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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 515 - 516

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Zur Geschichte des jüdischen Theaters
Date
1908-08-01
Page
Seite 515 - 516 (sequence 4)
Language
German
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515 Samuel Meiseis: Zur Geschichte des jüdischen Theaters. 516 Aufführung und Hess die gedruckten Exemplare ver* brennen. Dagegen wurden in Prag öfter die „Actio Ester mit Ackaschwerosch" von den Schülern des berühmten Eabbi David Oppenheimer „auf einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und anderen Instrumenten" aufgeführt. Besonders zahlreich waren die zur Aufführung am Purimfeste bestimmten „Purimscherze", von denen die „Action von König David und Goliath" und „Hamans Testament und Tod" die bekanntesten sind. Der Anfang der Mendelssohnschen Epoche bedeutet das Ende der jüdisch-deutschen Literatur in Deutschland. Die Juden in Deutschland beginnen das reine Hochdeutsch zu sprechen und ihre jüdischen Werke in rein deutscher Schriftsprache abzufassen. Dafür entwickelt sich in den slawischen Ländern eine polnisch - jüdisch - deutsche oder, wie man sie zutreffend nennt, eine jargonische Literatur. Im neunzehnten Jahrhundert erwacht die jüdisch-deutsche Literatur in Polen und Kussland zu neuem Leben. PETER PAUL RUBENS. MUENCHEN. Gedichtsammlungen, Er- Versöhnung zwischen Esau und Jakob. Zählungen, Novellen, Romane, erscheinen in nicht geringer Anzahl auf war, sind Legion. Ich glaube, jedes Blatt clor dem Büchermarkt, darunter auch einige mehrjüdischen Geschichte zählt eine Ursache auf: aktige Theaterstücke, die zunächst ausschliesslich bald ist's der Selbsterhaltungstrieb, bald der zur Lektüre bestimmt sind. Dr. Ettlinger starre Rabbinismus, der angeborene "Wissensschreibt ein Theaterstück „Serkele"; Abraham drang, der mangelhaft ausgebildete Kunstsinn, Bär Gottlober eine dreiaktige Komödie „Das vornehmlich aber die Verfolgung und Unter- Decktuch oder zwei Hochzeiten in einer Nacht"; drückung von aussen. Dies alles erklärt uns ein Ungenannter lässt ein Stück drucken „Reb auch, warum von allen Erzeugnissen der jar- Chaimel der Kozen (Reiche), ein teater in vir gonischen Literatur dieser Epoche die Dramen akten", in dessen Vorrede der Verfasser das die schlechtesten sind. Ein Bühnenwerk, von Theaterstück als ausserordentlich nützliche Lekvornherein lediglich zur Lektüre bestimmt, kann türe anpreist und wünscht, „es soln das bichle nicht ein Werk für die Bühne sein. Es war für ale kinder leienen." Ein Jargonschriftsteller die Juden im Ghetto zweifellos kein grosser macht so^ar den kühnen Versuch, ein Moses- Verlust, dass für die „gemachten" Bühnen- Drama mit sieben „Vorstellungen" zu dichten, werke keine Bühnen vorhanden waren. Die Dieses Drama trägt den kuriosen Titel: „Moses primitiven jüdischen Bühnen, die die sogenannten oder das befreiüng der israeliten aus egipten, Jüdischen Sängertruppen, wie z. B. die berühmten gemacht durch Schlomo Badchena. „Brodyer Sänger" in Bierlokalen und Wein- Die Ursachen, dass nirgends das Bedürfnis restaurants errichteten, waren geradezu eine einnach einer spezifisch jüdischen Bühne vorhanden dringliche Malmung, diese verrohend wirkende

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