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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 505 - 506

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-08-01
Page
Seite 505 - 506 (sequence 4)
Language
German
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505 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in «ler bildenden Kunst. 506 R AFAE LSCHULE. VATIKAN. Der .Traum Jakobs. Tarban bekleideten Esau in eine ideal pittoreske Landschaft von der Art der Schirmer und Rottmann. Die Versöhnung als eigentliches Thefma und die Gestalten der sich umarmenden Brüder als dominierenden Bildinhalt hat — Rembrandts Bild in der Eremitage stellt wohl die Versöhnung zwischen David und Absalom und nicht die zwischen Jakob und Esau dar — G. F. Watts gemalt. Zwei riesenhafte Gestalten neigen sich zueinander, Jakob wie ein junger Anachoret, zage und verhalten, Esau gleich einem pergamenischen Heros, von Gefühlswallung hingezogen. Ihre Leiber ragen durch den Bildraum, sperren den Hintergrund ab und geben eine forzierte aber wirkungsvolle Höhendimension. Im tiefgelegenen Mittelgrund werden Tiere und Menschen sichtbar, eine Frau mit einem Kinde an der Brust blickt mit indiffei entern Interesse nach vorn. Modellierung und Aufbau kommen mehr zur Wirkung als das Leben und seine Beseeltheit, es ist mehr Gruppe darin als Menschendasein. Von den Erlebnissen Jakobs auf der Reise finden sich in Miniaturhandschriften recht unbefangene Schilderungen des Abenteuers der Dina, besonders reizvoll in der Bible Historiale, Harley 4381 des Brit. Mus., harmloser ist dabei Benozzo Gozzoli. Auch der Tod der Deborah, das Wogschaffen der Götterbilder (Wiener Genesis) und der Tod Rah eis kommen in solchen illustrativen Werken vor. Ein recht sentimentales, süssliches Bild vom Tode Raheis von G. B. Cignaroli befindet sich in der Akademie in Venedig. Die bedenkliche Geschichte von Juda und Thamar wurde in mehr oder minder freier Weise behandelt. In Aelfrics Pentateuch reicht Juda der steif gekleideten Schwiegertochter, die sich mit den dünnen Fingern das Gesicht bedeckt, den Stab und einen grossen Ring, daran schliessen sich dann die weiteren Szenen: der Freund auf der Suche, die Verurteilung und Hinausführung Thamars, die TJeberfiihrung Judas und die Geburt der Kinder. Den Reiz und die Unbefangenheit der französischen Miniaturkunst zeigt das Manuskript Eg. 1894 des Britischen Museums. Auf dem Bette liegen die beiden toten Söhne, Juda und sein Weib stehen trauernd in der Tür, die Schwiegertochter eeht zurückblickend nach der anderen Seite zur Tür hinaus. Darauf folgt eine stürmische Umarmung in den Weinbergen und die zum Feuer hingeführte Thamar, die dem erschreckenden Juda Stab und Rin<r s°ndet. Die Flämische Bibelübersetzung (10043) des Britischen Museums charakterisiert Thamar in mittelalterlicher Manier als Matrone, die in schwarzem Mantelkleid wie eine Nonne am Wege sitzt. Rembrandt hat eine prachtvolle Zeichnung (Albertina, Wien) mit der Ueberreichung der Pfandgegenstände geschaffen, eine andere Zeichnung (früher Samml. R. Kann) stellt nach dem Vorbilde seines Lehrers Pieter Lastman (Zeichnung in Budapest, Stich in der Hofbibl. in Wien) ein weiteres Stadium der Vorgänge in derber Weise dar (die wundervolle Judenbraut in Amsterdam führt wohl mit Unrecht die Nebenbezeichnung Juda und Thamar). Aart de Gelder (Wien) gibt gleichfalls eine derbe Liebesszene mit schwachem rembrandtschen Kolorit. Eine Mischung von orientalisierender Romantik und Typik mit nüchterner Lüsternheit ist das trocken geratene Bild von Horace Vernet. Die - halbentblösste, flüchtig das Gesicht verhüllende Thamar und der bedächtig galante' Juda stammen trotz des Kameis und der Pal ine hinter ihnen eher aus dem Salon als aus einem Wüstenstrich des Morgenlandes. — Der greife Jakob erscheint^ noch" in verschiedenen künstlerischen Darstellungen, insbesondere bei der Erzählung der Träume Josefs, beim Anblick des blutbefleckten bunten Rockes, vor Pharao, Manasse und Ephraim segnend und noch anderen Ereignissen seines Greisenalters, die zugleich in die Geschichte Josefs hineinspielen. So ergreifend das Leiden und Bangen des alten Mannes auch geschildert ist, das Hauptinteresse nimmt doch das Schicksal m Josefs dabei in Anspruch, und Jakob tritt erst in Ägypten wieder in .den Vordergrund der Ereignisse. Seine Ankunft in Ägypten und sein Erscheinen vor Pharao ist im Zusammenhang der illustrativen Bilderfolgen in der Regel, ausserhalb dieser aber nur in einzelnen Fällen behandelt worden. Die Art, wie der Vater Josefs dem .-Lgypterkönig entgegentritt, hat sich die Phantasie der Darsteller sehr verschieden vorgestellt. In Aelfrics Pentateuch, in der Hagadah Add. 27 210 des Brit. Mus. sitzt er neben dem Könige, der sich mit ihm unterhält; in der französischen Josefshistorie 19 992 des Brit. Mus. kniet er („avec toute la lignie") vor dem König, eben:*o in der Hagadah (Cod. Hebr. 1333) der BiM. Nat. und der Bible Historiale Add. 18^50 des Brit. Mus. Jan Victoors (Amsterdam) lä>st gleichfalls einen alten jüdischen Mann vor dem stutzerhaften Pharao niederknien. Bei Ferdinand Hol (Dresden) verneigt er sich nur ehrfurchtsvoll, und Pharao sieht ihn weltmännisch reserviert mit einer Beimischung von Misstrauen an. Dieses etwas verächtliche Forschen wie die geckenhaft kluge Eleganz Josefs fehlt auf der Zeichnung zu dem Bilde (Ams'erdam); dort schaut er nur ernst und scharf beobachtend auf den alten Mann, und dessen Sohn sieht, wie um die königliche Stimmung zu erlauschen, auf den Herrscher. Als Wanddekoration gedacht hat E. J. Poynter, der akademische Akademiepräsident von London, das Begegnis in eine altertümelnde Pracht hineingesetzt, in der festliche Gestalten ihr ateliergeborenes Scheindasein entfalten. Die Se gen er teilung Jakobs gehört zu den biblischen Inhalten, die wegen ihrer hohen Bedeutung für die christologische Exegese in der Kunst des Mittelalters eine sehr verbreitete typische Gestaltung gewonnen haben. Im Ashburnham Pentateuch und anderen Manuskripten des früheren Mittelalters hat es nur illustrative Bedeutung, wenn Jakob die Hände über die Enkelkinder kreuzt. In Aelfrics Pentateuch sind die Hände überhaupt nicht gekreuzt. Später

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