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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 521 - 522

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Zur Geschichte des jüdischen Theaters
Date
1908-08-01
Page
Seite 521 - 522 (sequence 7)
Language
German
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521 Samuel Meiseis: Zur Geschichte des jüdischen Theaters. 522 teils an dichterischer Ambition. Aber indirekt hat sein Theater auf die jüdischen Volksmassen im Osten belehrend gewirkt. Es war der Vorbereitungskurs für die modernen jiddischenBühnen, die später in Newyork und London entstanden sind. Indem Goldfaden aus den verschiedensten deutschen Opern und Operetten die Melodien für seine Lieder zusammentrug, machte er das Ohr seiner Zuhörer für andere Töne, als die der Synagogengesänge und der Hochzeitsmusik, empfänglich. Er erzählte ihnen in seinen Stücken, zwar nicht dramatisch, aber episch und in klangvollen Eeimen. allerhand lehrreiche Erzählungen aus der Geschichte, ethische Fabeln aus der Sagenwelt und nutzbringende Begebenheiten aus dem praktischen Leben. Makkabi und Mattithjahu, Bar-Kochba und Elieser, Herodes und Mariamne, Holofernes und Judith, Rabbi Joselmann und Doktor Almassado — Goldfaden lehrte die jüdischeiiVolksmassen diese Namen aussprechen und machte sie mit derenLebensschicksalen bekannt. Goldfadens Erfolge in Rumänien waren von kurzer Dauer. Nach Beendigung des russischtürkischen Krieges waren durch die Heimreise der „Podratschiki" und ihrer Helfershelfer die Einnahmequellen für das jiddische Theater fast völlig erschöpft. Goldfaden sah sich gezwungen, in die russische Heimat zurückzukehren. Er ging mit seiner Truppe nach Odessa. Dort nahm sein Unternehmen in künstlerischer wie in materieller Hinsicht einen neuen Aufschwung. Die Bühneneinrichtung erhielt manch durchgreifende Verbesserung, die Mitwirkenden waren über die Anfängerschaft hinaus und man konnte bereits manche gute schauspielerische und artistische Bin /* m^^:Mi ,Mi *>fear ' 'iL} . FEM). IK)L. Jakob vor Pharao, Leistung konstatieren, der Zuspruch des Publikums übertraf einfach alle Erwartungen. Kurz: das „Geschäft" ging glänzend. Jedes gutgehende Geschäft erzeugt eine herbe Frucht: den Konkurrenten. Auch Goldfaden erwuchs bald ein Konkurrent in der Person eines jungen hebräischen Schriftstellers namens Leon Lerner. Als junger Mensch, der seinen Beruf verfehlt und im Leben viel Schiffbruch gelitten hatte, warf er sich mit jugendlichem Ungestüm auf das von Goldfaden neuerschlossene Gebiet, von dem er vieles erhoffte. Lerner war ein Mann von Bildung und von einem ziemlich entwickelten ästhetischen Empfinden. Goldfadens Theaterstücke, diese ..Lachsalven-Erreger', fand er geschmacklos. Er wollte die jiddische Bühne verfeinern, modernisieren, einen Zug von echtem Künstlertum in sie hineintragen. Also nicht als Nachahmer trat er auf, sondern als Theaterreformer. Er wollte das ernste künstlerische Drama pflegen. Da er selbst kein Dramatiker war, begann er Meisterdramen aus der deutschen Literatur zu übersetzen, und suchte verständnisvolle Schriftsteller für sein Unternehmen zu gewinnen. Auch sein Ensemble trug einen durchaus ernsten Charakter. Er machte den Anfang mit Gutzkows Uriel Akosta; der bekannte hebräische Schriftsteller M. L. Lilienblum lieferte ihm zwei Jargondramen „Serubabel" und „Die Doppel-Ehe". Allmählich gewann sich auch das Lernersche Theater sein Stammpublikum, und Odessa konnte sich nun mehr rühmen, die einzige Stadt in der Welt zu sein, die zwei jiddische Bühnen besitzt. Zu diesen zweien gesellte sich bald eine dritte. Ein Herr „Schumer" (Scheikcwitz), ein Roman - Fabrikant ersten Ranges, errichtete das dritte jiddische Theater in Odessa. Auch Schnmer ging seine eigenen Wege. Goldfaden wrollte erheitern, Lerner belehren: Schumer wollte seinen Zuschauern das Gruseln beibringen. Seine „von ihm selbst verfassten, höchst spannenden Theaterstücke4' waren dramatisiert e Hintertreppenromane. Sengen, brennen, morden, stechen — dieses Handwerk wurde allabendlich auf dieser Bühne vollbracht. Mit diesen „Dramen" hat Sclmmer alle Sherlock Holmesiaden der Gegenwart und Zukunft vorweggenommen. Wenn auch im allgemeinen aller guten Dinge __ drei sind, so waren doch drei jiddische Theater für DRESDEN". Odessa zuviel des Guten. wwwn

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