrehten korinthischen Säulen und einem Giebel, in dem mehrere Konchen angeordnet sind; über diese Muscheldekoration läuft in Bogen ein Tierfries hinweg. Die weitere Innenarchitektur ist zum Teil von vortrefflicher Arbeit und hat wahrscheinlich den Wänden der Emporen angehört. Darunter sind Halbsäulen mit attischer Basis und korinthischem Kapital, sowie reich ornamentierte Wandfriese. Diese Friese sind in Kreisfelder eingeteilt, die von Akanthuslaub umrahmt werden, und zeigen mannigfachen Schmuck von Blättern, Blüten, Eosetten, Sternen, Pentagrammen und Hexagrammen, Trauben und Granatäpfeln. Andere Bruchstücke des Wandfrieses enthalten die Vorderteile von Tieren in Akanthusumrahmung; die Sima zeigt zwei Adler mit Girlanden in den Schnäbeln und ein Seepferd. Das ist die Ausbeute bei der Freilegung des antiken Synagogenbaus. Der westliche Umlauf ist noch nicht aufgeräumt; bei dem bereitwilligen Entgegenkommen der Franziskaner steht jedoch eine Fortsetzung der Arbeit zu erhoffen, die mauche Einzelheiten noch in ein helleres Licht setzen dürften. Nur anhangsweise soll erwähnt werden, dass wir uns in Teil Hum, wahrscheinlich dem Kafar Nachum oder Tanchum der alten jüdischen Schriftsteller, überhaupt auf einem ganzen Euinenfelde befinden. Die Ausgrabungen, die hier schon mit reichem Erfolge begonnen waren, mussten aus Furcht vor der türkischen Eegierung wieder eingestellt und zugedeckt werden; doch kann in der Zukunft, nachdem die Erwerbung des Geländes den Franziskanern geglückt ist, auf eine reiche, fruchtbringende Grabung gehofft werden. III. An das Modell von Teil Hum schliessen wir in Kürze die anderen Synagogenruinen an, soweit sie Bemerkenswertes aufweisen. Grosse Aehnlichkeit mit der Anlage von Teil Hum verrät in Grundriss und Aufbau die Synagoge zu Umm el-Amed. Wenn hier die Wandbänke fehlen, so liegt das an dem Vandalismus der Umwohner, da noch die Engländer sie gesehen haben. Mit den beiden Synagogen ist namentlich in der ornamentalen Dekoration die von ed-Djisch, dem Gusch Halab des Talmud und dem letzten Stützpunkt des Josephus im Römerkampf, verwandt; allerdings weist sie nur ein einziges Portal auf und gliedert sich in drei Schiffe von gleicher Breite (mit je 4,67 m Spannweite). Auf einer Säulentrommel findet man eine hebräische Inschrift eingegraben; die Umfassungsmauern, soweit sie noch

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